Ex-Audi Chef Rupert Stadler

Im Audi-Prozess zum Dieselskandal hat heute der zweite Verhandlungstag begonnen. Auf der Anklagebank sitzt unter anderem der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler. Bild: Audi

| von Werner Beutnagel

Dabei übte Verteidiger Thilo Pfordte massive Kritik an der Staatsanwaltschaft. Deren bisherige Verfahrensführung sei "grob unfair", sagte er. Die ganze Anklage befinde sich in "Schieflage". Stadler ist zusammen mit drei weiteren ehemaligen Mitarbeitern von Audi wegen des Diesel-Skandals angeklagt. Ihm wird allerdings weniger vorgeworfen als den anderen dreien: Bei ihm geht es vor allem darum, dass er nicht verhindert hat, dass die manipulierten Autos ab Herbst 2015 weiter verkauft wurden.

Der Unterschied in den Vorwürfen ist einer von mehreren Gründen, die die Verteidiger für die Abtrennung des Verfahrens anführen. Der größte Teil der Anklage beziehe sich auf die drei anderen Beschuldigten, sagte Pfordte. Die Vorwürfe gegen Stadler seien erst auf den letzten Seiten angehängt.

Zudem befürchtet der Verteidiger, dass die aktuelle Konstellation es Stadler sehr schwer machen werde, sich zu verteidigen. Beschuldigte in anderen Verfahren würden sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht berufen, sagte Pfordte. So argumentiert er, dass Stadler nicht als Privatperson sondern als Vorstandsmitglied angeklagt sei, wie auch ein anderer Vorstand. Dessen Verfahren soll nach dem aktuellen Plan aber erst nach dem gegen Stadler und die drei anderen Angeklagten laufen.

Eine Abtrennung seines Verfahrens könnte Stadler viele Tage im Sitzungssaal in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim ersparen. Das Gericht hat rund 180 Verhandlungstage bis Ende 2022 angesetzt. Insgesamt gibt es mehrere Dutzend Beschuldigte in dem Komplex.

Prozess ist geprägt von Schuldzuweisungen

Den Prozess vor dem Landgericht München haben derweil gegenseitige Schuldzuweisungen geprägt. In Erklärungen der Verteidiger gab der angeklagte Motorentwickler Giovanni P. seine Beteiligung an den Abgas-Tricksereien zu, sah sich aber in der Rolle eines untergeordneten Befehlsempfängers: „Alles wurde von oben bestimmt“, sagte sein Anwalt Walter Lechner am Dienstag. Die Probleme mit den zu kleinen Adblue-Tanks für die Abgasreinigung seien „allen Beteiligten bis zur Konzernspitze von VW und Audi bekannt“ gewesen. Die strategische Entscheidung habe der Vorstand getroffen. Die Verteidiger des früheren Audi-Motorenchefs Wolfgang Hatz warfen Giovanni P. Lügen vor. „Herr Hatz hat derartiges nicht gebilligt“, und hätte das auch „niemals geduldet“, sagte sein Anwalt Gerson Trüg.

Der ehemalige Leiter der Abgasnachbehandlung bei Audi, Henning L., gestand seine Beteiligung an den Abgas-Tricksereien, betonte aber seine heutige Rolle als Aufklärer. Er und seine Mitarbeiter hätten wesentliche Teile der Schummelsoftware eingesetzt, sagte sein Verteidiger Maximilian Müller. „Aus seiner Sicht gab es bei Audi keine Entscheidung, eine Schummel-Software zu entwickeln.“ Das sei vielmehr das Ergebnis einer „schleichenden Entwicklung“ gewesen: Das Diesel-Entwicklerteam habe erkannt, dass es vermeintlich unverrückbare Vorgaben von anderen Teams und von Vorgesetzten nicht erfüllen konnte.

Statt offen zu erklären, dass sie an ihrer Aufgabe gescheitert waren, hätten die Entwickler schließlich Abschalteinrichtungen eingebaut. Das liege auch an der damaligen autoritären Unternehmenskultur bei Audi und im VW-Konzern: Niemand, der direkt mit Manipulation befasst war, sei mutig genug gewesen, „die Reißleine zu ziehen“.

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