| von Wolfgang Gomoll

Beim Pokern nennt man das all in! Alles auf eine Karte beziehungsweise auf ein Blatt setzen. Bei der Bundesregierung ist es die Elektromobilität. Die Automobilbosse haben sich mit den Politikern auf ein milliardenschweres Paket geeinigt. Alle Elektroautos, die billiger als 40.000 Euro sind, werden mit 6000 Euro bezuschusst, bei teureren Stromer bis 65.000 Euro sind es 5000 Euro. Noch im November sollen die Zuschüsse bewilligt werden und bis 2025 gelten. Dazu kommen noch die Plug-in Hybride, die mit 4500 beziehungsweise 4000 Euro bezuschusst werden. Allerdings dürfen diese Fahrzeuge nicht mehr als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Damit diese Aktion nicht wirkungslos verpufft, sollen bis 2022 mindestens 50.000 Ladesäulen aus dem Boden sprießen. Die Autobosse haben das Paket aus mehreren Gründen abgenickt: Für die viel zitierte Transformation der Automobilbranche nehmen Herbert Diess & Co extrem viel Geld in die Hand, alleine bei VW sind es rund 44 Milliarden. Außerdem schweben noch die CO2-Grenzwerte der EU über den Häuptern der Top-Manager: Ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95 g CO2/km im Durchschnitt für alle neu zugelassenen Pkw eines Herstellers. Das ist ambitioniertes Ziel und auch da drohen Strafzahlungen.

Synthetische Kraftstoffe könnten helfen, das Ziel zu erreichen. Doch die bleiben beim Tanz um die Elektronen außen vor. Der Autozulieferer Bosch hat einen Care-Dieseltreibstoff entwickelt, der im Grunde aus Abfallstoffen sowie Altspeiseölen und Fettresten hergestellt wird und die Energiebilanz eines Pkws um 65 Prozent senkt. Doch aus Berlin folgte laut der "Stuttgarter Zeitung" schnell die brüske Absage an den Abfallsprit. Das Umweltbundesamt verweigerte die Zulassung für Biokraftstoff. Hintergrund sei die Entscheidung der Bundesregierung, zugunsten der Elektromobilität nicht auf alternative Kraftstoffe zu setzen. Damit gäbe es bereits eine Alternative für den Öko-Diesel. Dazu kommt die Gefahr, das Palmöl in den Treibstoff zu finden sei.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, der andere ist der, dass sich die Automobilindustrie milliardenschwer der Elektromobilität verschrieben hat und diese Investitionen möglichst schnell wieder reingeholt werden müssen. Das Primat der Elektromobilität ist erst seit Neuestem in Kraft: Bei den neuen Tanksymbolen, die seit diesem Jahr gültig sind, sind auch diverse Biodiesel (bis 100 Prozent / B100) vorgesehen, außerdem gibt es die Bezeichnung XTL für synthetische Kraftstoffe. Das Umweltbundesamt, eine Unterbehörde des Bundesumweltministeriums, begründete das der Zeitung gegenüber damit, dass mit Elektrofahrzeugen bereits Alternativen für Diesel-Pkw zur Verfügung stünden. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass Palmöl für den Öko-Sprit genutzt werde. Palmöl ist als Regenwald-Killer in Verruf geraten, da die grüne Lunge der Erde gerodet wird, um das Öl zu gewinnen. Doch diesen Umstand kann man laut Bosch durch entsprechende Nachhaltigkeitskriterien verhindern.

Altöl wiederverwenden

Die EU spielt in dem Gezerre um die Biokraftstoffe ebenfalls eine Rolle: In der aktuellen "Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II (Renewable Energies Directive II), die am Dezember 2018 als "Richtlinie (EU) 2018/2001" in überabeiteter Version im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde, wird festgelegt, dass der Anteil konventioneller Biokraftstoffe aus Ackerpflanzen am gesamten Energieverbrauch im Verkehr wie bisher bei maximal sieben Prozent liegen darf. Allerdings wird in der Neufassung den Mitgliedstaaten das Recht eingeräumt, dass der Anteil konventioneller Biokraftstoffe auch weniger als sieben Prozent betragen darf, ohne dass das an anderer Stelle ausgeglichen werden muss. Das eröffnet der Bundesregierung die Möglichkeit, maximal 5,3 Prozent anzurechnen. Außerdem soll dem Palmöl der Garaus gemacht werden: Die Anrechnung von Biokraftstoffen aus Energiepflanzen, zu deren Anbau Regenwälder abgeholzt werden, soll auf dem Niveau des Jahres 2019 eingefroren und bis 2030 komplett eliminiert werden.

Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass andere Länder auf Biokraftstoffe setzen. Nach der österreichischen Kraftstoffverordnung 2014 besteht im Nachbarland die Verpflichtung, einen Anteil von mindestens 3,4 Prozent der fossilen Ottokraftstoffe und zumindest 6,3 Prozent der fossilen Dieseltreibstoffe durch Biokraftstoffe zu ersetzen (bezogen auf den Energiegehalt). Der österreichische Biokraftstoffbericht des Jahres 2018, der vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus herausgegeben wird, kommt zu dem Ergebnis, dass "das gültige Substitutionsziel von 5,75 Prozent, gemessen am Energieinhalt, mit 6,1 Prozent ein weiteres Mal übertroffen" wurde. Österreich verzichtet bei der Biodieselproduktion komplett auf Palmöl. Im Jahr 2017 wurden rund 35 Prozent Raps und circa 61 Prozent Altspeiseöl, tierische Fette und Fettsäuren verwendet.

Die Niederlande sind der Hauptimporteur von Biodiesel nach Deutschland und setzen auch beim eigenen Verkehr auf Biokraftstoffe, wie der Gesamtbericht über den Einsatz und die Herkunft erneuerbarer Energien im Verkehr der niederländischen Emissionsbehörde (NEa) zeigt. Demnach lag das Nachbarland im Jahr 2018 mit einem Anteil von 8,9 Prozent an erneuerbaren Energien im Verkehr deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Flüssige Biokraftstoffe machen dabei den größten Anteil aus, wobei gebrauchtes Frittierfett der Hauptrohstoff ist. Gleichermaßen wird in den Niederlanden der Anteil konventioneller Biokraftstoffe begrenzt, da lediglich 1,5 Prozent der Biokraftstoffe von auf Nahrungspflanzen stammten.