Messegeschehen auf der Automobilzulieferermesse IZB im Jahr 2012. Bild: Wolfsburg AG

Messegeschehen auf der Automobilzulieferermesse IZB im Jahr 2012. Bild: Wolfsburg AG

Sparen liegt bei deutschen Autobauern im Trend. VW, Daimler und Co. haben ehrgeizige Ziele, um ihre Kosten zu drücken. Das könnte auch kleinere Automobilzulieferer treffen. Doch die geben sich – noch – gelassen. “Für uns ist das nichts Neues”, sagt ein Firmenvertreter. “Das ist bei uns noch gar nicht angekommen”, meint ein anderer. Krisenstimmung hört sich anders an.

Dabei könnten sogenannte Effizienzprogramme einiger Autobauer gerade den kleineren deutschen Lieferanten bald zu schaffen machen. So will Volkswagen die Kosten bis 2017 um 5 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Auch manche Experten malen ein eher düsteres Bild für die Branche. Die Konsolidierungsbemühungen der Autohersteller könnten massiv Umsatz kosten, befürchtet Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Allein VW werde rund drei Milliarden Euro bei den Zulieferern einsparen, schätzt er. Und das sei erst der Anfang.

“Auch bei anderen Autobauern steht die Senkung von Einkaufspreisen an”, schreibt der Branchenbeobachter in einer Studie. Insgesamt schätzt Dudenhöffer die Einbußen für deutsche Lieferanten auf fünf Milliarden Euro im Jahr – das wären 7 Prozent des Branchenumsatzes.

Die Mittelständler wollen von solchen Zahlen indes nichts wissen. “Das ist reine Mathematik”, sagt Arndt Kirchhoff. Der Vorsitzende des Mittelstandskreises des Verbandes der Automobilindustrie und Chef des Zulieferers Kirchhoff Automotive versucht zu beschwichtigen.

“Die Gefahren, die einen den Kopf kosten können, sind andere”, meint Kirchhoff – zum Beispiel das Ausbleiben technologischer Innovationen. Für ihn ist die Rechnung einfach: Steigt weiterhin die Nachfrage nach deutschen Autos insgesamt, dürften die Sparmaßnahmen auch bei den kleineren Autozulieferern verkraftbar sein.

Für die deutschen Lieferanten ging es nach einem Einbruch 2009 zuletzt wieder bergauf. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in ihrem Kerngeschäft einen Umsatz von rund 70 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor. Rund zwei Drittel ihrer Erlöse erzielten die Unternehmen demnach mit deutschen Autobauern.

Doch nach Ansicht Dudenhöffers bekommen besonders die Mittelständler bald einen Dämpfer. Anders als die Branchengrößen ZF, Continental oder Bosch könnten sie den Preisdruck nicht ohne weiteres an Unterlieferanten weitergeben. Auch deshalb würden “bis zu 20 Prozent der mittelständischen Zulieferunternehmen in den nächsten fünf bis sieben Jahren ihre Selbstständigkeit verlieren”, schätzt Dudenhöffer. Besonders bei Gewinnmargen von unter drei Prozent drohe Gefahr.

“Das trifft nur den, der eh schon auf der Kippe steht. Das reinigt den Markt”, kommentieren dies mittelständische Zulieferer auf der IZB, auf der von Dienstag bis Donnerstag über 800 Aussteller ihre Produkte vorstellen. Ihr Selbstbewusstsein wird durch die Hoffnung auf mehr VW-Aufträge gestärkt. VW-Chef Martin Winterkorn hatte Anfang der Woche im Spiegel angekündigt, die hohe interne Leistung bei der Zulieferung auf den Prüfstand zu stellen: “Wir müssen überlegen, ob wir manche Teile sinnvollerweise von Lieferanten beziehen.”

Auch Branchenfachmann Stefan Bratzel erwartet nicht das ganz große Erdbeben durch die Sparbemühungen der Autobauer. “Es wird sich natürlich bemerkbar machen.” Denn Material verursache hohe Kosten und werde oft von Lieferanten bezogen. Allerdings sei das nicht neu, Effizienzprogramme seien schon fast Alltag: “Es ist nicht so eine Besonderheit.” Die Zulieferer müssten seit Jahren damit umgehen.

Jetzt gelte es, dass Autobauer und Lieferanten sich zusammensetzen. Sehr häufig würden sich im Gespräch Ideen ergeben, wie man Teile günstiger produzieren kann. “Intelligent sparen” nennt das Bratzel. Das Schlagwort macht auch auf der IZB die Runde. Vor reinen Preisabschlägen fürchten sich die kleineren Lieferanten scheinbar nicht: “Die kennen ja die Kosten, alles ist offen und transparent.”

Valentin Frimmer, dpa/ks