Annette Winkler

Annette Winkler ist für den City-Flitzer verantwortlich und soll der Marke neuen Glanz verleihen. - Bild: Daimler

Smart-Chefin Annette Winkler braucht einen langen Atem. Die 51-Jährige ist leidenschaftliche Rennradfahrerin. Der enge Terminkalender der Managerin lässt ausgedehnte Radtouren jedoch kaum mehr zu, stattdessen geht sie regelmäßig vor der Arbeit joggen. Ausdauer kann die gebürtige Hessin, die seit September vergangenen Jahres für den City-Flitzer verantwortlich ist, auch beruflich gut gebrauchen. Sie soll der Marke, die Daimler in den vergangenen Jahren viele Sorgen bereitet hat, neuen Glanz verleihen.

In die Karten spielen dürfte der Managerin dabei, dass sich in der Branche seit dem Verkaufsstart des Smart 1998 vieles geändert hat. Kleinstwagen haben sich zu einer strategisch wichtigen Spielwiese für das Auto der Zukunft entwickelt. Das gilt für die Elektromobilität. Aber auch neue Geschäftsfelder rund um das Auto wie das Carsharing werden mit den Kleinen erschlossen.

Smart als perfekte Hardware für die Mobilitätsprobleme

Im Fokus sind von dichtem Verkehr geplagte Metropolen, in denen künftig viele Menschen gar kein eigenes Auto mehr haben werden. “Der Smart ist die perfekte Hardware für die Mobilitätsprobleme in der Stadt”, sagt Winkler. Und um die Autos herum werden neue Mobilitätskonzepte gebaut.

Jüngstes Beispiel: Im nächsten Jahr steigt Smart in den Fahrradmarkt ein. Das Pedelec wird zusammen mit dem E-Bike-Hersteller Grace entwickelt und produziert. In Kürze fällt außerdem die Entscheidung, ob Smart auch einen Elektroroller baut.

Aber auch bereits angelaufene Projekte wie das Carsharing, das Daimler mit “Car2Go” schon 2008 in Ulm startete, will Winkler weiter ausbauen. Einen Schub erhofft sich die Managerin zudem vom Elektro-Smart, der ab Mitte nächsten Jahres in die Autohäuser kommt. “Wir wollen im ersten vollen Jahr 2013 fünfstellig beim Absatz werden.” Dabei will der Autobauer mit neuen Vertriebskonzepten einen Beitrag leisten, um Elektroautos erschwinglich zu machen. Details verrät Winkler aber noch nicht.

Ein Selbstläufer dürften die nächsten Jahre für die Smart-Chefin aber nicht werden. Denn ob die neuen Ideen am Ende wirklich Geld in die Kasse bringen, wird sich erst zeigen. Außerdem wittern auch Rivalen wie BMW und Volkswagen bei Dienstleistungen rund ums Auto gute Geschäfte. So sind die Münchner ebenfalls ins Carsharing eingestiegen. Mit ihrer neuen Marke “BMW i” wollen sie außerdem nicht nur ihre ersten Elektroautos auf den Markt bringen, sondern auch neue Angebote rund ums Thema Mobilität.

Neue Smart-Modelle erst ab 2014

Zu kämpfen hat Winkler zudem mit einem hausgemachten Problem: Die neuen Smart-Modelle, die einen Schub beim Absatz bringen sollen, kommen erst 2014 in die Autohäuser. Der neue Zweisitzer und der Viersitzer werden auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Twingo des Partners Renault gebaut. “Die neuen Smarts existieren auf dem Reißbrett und als Modellbauten, aber es gibt noch keine Prototypen”, sagt Winkler.

In den vergangenen beiden Jahren war der Absatz beim Smart drastisch eingebrochen. 2008 waren noch 139.000 City-Flitzer verkauft worden, im vergangenen Jahr 94.300. In den letzten Monaten hat sich die Lage zwar wieder stabilisiert, an 2008 wird Smart aber auch 2011 bei weitem nicht herankommen. “Wir erwarten in diesem Jahr 90.000 verkaufte Smarts plus x, aber ein schönes x”, sagt Winkler.

Smart Visionen

Der Smart forspeed und die Zweirad-Studien escooter und ebike sollen für die Zukunft der Mobilität in Städten und Ballungsgebieten stehen. - Bild: Daimler

Smart hat derzeit nur Zweisitzer im Programm. Große Pläne mit dem kleinen Auto wie ein Roadster und schon einmal ein Viersitzer waren in der Vergangenheit nach und nach zu Grabe getragen worden. Für die Zukunft kann sich Winkler jedoch weitere Modelle grundsätzlich wieder vorstellen. “Das Thema Derivate schauen wir uns selbstverständlich an”, sagt sie. “Und wenn wir da spannende Ideen haben, ist das auch nicht ausgeschlossen.”

dpa/Guido Kruschke