Opel_Eisenach_Jobangst

Am Opel-Standort Eisenach geht die Job-Angst um. Der Streit um die Sanierung spitzt sich zu. Bild: Opel

| von Frank Volk

Der Streit um den richtigen Sanierungsweg beim Autobauer Opel spitzt sich zu. IG Metall und Betriebsrat werfen der eigenen Geschäftsführung und dem neuen Mutterkonzern PSA offenen Tarifbruch vor und haben für den morgigen Donnerstagnachmittag (19. April) zu Betriebsversammlungen an allen drei Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach aufgerufen.

Das in den 1990er-Jahren gegründete Montagewerk in Thüringen scheint in dem Konflikt zur ersten Nagelprobe zu werden. Laut Gewerkschafts-Informationen plant Opel dort einen massiven Personalabbau. Die Belegschaft könnte von derzeit rund 1800 auf nur noch knapp 1000 Leute schrumpfen, wenn die bislang vorliegende Produktionsplanung umgesetzt werde, hieß es am Mittwoch in Kreisen der IG Metall. Opel kommentierte die Größenordnung zunächst nicht.

Unter der Führung des neuen Eigners PSA will Opel im thüringischen Werk mittelfristig nur noch einen Geländewagen montieren. Der Adam soll zunächst weiterlaufen, während der Corsa künftig ausschließlich in Spanien gebaut werde. Dem Vernehmen nach soll von drei auf zwei Schichten umgestellt werden. Die IG Metall beharrt aber darauf, dass PSA an frühere tarifliche Produktionszusagen des alten Eigentümers General Motors gebunden sei.

«PSA und die Geschäftsleitung nehmen billigend den Bruch von Tarifverträgen in Kauf. Nach monatelangen Verhandlungen liegen bis heute keine zufriedenstellenden Vorschläge für die gleichwertige Erfüllung der Produkt- und Projektzusagen aus den Tarifverträgen für die Entwicklung und die Werke auf dem Tisch», heißt es in der Einladung zu den Betriebsversammlungen.

PSA hat bislang versichert, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen und Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren, ohne dass bislang Zahlen zu Annahmequoten veröffentlicht worden wären. Investitionszusagen gab es bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands, während hierzulande die Gespräche mit der IG Metall stocken. Die dringend anstehende Investitionsentscheidung für Eisenach wurde am Montag ausdrücklich auf Eis gelegt und weitere Lohnzugeständnisse verlangt.

Investitionszusagen nur außerhalb Deutschlands

Nach Auffassung des IG-Metall-Chefs Jörg Hofmann könnten alle von der Opel-Mutter PSA angestrebten Kostenziele für das Werk in Eisenach erreichbar werden – "und zwar ohne Eingriffe in bestehende Tarifverträge", sagte er der Wirtschaftswoche. Bei dem aktuellen Streit um finanzielle Zugeständnisse der Arbeitnehmer habe er den Eindruck, dass in Eisenach "ein Exempel statuiert werden soll, um die Opel-Belegschaften einzuschüchtern". Dabei sei dem Betriebsrat und der IG Metall bewusst, dass Produktivität und Effizienz Voraussetzung für den Erhalt eines Produktionswerkes seien. Genau diesen Anspruch erfülle das Werk in Thüringen.

Die IG Metall könne PSA ungewollt einen Vorwand liefern, doch noch die beiden Werke Eisenach und Kaiserslautern zu schließen, hatte der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärt. Nur der Stammsitz Rüsselsheim sei wegen der dort sitzenden Entwicklung und der sehr modernen Produktion für PSA unverzichtbar.