Die deutschen Autokonzerne schafften sogar ein Gewinnwachstum von 20 Prozent auf neun Milliarden Euro und markierten damit ebenfalls einen neuen Rekord. Zudem haben die deutschen Autobauer bei den Absatzzahlen ihren Wachstumskurs im zweiten Quartal fortgesetzt. Nachdem sie die weltweiten Verkäufe im ersten Quartal um acht Prozent gesteigert hatten, schafften sie im zweiten Quartal immerhin noch ein Plus von 6 Prozent – und konnten damit die Konkurrenz aus Japan (5 Prozent), Frankreich (4 Prozent) und den USA (Prozent) hinter sich lassen. Nie zuvor verkauften die deutschen Konzerne in einem zweiten Quartal so viele Autos wie zwischen April und Juni 2014. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young quartalsweise erstellt.

Beim Umsatz hingegen schafften die drei deutschen Konzerne – wie auch die Wettbewerber aus den USA – gerade einmal ein Wachstum von 1 Prozent. Begünstigt vom schwachen Yen konnten hingegen die japanischen Hersteller ihren Gesamtumsatz um 6 Prozent steigern. Einen Umsatzrückgang verzeichneten die französischen Hersteller (minus 2 Prozent).

China bleibt Wachstumstreiber Nummer 1

Hauptreiber des weltweiten Autoabsatzes und vor allem des Erfolgs der deutschen Autobauer bleibt China: Dort konnten die größten 16 Autokonzerne der Welt ihren Absatz um 15 Prozent steigern. Den deutschen Konzernen gelang sogar ein Absatzwachstum um 20 Prozent – der Marktanteil der deutschen Autobauer stieg damit weiter und erreichte im ersten Halbjahr den Rekordwert von knapp 23 Prozent. Weniger gut lief es für die deutschen Autohersteller in den USA: Bei einem Marktwachstum von 7 Prozent steigerten die deutschen Autobauer ihren Absatz um unterdurchschnittliche 2 Prozent.

Starker Euro drückt Umsätze

Der – trotz deutlich gestiegener Absatzzahlen – nur sehr leicht gestiegene Umsatz der deutschen Autokonzerne könnte ein Hinweis auf gewährte Rabatte und einen ungünstigeren Modellmix sein. Vor allem aber drückt der starke Euro auf die Umsätze. Der gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen – allein im abgelaufenen zweiten Quartal beliefen sich die Umsatzeinbußen bei den deutschen Autobauern auf deutlich über 2 Milliarden Euro.

Volkswagen weiter umsatzstärkster Autokonzern

Dennoch konnte Volkswagen seine Position als umsatzstärkster Autokonzern der Welt auch im zweiten Quartal verteidigen. Der Wolfsburger Autokonzern erwirtschaftete knapp 51 Milliarden Euro – ein Rückgang um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Toyota belegt mit umgerechnet 46,1 Milliarden Euro den zweiten Platz im Umsatzranking.

Toyota hat beim Absatz die Nase vorn

Beim Pkw-Absatz hat hingegen weiter Toyota mit 2,51 Millionen verkauften Fahrzeugen die Nase vorn, knapp vor General Motors (2,50 Millionen) und Volkswagen (2,48 Millionen).

Toyota behauptet mit einem EBIT von umgerechnet knapp 5 Milliarden Euro auch beim Gewinn seine Position an der Spitze der Rangliste. Die folgenden drei Plätze im Gewinnranking belegen dann aber die deutschen Autokonzerne: Volkswagen mit 3,3 Milliarden Euro, Daimler mit 3,1 Milliarden Euro und BMW mit 2,6 Milliarden Euro.

BMW ist am profitabelsten

Insgesamt legten die deutschen Autobauer beim Gewinn um 20 Prozent zu, die operative Gewinnmarge stieg von 7,4 auf 8,8 Prozent. Weltweiter Spitzenzreiter im Ranking der profitabelsten Autokonzerne bleibt BMW: Der bayerische Autobauer steigerte die Marge von 10,6 auf 13,1 Prozent.

Daimler belegt dank eines starken Anstiegs der Marge von 6,9 auf 9,8 Prozent nun den dritten Platz hinter Toyota (10,8 Prozent; Vorjahr: 10,6 Prozent). Eine gesunkene Marge verzeichneten neben Volkswagen (von 6,6 auf 6,5 Prozent) unter anderem auch die koreanischen Hersteller Hyundai (von 10,4 auf 9,2 Prozent) und Kia (von 8,6 auf 6,4 Prozent).

“Unterm Strich war das abgelaufene Quartal für die deutschen Autokonzerne durchaus erfolgreich – vor allem, wenn man die Belastung durch den hohen Eurokurs berücksichtigt”, kommentiert Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young. “Aber es läuft längst nicht überall rund. Zudem mehren sich die Anzeichen für eine Eintrübung der weltweiten Automobilkonjunktur, die auch den deutschen Konzernen zusetzen würden.”

Goldgräberzeiten in China sind vorbei

Dass die deutschen Hersteller auch im abgelaufenen Quartal wieder Absatzrekorde vermelden konnten, haben sie in erster Linie ihrem Erfolg auf dem chinesischen Markt zu verdanken. In den vergangenen Jahren konnten die deutschen Autobauer ihren Absatz im Reich der Mitte massiv steigern: Von 2009 bis 2013 hat sich die Zahl der in China verkauften Pkws von 1,6 auf 3,7 Millionen mehr als verdoppelt. Und allein im ersten Halbjahr erzielten sie auf dem chinesischen Markt ein Absatzwachstum von 19 Prozent. Der Marktanteil der deutschen Autokonzerne erreichte im ersten Halbjahr den Rekordwert von knapp 23 Prozent.

Sie profitieren von ihrer guten Positionierung auf dem chinesischen Markt und dem anhaltend starken Marktwachstum. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass die Herausforderungen auf dem chinesischen Markt zunehmen werden: Zum einen dürfte sich in den kommenden Jahren das Nachfragewachstum verlangsamen, vor allem aber sehen sich die ausländischen Autokonzerne in China zunehmend selbstbewusst agierenden Behörden gegenüber, die zuletzt dafür sorgten, dass die Autobauer ihre Preise für Ersatzteile senken und Kartellstrafen zahlen mussten bzw. müssen. “Die Goldgräberzeiten in China sind vorbei. In den kommenden Jahren werden sich die Wachstumsraten normalisieren und die Margen sinken,” prognostiziert Fuß. “China bleibt aber dennoch eine entscheidende Stütze der weltweiten und vor allem der deutschen Autobranche.”

Ukraine-Krise belastet – Unsicherheit wächst

Ohne den stabilen Wachstumsmarkt China wäre die aktuelle Situation der weltweiten Autobranche deutlich weniger gut. Denn nachdem die Schwellenländer und einstigen Hoffnungsträger Brasilien und Indien schon länger als Wachstumstreiber ausfallen, bereitet nun auch der russische Markt große Sorgen: Im bisherigen Jahresverlauf gingen die Verkäufe in Russland – dem sechstgrößten Absatzmarkt der Welt – um 10 Prozent zurück, im Juli sogar um 23 Prozent.

“Ein Einbruch des Absatzes auf dem wichtigen russischen Markt tut einigen Unternehmen richtig weh, kann aber zumeist durch das Wachstum in anderen Regionen ausgeglichen werden”, stellt Fuß fest. Schlimmer sei, dass die Ukraine-Krise und die aktuellen Spannungen mit Russland die mittel- und langfristige Wachstums- und Investitionsstrategie vieler Unternehmen in Frage stellten, so Fuß: “Russland galt lang als ein sehr vielversprechender Automarkt und als beliebtes Investitionsziel internationaler Autokonzerne. Das hat sich schlagartig geändert”, so Fuß: “Von dem Enthusiasmus früherer Jahre ist aktuell nichts mehr zu spüren. Sollten die Spannungen mit Russland nicht rasch beigelegt werden, müssen die Unternehmen ihre Investitionsplanungen überdenken.”

Derzeit spreche jedoch wenig für eine Beilegung des Konflikts – im Gegenteil, beobachtet Fuß: “Die aktuelle Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen verheißt für die Autobranche nichts Gutes.”

Kostendruck wird zunehmen

Unsichere weltweite Konjunkturaussichten, die anhaltenden Spannungen mit Russland und ein Stocken der Konjunkturbelebung im Euroraum: Derzeit spreche viel dafür, dass sich das Wachstum der weltweiten Autobranche in der zweiten Jahreshälfte abschwächen werde, so Fuß: “Gut möglich, dass wir den Höhepunkt der weltweiten Erholung des Automobilmarktes bereits überschritten haben. Die Risiken haben in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen.”

Für die deutschen Hersteller kämen noch die bekannten Baustellen hinzu, zählt Fuß auf: Eine schwache Marktposition in den USA, hohe Rabatte in Europa, hohe Belastungen aufgrund des starken Euros, hohe Investitionen in Zukunftstechnologien. “Trotz der insgesamt guten Entwicklung der deutschen Autokonzerne bleibt erheblich Druck auf dem Kessel. Kostensenkungs- und Flexibilisierungsprogramme werden weiter ganz oben auf der Tagesordnung stehen – und die Sparvorgaben dürften teilweise noch verschärft werden.”

“Die Welt ist unberechenbarer geworden, Boom- und Krisenzeiten wechseln sich immer schneller ab“, fasst Fuß zusammen. „In einem solchen Umfeld müssten die Unternehmen auf die Kosten achten, um im Fall eines Abschwungs schlank aufgestellt zu sein und flexibel reagieren zu können. Die aktuellen geopolitischen Spannungen sind auch ein Signal an die Unternehmen, noch stärker an ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten.”

gp / Quelle: Ernst&Young