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Personentransport revolutionieren, Verkehrschaos in Großstädten beseitigen: Was Musks Tunnelfirma ‚’The Boring Company’ bislang ausrichtet, hält sich noch in Grenzen. Das jetzige Show-Event, bei dem eine gut 1,8 km lange Röhre vorgestellt wurde, die als Teststreckenabschnitt für Größeres dient, wurde von Reportern als „holprig“ bezeichnet. Bild: The Boring Company

Tech-Milliardär Elon Musk hat als Chef des E-Autobauers Tesla und der Raketenfirma SpaceX viel zu tun, doch das hält ihn von neuen Abenteuern nicht ab. Nun stellte der 47-jährige US-Starunternehmer mit dem Tunnelsystem Loop sein jüngstes Projekt vor. Es soll eines Tages den Personentransport revolutionieren und Verkehrschaos in Großstädten beseitigen. Das ambitionierte Vorhaben steckt aber noch in den Kinderschuhen. Und bei der Premiere ging es ruckelig zu, obwohl man von Hochgeschwindigkeit noch entfernt ist.

„Endlich, endlich, endlich gibt es etwas, das glaube ich das gottverdammte Verkehrsproblem löst“, sagte ein aufgeregter Elon Musk am Dienstagabend (18. Dezember 2018) bei der Präsentation seiner Tunnelröhre in Los Angeles vor einer ausgewählten Schar johlender Gäste. Der umtriebige Tech-Unternehmer, der viel mit dem Auto unterwegs ist, hat zähem Verkehr den Kampf angesagt und verfolgt einen ehrgeizigen Plan, diesen unter die Erde zu verlegen. Sein Tunnelprojekt neben der SpaceX-Fabrik hat er sich bereits 10 Mio Dollar kosten lassen.

Doch was Musks Tunnelfirma The Boring Company bislang ausrichtet, hält sich noch in Grenzen. Das jetzige Show-Event, bei dem eine gut 1,8 km lange Röhre vorgestellt wurde, die als Teststreckenabschnitt für Größeres dient, wurde von Reportern als „holprig“ bezeichnet. Bei der präsentierten Version des Loop-Systems wird man zunächst in Teslas Elektro-SUV Model X per Fahrstuhl zur unterirdischen Tunnelstrecke hinabgelassen, wo die Fahrt beginnt.

Der Tunnel selbst ist nicht viel breiter als das Auto. Die Idee ist, dass an die Vorderräder einfahrender Fahrzeuge eine Art waagerechte Stützräder angebaut werden, die sie dank Schienen an den Wänden in der Spur halten. Das Auto fährt dann mit eigenem Antrieb durch die Röhre. Musk verspricht, man werde mit über 240 km/h unterwegs sein können. In Video-Projektionen, die Musk und die Boring Company über ihre Social-Media-Kanäle verbreiten, sieht das alles auch schon sehr futuristisch und beeindruckend aus.

Probleme mit Anwohnern und Umweltschützern

Bei den Testfahrten für die Medien war ein weißer Tesla Model X mit fest angeschraubten Seitenrädern allerdings deutlich langsamer unterwegs. Laut Musk kam man noch nicht dazu, den Boden ordentlich zu glätten. So geriet auch eine Fahrt mit bis zu 80 km/h ziemlich holprig, wie Reporter von CNBC und Washington Post berichteten. In dem Tunnel ist zunächst probeweise nur ein einziger Wagen im Einsatz. Der ursprüngliche Plan war, die Fahrzeuge durch die Tunnel auf schnell fahrenden kleinen Plattformen zu befördern.

Eigentlich denkt Musk ohnehin noch viel größer. Seit Jahren schon promotet er das Hochgeschwindigkeits-Transportsystem Hyperloop, an dem auch eine Reihe anderer Firmen forschen. Auch wenn der Loop der Boring Company damit nur indirekt zu tun hat, brachte Musk bereits Kombinationen ins Gespräch, wie eine Untergrund-Magnetbahn, die in rasantem Tempo zwischen New York City und der US-Hauptstadt Washington fahren soll. Bislang sind das allerdings nur Planspiele.

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Tesla-Chef Elon Musk zum Loop-Projekt: „Endlich, endlich, endlich gibt es etwas, das glaube ich das gottverdammte Verkehrsproblem löst.“ Musk hat zähem Verkehr den Kampf angesagt und verfolgt den ehrgeizigen Plan, diesen unter die Erde zu verlegen: Bild: The Boring Company

In LA indes musste die Boring Company zuletzt auch einen Rückschlag hinnehmen. Sie musste auf eine ihrer geplanten Röhren verzichten, nachdem Anwohner und Umweltschützer rechtlich dagegen vorgegangen waren. Das im Dezember 2016 gegründete Unternehmen hatte Musk zunächst als kultige Nebenbeschäftigung ins Leben gerufen, die mit dem Verkauf von Fanartikeln wie Mützen und Flammenwerfern die Nachfrage seiner eingefleischten Anhängerschaft bediente. Inzwischen hat sich daraus eine ernstzunehmendes Infrastrukturfirma entwickelt.