Der künftige Peugeot-Chef Carlos Tavares hat bereits angekündigt, die Zahl der Modelle zu

Der künftige Peugeot-Chef Carlos Tavares hat bereits angekündigt, die Zahl der Modelle zu reduzieren und stärker auf ausgefallenere Versionen zu setzen. - Bild: Peugeot

Mit dem Abschluss der großen Sanierungsphase endet auch die Zeit von Peugeot-Konzernlenker Philippe Varin. Schon am Donnerstag übernimmt der frühere Renault-Manager Carlos Tavares die Geschäfte des Konzerns. Die erste Richtung gab der neue Chef gleich am Mittwoch vor: Er wolle die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei PSA erhöhen, sagte er. Gleichzeitig kündigte er an, die Zahl der Modelle zu reduzieren und stärker auf ausgefallenere Versionen zu setzen.

Ein milliardenschweres Rettungspaket soll dem neuen Chef die Basis für eine erfolgreiche Arbeit liefern. Neben dem Einstieg des chinesischen Herstellers Dongfeng wollen die Franzosen mit der Ausgabe neuer Anteile und Aktienoptionen frisches Geld einsammeln. Außerdem setzen sie auf frische Geldströme aus einer neuen Partnerschaft ihrer Autobank, wie PSA am Mittwoch mitteilte. Tavares kündigte auch an, die Zahl der Modelle zu reduzieren und stärker auf ausgefallenere Versionen zu setzen. Seinen Verlust konnte der Konzern im vergangenen Jahr verringern.

PSA steckt vor allem wegen der Absatzkrise in Europa in Schwierigkeiten und baut tausende Stellen ab, ein Werk bei Paris hat bereits die Produktion eingestellt. Wegen der jüngsten Milliarden-Verluste gingen auch die Ersparnisse des Unternehmens zur Neige. Deshalb muss sich PSA dringend frisches Geld besorgen. Unter anderem will der Konzern sich auf dem weltgrößten Markt China breiter aufstellen, dabei soll die tiefere Partnerschaft mit dem zweitgrößten Autobauer des Landes helfen.

Allein die lang erwartete Kapitalerhöhung hat ein Volumen von drei Milliarden Euro. Dongfeng und der französische Staat steigen mit jeweils 800 Millionen Euro bei PSA ein – und beenden damit die Vorherrschaft der Peugeot-Familie, die zuletzt noch rund 38 Prozent der Stimmrechte im Konzern kontrolliert hatte. Künftig sollen alle drei Parteien mit jeweils 14 Prozent beteiligt sein. Der Einstieg Dongfengs soll Ende März besiegelt werden, wenn Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Paris erwartet wird. Aber auch die Wettbewerbshüter und die PSA-Hauptversammlung müssen noch zustimmen.

Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg sprach von einer “patriotischen Entscheidung” zugunsten der französischen Wirtschaft und Industrie. Regierungschef Jean-Marc Ayrault nannte den Einstieg des Staates bei PSA einen “Akt der Verantwortung”. Bereits Ende Oktober hatte PSA zugesichert, bis 2016 kein weiteres Werk in Frankreich zu schließen.

Mit einer gemeinsamen Produktion sowie tieferer Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung wollen PSA und Dongfeng bis 2020 ihre laufenden Kosten um 400 Millionen Euro drücken. Bis dahin soll der Absatz des Gemeinschaftsunternehmens in China auf 1,5 Millionen Autos pro Jahr verdreifacht werden. Konkurrent Volkswagen kam dort allerdings schon vergangenes Jahr auf 3,27 Millionen Wagen. PSA und Dongfeng wollen auch weitere Länder, etwa in Südostasien, gemeinsam beackern.

Eine weitere Partnerschaft geht die Finanztochter Banque PSA Finance ein. Nachdem sie zuletzt Milliardengarantien des Staates in Anspruch nehmen musste, soll sie nun mit dem spanischen Institut Santander Consumer Finance zusammengeschlossen werden, das ebenfalls Kredite für Autokäufe vergibt. Allein dadurch erhoffen sich die Franzosen weitere 1,5 Milliarden Euro Bargeldzufluss. Allerdings dürfte der Zusammenschluss erst in der zweiten Hälfte 2015 über die Bühne gehen. Die restlichen knapp 800 Millionen Euro will PSA über Aktienoptionen einsammeln. Mit Optionen auf Aktien erwirbt der Käufer das Recht, eine bestimmte Anzahl von Aktien zu einem festen Preis innerhalb zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer bestimmten Frist zu kaufen oder zu verkaufen.

Unter dem Strich könnten die Maßnahmen dem Konzern in den nächsten Jahren fast 5,3 Milliarden Euro frisches Geld in die Kassen spülen.

Zunächst musste PSA aber ein weiteres Milliarden-Minus verdauen: 2013 verbuchten die Franzosen 2,3 Milliarden Euro Verlust. Im Kerngeschäft machte PSA aber nur noch ein Minus von 177 Millionen Euro – obwohl der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 54,1 Milliarden Euro sank. 2012 stand unter dem Strich noch ein Rekordverlust von rund fünf Milliarden Euro.

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dpa/Andreas Karius