Toyota Yaris breit

Toyota könnte schon bald als erster Autobauer überhaupt die Schallmauer von zehn Millionen verkauften Autos durchbrechen. - Bild: Toyota

Der japanische Branchenprimus hob erneut die Prognose für das noch bis zum 31. März 2014 laufende Geschäftsjahr an und rechnet nun erstmals seit sechs Jahren wieder mit einem Betriebsgewinn von mehr als zwei Billionen Yen (15 Milliarden Euro). Damit nähert sich Toyota dem Rekordwert von 2,3 Billionen Yen unmittelbar vor der Finanzkrise. Nach den heftigen Einbußen durch die Auswirkungen des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 erscheine Toyota jetzt wie ein “Symbol für Japans wiederauflebende Wirtschaft”, jubiliert die führende Finanzzeitung des Landes “Nikkei”.

Exporterlöse steigen durch drastische Abwertung des Yen

Der momentane Erfolg des größten japanischen Unternehmens zeigt nach Meinung von Branchenexperten, wie sehr die “Abenomics” genannte Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe die heimische Exportindustrie bevorteilt. Die von Abe durchgesetzte aggressive Lockerung der Geldpolitik zwecks Überwindung der jahrelangen Deflation und Rezessionsphasen hat eine drastische Abwertung des Yen bewirkt, wodurch die Exporterlöse der Industrie entsprechend steigen.

Zudem konnten die Japaner in den vergangenen Monaten ihre Preise für manche Automodelle auf dem wichtigen US-Markt dank des Yen senken, was ihnen Wettbewerbsvorteile verschafft. Prompt bezichtigte Ford-Chef Alan Mulally laut der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg die Japaner der Währungsmanipulation. Die Stimmung in der japanischen Großindustrie ist jedenfalls derzeit so gut ist wie schon seit Jahren nicht mehr. Ähnlich sieht es an der Tokioter Börse aus. Toyotas Aktienkurs legte in diesem Jahr bereits um 58 Prozent zu und damit deutlich stärker als die Papiere der beiden Rivalen VW und GM.

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Toyota hob erneut die Prognose für das noch bis zum 31. März 2014 laufende Geschäftsjahr an. - Bild: kru

Bevor Abe Ende vergangenen Jahres das Ruder übernahm hatte die japanische Wirtschaft jahrelang unter einem extrem starken Yen zu leiden. Dies bewirkte allerdings, dass Toyota drastische Kosteneinsparungen vornahm. So werden sich die Einsparungen des Konzerns nach Berechnungen der “Nikkei” über fünf Jahre hinweg in diesem Geschäftsjahr auf rund 1,5 Billionen Yen summieren. Hier liegt ein weiterer Grund für Toyotas derzeitigen Erfolg: Statt zu versuchen, den Marktanteil zu erhöhen, konzentriert man sich nach Einschätzung von Branchenkennern vor allem auf die Gewinnmargen.

“Um nachhaltiges Wachstum zu erreichen, werden wir uns weiter auf eine Stärkung unserer Ertragsstrukturen durch fortgesetzte Verbesserung des Bruttogewinns pro Fahrzeug sowie Kontrolle der Fixkosten konzentrieren”, kommentierte Toyota-Vizepräsident Nobuyori Kodaira die Anhebung der Ertragsprognose für dieses Jahr. So spannend sich das Duell der Toyota-Jäger Volkswagen und General Motors um die Krone des weltgrößten Autobauers auch ausnimmt, Toyota geht es nicht allein um Masse. Der Konzern hielt bei Bekanntgabe der Quartalszahlen an seiner im August abgegebenen Absatzprognose für das laufende Geschäftsjahr fest und geht weiterhin von 9,1 Millionen Autos aus.

Kann Toyota die Schallmauer von zehn Millionen knacken?

Zwar sind die Japaner damit auf dem Weg, die Führung im Weltmarkt aus dem vergangenen Jahr gegen die beiden Verfolger zu verteidigen. Auch möglich, dass Toyota schon bald als erster Autobauer überhaupt die Schallmauer von zehn Millionen verkauften Autos durchbricht – schließlich sind die Japaner für ihre eher konservativen Prognosen bekannt. Der Vorsprung schmilzt aber. VW will mit einer groß angelegten Offensive bis 2018 an den Rivalen vorbeiziehen und Toyota als größten Autobauer ablösen. Doch die Japaner halten mit einer veränderten Strategie dagegen. “Jetzt ist die Zeit, unsere Position zu verfestigen”, zitierte die “Nikkei” kürzlich einen Toyota-Manager.

Während VW und GM ihre Kapazitäten weiter stark ausbauten, expandiere Toyota nur um wenige Prozent. Statt neue Fabriken zu bauen, sollen die bestehenden mit hocheffizienten Maschinen noch produktiver arbeiten als sie das eh schon tun. So dürfte laut «Nikkei» Toyotas Umsatzrendite dieses Jahr auf 9,9 Prozent steigen – das wäre deutlich mehr als beim Konkurrenten aus Wolfsburg.

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dpa/Guido Kruschke