Martin Winterkorn, Volkswagen

Mit Spannung wird erwartete, ob VW-Chef Martin Winterkorn bei der Vorlage der Quartalszahlen heute weitere Details zum Sparprogramm nennt. Bild: VW

Europas größter Autobauer VW dürfte im dritten Quartal die schwache Rendite seiner Kernmarke Volkswagen Pkw noch nicht in den Griff bekommen haben. Zwar kündigte Konzernchef Martin Winterkorn im Juli einen strammen Sparkurs an und will “vieles grundlegend in Frage stellen”. Die volle Wirkung dürfte das Programm aber nicht vor 2017 entfalten. Weitere Details könnte VW heute bei der Vorlage der Quartalsbilanz beleuchten.

Allein die Kernmarke soll ihre jährlichen Kosten um fünf Milliarden Euro drücken – das entspricht rund fünf Prozent ihres Jahresumsatzes. Doch auch andere Marken müssen angeblich den Gürtel enger schnallen: Beim größten Renditebringer Audi sollen nach unbestätigten Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zwei Milliarden Euro zusammenkommen. Konzernchef Rupert Stadler hatte im Juli an die Mitarbeiter geschrieben, das Unternehmen müsse die Kostenentwicklung begrenzen.

Gürtel enger schnallen

Ähnliches gilt für Skoda. Dort sollen die Kosten unter anderem durch eine günstigere Beschaffung in Asien sowie geringeren Einsatz teurer Roboter-Technologie gedrückt werden. Außerdem sollen Kunden etwa bei der Farbauswahl mit weniger Möglichkeiten auskommen.

Wie viel Geld Volkswagen konzernweit sparen will, darüber gibt es keine Informationen. Für 2018 haben die Wolfsburger aber teils ambitionierte Renditeziele für ihre einzelnen Marken und Geschäftsfelder. Der gesamte Konzern will von 2018 an mindestens acht Prozent seines Umsatzes als Gewinn vor Steuern einbehalten. 2013 hatte VW 6,3 Prozent erreicht.

Für das dritte Quartal rechnen die von Bloomberg bis Dienstag befragten Analysten im Schnitt mit 47,8 Milliarden Euro Umsatz – das wäre ein Plus von zwei Prozent. Davon dürften vor Zinsen und Steuern 2,8 Milliarden Euro Gewinn (Ebit) bleiben (Vorjahr: 2,78). In beide Werte fließt das China-Geschäft mit den lokalen Joint-Venture-Partnern nicht ein. Der Gewinn der dortigen Autoverkäufe findet sich über Dividenden aber im Überschuss, der aus Sicht der Experten um ein Viertel auf 2,4 Milliarden Euro steigen dürfte.

Der Umsatz der Kernmarke könnte nach Schätzungen von JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sogar etwas niedriger liegen als vor einem Jahr. Denn außerhalb von China gingen die Verkaufszahlen im dritten Quartal um rund sechs Prozent zurück. Bei der Ebit-Marge rechnet der Experte sogar mit einem weiteren Rückgang auf 1,7 Prozent. Dagegen dürften Audi und Porsche erneut rund zwei Drittel des Gewinns beisteuern. Beim Umsatz beträgt der Anteil der beiden Töchter zusammen nur ein Drittel.

Die aktuellen Sorgen bei der Rendite dürfte im aktuellen Aktienkurs aber schon berücksichtigt sein, glaubt etwa Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe. Seit Jahresbeginn haben die VW-Vorzugsaktien im Dax mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

An den – ohnehin weit gefassten – Prognosen dürften die Wolfsburger indes kaum rütteln. Sie sehen den Umsatz um bis zu drei Prozent höher oder niedriger als die 197 Milliarden Euro aus 2013 und eine Ebit-Marge von 5,5 bis 5,6 Prozent. Das entspricht einer Umsatzspanne von 191 bis 203 Milliarden Euro und 10,5 bis 13,2 Milliarden Gewinn vor Zinsen und Steuern (Vorjahr: 11,67 Mrd). Analysten gehen im Schnitt von 12,35 Milliarden aus. Den Umsatz sehen sie bei 200 Milliarden Euro.

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fv/dpa