Tognum Friedrichshafen

Tognum-Bewertungsstudien könnten Investorenhoffnung dämpfen. - Bild: Tognum

Die von Tognum bei Deutscher Bank und Lazard in Auftrag gegebenen sogenannten Fairness Opinions kommen laut drei mit der Sache vertrauten Personen voraussichtlich zu dem Ergebnis, dass ein gerechtfertigter Preis für den Dieselmotorenhersteller zwar über dem aktuellen Gebot von 24 Euro je Aktie liegt, jedoch unter der von einigen Investoren geforderten 30-Euro-Marke.

Aktuell werden die Bewertungen laut zwei Insidern finalisiert. Momentan sehe es aber danach aus als kämen die Gutachten auf einen Korridor für einen gerechtfertigten Preis von 25 bis 29 Euro. Das Procedere soll im Wochenverlauf abgeschlossen werden.

Wie Dow Jones Newswires bereits Ende März erfuhr, soll sich der Tognum-Aufsichtsrat dann in einer außerordentlichen Sitzung an diesem Freitag mit der Offerte sowie deren Bewertungen befassen. Anschließend dürften der Vorstand und das Kontrollgremium – unter anderem auf Basis der Fairness Opinions – die vom Gesetz verlangte Stellungnahme zu dem Angebot abgeben.

Anfang März hatten Daimler und Rolls-Royce eine gemeinsame Übernahmeofferte für den Motorenhersteller vom Bodensee angekündigt. Vergangene Woche begann die Andienungsfrist. Bis zum 18. Mai haben die Aktionäre des MDAX-Konzerns nun Zeit, ihre Aktien zum Preis von 24 Euro je Stück abzugeben. Das entspricht einem 30-prozentigen Aufschlag zum Kurs der Tognum-Aktie vor Bekanntwerden der Übernahmegerüchte.

Zahlreiche Anteilseigner monierten allerdings, das Angebot sei zu niedrig. So wandte sich der Großaktionär ING, der 9 Prozent an Tognum hält, in einem Brief an den Vorstand der Friedrichshafener und forderte mindestens 30 bis 32 Euro je Aktie. Auch dem Tognum-Vorstand um den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Volker Heuer, der gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Führungsgremiums 5,3 Prozent der Anteile hält, reicht der Preis nicht aus.

Eine Aufstockung würde sich lohnen: Alleine Heuer, der den Vorsitz im Herbst an Finanzvorstand Joachim Coers abgibt, hält knapp 3,04 Millionen Tognum-Aktien. Die aktuelle Offerte bewertet seine Beteiligung also mit knapp 73 Millionen Euro. Würden Daimler und Rolls-Royce nur einen Euro nachlegen, würde Heuer dies zusätzlich gute drei Millionen Euro einbringen.

Daimler hat eine Anhebung bislang kategorisch ausgeschlossen und geht davon aus, mit dem aktuellen Angebot Erfolg zu haben. Die Übernahmeofferte ist an die Bedingung geknüpft, dass zumindest etwas mehr als die Hälfte der Aktien angedient werden, wobei die Stuttgarter den eigenen Tognum-Anteil einbringen. Der Markt hofft aber offenbar trotzdem auf einen Nachschlag: Die Tognum-Aktie notiert seit März nicht mehr unter 25 EUR – und damit ein gutes Stück über dem Angebotspreis.

Daimler hatte Tognum Ende 2005 – damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen – für 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse; 2008 stieg Daimler wieder bei der ehemaligen Tochter vom Bodensee ein und hat die Beteiligung auf inzwischen gut 28 Prozent aufgestockt.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke