Tognum Friedrichshafen

Mitte April könnten die Weichen für eine Übernahme gestellt werden. - Bild: Tognum

Nach heutigem Stand ist für den 15. April eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung bei dem MDAX-Konzern geplant, in der die Offerte bewertet werden soll, wie Dow Jones Newswires am Mittwoch von einer mit der Situation vertrauten Person erfuhr.

Anschließend dürften der Vorstand und das Kontrollgremium Stellung zu der Offerte von Daimler und Rolls-Royce nehmen. Billigt die Führungsriege das bislang als zu niedrig eingestufte Angebot, würde die Übernahme ein gutes Stück näherrücken.

Das Votum des Vorstands um den scheidenen Volker Heuer, der gemeinsam mit anderen Vorständen rund 6 Prozent an Tognum hält, dürfte nicht zuletzt vom Ergebnis der Fairness Opinion abhängen, die die Deutsche Bank und das Investmenthaus Lazard erstellen.

Am 8. April, so war aus den Kreisen zu hören, wird sich der Evaluierungsausschuss des Aufsichtsrates bereits mit der Fairness Opinion beschäftigen. Er besteht aus acht Mitgliedern des Aufsichtsrates, wobei die Daimler-Vertreter Andreas Renschler und Edgar Krökel außen vor bleiben.

Nach heutigem Kenntnisstand dürfte bis dahin auch das offizielle Angebot der Käufer vorliegen. Im Umfeld des Übernahmeziels geht man aktuell davon aus, dass die zuständige Aufsichtsbehörde BaFin die Offerte durchwinken und Daimler und Rolls-Royce sie am 6. April veröffentlichen werden. Das Wertpapierübernahmegesetz schreibt eine unverzügliche Veröffentlichung vor, nachdem die Finanzaufsicht grünes Licht gegeben hat bzw. binnen einer bestimmten Frist nicht interveniert.

Ein Tognum-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

24 Euro sind immer noch zu wenig

Daimler und Rolls-Royce bieten 24 Euro je Tognum-Aktie – das entsprach einem Aufschlag von 30 Prozent auf den Aktienkurs, bevor ersten Übernahmespekulationen die Notierung des Papiers befeuerten. Dem Tognum-Vorstand war das in einer ersten Einschätzung zu wenig. Vorstandschef Heuer erklärte seinerzeit zwar, man habe sich grundsätzlich geeinigt, beim Preis lägen die Vorstellungen aber noch auseinander. Insgesamt bewertet die Offerte Tognum mit 3,2 Milliarden Euro.

Auch zahlreiche Großaktionäre monierten den Preis und forderten hinter vorgehaltener Hand mindestens 10 Prozent mehr. Daimler hat eine Anhebung bislang zwar ausgeschlossen, doch spekuliert der Markt darauf, dass dies am Ende doch geschieht: Die Aktie notiert faktisch seit März nicht mehr unter 25 Euro – und damit ein gutes Stück über dem Angebotspreis.

Daimler hatte Tognum Ende 2005 – damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen – für 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse; 2008 stieg Daimler wieder bei der ehemaligen Tochter vom Bodensee ein und hat die Beteiligung auf inzwischen gut 28 Prozent aufgestockt.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke