Die Reduzierung der CO2-Emissionen neuzugelassener Pkw in Deutschland kommt immer langsamer voran. Im wichtigsten EU-Markt Deutschland sanken die CO2-Emissionen in der ersten Jahreshälfte 2016 nur noch um 2,2 Prozent auf 127,6 g/km. Dies stellt die geringste Emissionsminderung der Hersteller seit dem Ausnahmejahr 2009/2010 dar, als es die Abwrackprämie gab. In den letzten 5 Jahren waren sind die CO2-Emissionen in Deutschland durchschnittlich noch um 3,2 Prozent gesunken, so das CAR. Insbesondere die hohe Nachfrage nach SUV und Geländewagen sowie niedrige Spritpreise torpedieren dabei die Anstrengungen der Automobilhersteller zur Reduzierung der CO2-Emissionen und vermindern die Akzeptanz bei Käufern für alternative Antriebe. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Der Marktanteil von SUVs und Geländewagen ist seit 2007 von 7,3 Prozent auf 20,8 Prozent im Juni 2016 gestiegen (Juni 2015: 19,2%). Die CO2-Emissionen dieser Segmente liegen aktuell bei 134,1 (SUV) bzw. 159,3 g/km (Geländewagen) und damit deutlich über dem Durchschnitt anderer Segmente wie etwa der Mittelklasse (125,9 g/km) oder der Kompaktklasse (117,4 g/km). Die meist verkauften SUV-Modelle waren im Juni etwa der Ford Kuga und der Opel Mokka, deren CO2-Emissionen bei 137 bzw. 141,8 g/km liegen. Bei den meist verkauften Geländewagen VW Ti-guan und Audi Q3 liegen die CO2-Emissionen bei 146,8 und 135,5 g/km. Studienleiter Bratzel: "Im hohen Maße sind die sich verlangsamenden CO2-Verbesserungen damit den SUV-Nachfrageverschiebungen geschuldet. Die Erfolge der Hersteller im Trendsegment SUV erschwert zunehmend die Einhaltung der EU Grenzwerte für das Jahr 2020/2021.“

"Die insgesamt ernüchternde CO2-Bilanz ist neben den Segmentverschiebungen auch auf die mangelnde Akzeptanz und technologische Reife von alternativen Antriebskonzepten zurückzuführen", resümiert Studienleiter Bratzel. Hinzu komme, dass die Zukunft des prinzipiell CO2-ärmen Dieselantriebs von Politik, aber auch von Herstellern zunehmend hinterfragt werde. Künftig werden die Kosten des Diesels für die Abgasreinigung deutlich steigen, so dass dieser in manchen Segmenten im Vergleich zum Benzinmotor an Attraktivität verliert. Treiber sind die neuen Testverfahren, wonach Grenzwerte nicht nur in Testumgebungen eingehalten werden müssen, als auch künftig zu erwartende Verschärfungen der Grenzwerte, etwa für Stickoxide.

"Der Höhepunkt des Dieselmotors als Antriebstechnologie scheint im globalen Maßstab bereits überschritten", erklärt Bratzel. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Dieselanteil an den Neuzulassungen von 48,1 Prozent auf 46,9 Prozent zum ersten Halbjahr 2016 gefallen. Im letzten Monat wurden nur noch 46 Prozent Diesel zugelassen. Dies markiert den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2010.