Tognum Montage

Noch immer hält Tognum das Übernahmeangebot für zu niedrig . - Bild: Tognum

Zwar sei die Offerte aus unternehmerischer Sicht zu begrüßen, eine umfangreiche Prüfung habe aber ergeben, dass der Angebotspreis nicht angemessen sei, teilten Vorstand und Aufsichtsrat des MDAX-Konzerns mit. Die Gremien empfehlen den Aktionären daher die Ablehnung des Angebots.

Nach Ansicht von Tognum spiegelt der Angebotspreis die in den letzten Jahren getätigten Investitionen und die damit verbundenen Wachstumsaussichten sowie den erfolgreichen Schuldenabbau nicht hinreichend wider. Da zudem zentrale Geschäftsfelder erst zeitlich verzögert auf die Erholung der Märkte seit der Krise reagieren, sehen die Gremien auch die Perspektiven des Motorenherstellers nur unzureichend reflektiert.

Auch die Bewertungsgutachten der Deutschen Bank und von Lazard sind nach Unternehmensangaben deshalb zu dem Ergebnis gekommen, dass das Angebot nicht angemessen ist. Details hierzu wurden auch auf Anfrage nicht genannt.

Daimler und Rolly-Royce wollen nicht nachlegen

Die Käuferinteressenten reagierten mittlerweile und erklärten, das Angebot bewerte Tognum “vollständig und attraktiv” und trage den Zukunftsperspektiven Rechnung.

Anfang März hatten Daimler und Rolls-Royce eine gemeinsame Übernahmeofferte für den Motorenhersteller vom Bodensee angekündigt und bieten 24 Euro je Aktie. Vergangene Woche begann die Andienungsfrist. Bis zum 18. Mai haben die Aktionäre des MDAX-Konzerns nun Zeit, ihre Anteile zum genanntem Preis abzugeben. Die Offerte bewertet Tognum mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro und entspricht einem 30-prozentigen Aufschlag zum Kurs der Tognum-Aktie vor Bekanntwerden der Übernahmegerüchte.

Die heutige Entscheidung hatte sich allerdings bereits angedeutet. Zahlreiche Anteilseigner und auch der Tognum-Vorstand um den scheidenden Unternehmenslenker Volker Heuer hatten zuletzt moniert, dass die Offerte zu niedrig ist. Der niederländische Allfinanzkonzern ING beispielsweise forderte mindestens 30 bis 32 Euro je Aktie.

Resonanz auf Angebot sehr verhalten

Auch der Markt hofft offenbar auf einen Nachschlag: Die Tognum-Aktie notiert seit März nicht mehr unter 25 Euro – und damit ein gutes Stück über dem Angebotspreis. Am Freitagmittag nach Bekanntwerden der Empfehlung liegt die Aktie bei gut 26 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent.

Entsprechend wenig Resonanz bekamen Daimler und Rolls-Royce, die eine Aufstockung bislang kategorisch ausschließen. Bis Dienstagabend bekamen die beiden Unternehmen nur knapp 5.000 Aktien aus dem Streubesitz angedient; der Anteil der zum Zwecke der Übernahme gegründeten Investmentgesellschaft an Tognum stieg nur marginal auf 28,43 Prozent an. Nur wenn bis zum Ende der Andienungsfrist etwas mehr als die Hälfte der Tognum-Aktien an die Gesellschaft übergehen, soll das Angebot durchgezogen werden.

Die Stuttgarter hatten Tognum Ende 2005 – damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen – für 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse; 2008 stieg Daimler wieder bei der ehemaligen Tochter vom Bodensee ein und hat die Beteiligung auf inzwischen gut 28 Prozent aufgestockt.

Gemeinsam wollen die Schwaben und die Briten Tognum auf regional breitere Füße stellen und so zu einem weltweit führenden Anbieter von Antriebssystemen in den Bereichen Marine, dezentrale Stromerzeugung und industrielle Anwendungen machen.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke