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Der Spezialist für den Leichtbauwerkstoff Carbon bläst Trübsal - das operative Ergebnis soll nun um 20 bis 25 Prozent einbrechen. - Bild: SGL Carbon

Bei SGL Carbon wird es länger dauern als bisher gedacht, bis sich das Geschäft wieder erholt. Der Jahresstart war schwächer als erwartet – und auch die Aussichten sind trübe.

Die ohnehin schon düstere Gewinnprognose stampften die Wiesbadener deshalb ein. Der operative Gewinn soll im laufenden Jahr bis zu einem Viertel einbrechen.

Operativer Gewinn soll deutlich einbrechen

Anleger sind geschockt, zum Börsenstart verliert die SGL-Aktie gut sechs Prozent auf 28,16 Euro. “In diesem Umfang war das nicht zu erwarten”, zeigte sich Analyst Ulle Wörner von der Landesbank Baden Württemberg etwas überrascht. Schließlich sei bereits die alte Zielvorgabe mit einem Gewinnrückgang nicht berauschend gewesen.

Der Spezialist für den Leichtbauwerkstoff Carbon bläst Trübsal – das operative Ergebnis (EBITDA) soll nun um 20 bis 25 Prozent einbrechen. Bisher hatte SGL ein Minus von 10 bis 15 Prozent für 2013 in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr konnten die Hessen das Betriebsergebnis zwar noch leicht steigern, unter dem Strich kam SGL aber seinerzeit unter die Räder, der Jahresüberschuss brach um 90 Prozent ein.

Der Graphit- und Carbonspezialist kämpft schon seit einiger Zeit mit Geschäftsproblemen. Wegen verzögerter Lieferverträge mit dem Flugzeugbauer Boeing und Verschiebungen bei Windenergieprojekten musste der Konzern zuletzt hohe Abschreibungen vornehmen. SGL produziert den Leichtbauwerkstoff Carbon für Rotorblätter und für Flugzeuge von Boeing. Wegen der Probleme beim Prestigeflieger Dreamliner hatte der US-Konzern die Produktion bei einer Modellvariante reduziert.

Keine Trendwende im Carbongeschäft

Das insgesamt schwache Geschäft bekam SGL schon im ersten Quartal 2013 zu spüren. Das EBITDA wird nur 32 bis 35 Millionen Euro erreichen. Das ist deutlich weniger als die gut 54 Millionen Euro, die der MDAX-Konzern noch im Vorjahreszeitraum eingefahren hatte.

Zu weiteren Details des Jahresstarts wollte sich ein SGL-Sprecher auf Nachfrage nicht äußern. Er verwies auf kommende Woche Freitag, wenn das Unternehmen den Quartalsbericht vorlegen will.

Ganz überraschend kommen die negativen Aussagen – trotz der deftigen Marktreaktion – allerdings nicht. SGL hatte vor kurzem betont, dass es 2013 keine Trendwende im Carbongeschäft geben wird. An den guten Perspektiven des Werkstoffs, den immer mehr Branchen für sich entdeckten, ändere dies aber nicht, gibt sich SGL immer wieder optimistisch.

Der für seine Leichtigkeit geschätzte Werkstoff wird in zahlreichen Produkten verwendet, von Flugzeugen über Bremsscheiben und Windturbinen bis hin zu Golfschlägern. Mittel- bis langfristig will SGL daher auch profitabel wachsen. Zukunftsweisende Bereiche sind die Materialsubstitution durch Carbonfasern und andere Verbundstoffe sowie der verstärkte Einsatz der SGL-Produkte in der Energietechnik. Außerdem sieht der Konzern große Chancen in der Automobilindustrie.

BMW setzt bereits stärker auf den Leichtbauwerkstoff. Im Herbst soll das Elektro-Auto i3 auf den Markt kommen – das erste Auto, dessen Fahrgastzellen aus Carbonfasern bestehen. BMW hat sich zudem an dem Graphitspezialisten SGL beteiligt – ebenso wie Wettbewerber Volkswagen.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke