Rainer Einenkel

Zafira aus Rüsselsheim. Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel bezeichnete das in einem an die Mitarbeiter verteilten Flugblatt als "unglaubliche Provokation". - Bild: kg

Am Mittwoch kündigte die Firmenleitung an, den bisher in Bochum gefertigten Zafira Tourer ab 2015 im Stammwerk Rüsselsheim zu bauen. Der Bochumer Betriebsrat bezeichnete das in einem an die Mitarbeiter verteilten Flugblatt als “unglaubliche Provokation”. Der Betriebsrat prüfe eine Klage gegen die Standortschließung, sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel. Einenkel drohte außerdem indirekt mit Maßnahmen der Bochumer Belegschaft.

Läßt sich die “ampferprobte Belegschaft” die Verlegung bieten?

“Wir hatten vergangene Woche bereits eine vierstündige Informationsveranstaltung in der Arbeitszeit”, sagte er. “Der Informationsbedarf könnte jetzt auch noch größer sein, das entwickelt manchmal eine spontane Dynamik”, sagte er. “Die Menschen im Ruhrgebiet sind spontan und kreativ.” Die Bochumer Belegschaft gilt als kampferprobt. Sie hatte 2004 mit einem siebentägigen “wilden Streik” schon einmal Tarifgeschichte geschrieben.

Bisher wird das Familienauto exklusiv in Bochum gebaut. Die Beschäftigten im Ruhrgebiet hatten den Opel-Sanierungstarifvertrag abgelehnt, der den Erhalt zahlreicher Jobs, aber die Schließung der Autoproduktion im Bochumer Werk nach 2016 vorsah. Daraufhin verkündete Opel das komplette Aus für das Werk einschließlich des Ersatzteillagers mit 430 Stellen, das ursprünglich erhalten werden sollte.

Zafira-Fertigung in Rüsselsheim wird das Stammwerk stärken

“Diese Entscheidung stärkt das hessische Stammwerk und wird die Auslastung verbessern”, teilte die Adam Opel AG am Mittwoch in Rüsselsheim zu ihren Zafira-Plänen mit: “Rüsselsheim wird damit in Zukunft das exklusive Werk für die beiden größten und aufwendigsten Opel-Baureihen – das Opel-Flaggschiff Insignia in all seinen Varianten und den Zafira Tourer.” In dem Flugblatt der Bochumer Arbeitnehmervertreter heißt es dagegen, Betriebsrat, Belegschaft und Bochumer IG Metall würden Massenentlassungen ab 2014 nicht akzeptieren. Es fehle eine plausible und nachvollziehbare Begründung dafür, die aber gesetzlich vorgeschrieben sei.

Der Streit um das Werk schadet der Marke. Der lange Jahre überdurchschnittliche Marktanteil der Marke Opel im Ruhrgebiet sei seit Beginn der jahrelangen Gezerres um Bochum deutlich zurückgegangen, stellte der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer vor kurzem in einer Studie fest.

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dpa/Guido Kruschke