Toyota erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 17 Milliarden Euro – Volkswagen kam auf knapp

Toyota erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 17 Milliarden Euro – Volkswagen kam auf knapp 11,7 Milliarden Euro. - Bild: Toyota

Einer aktuellen Analyse zufolge waren Toyota, Nissan & Co 2013 auf der Überholspur: Beflügelt vom schwachen Yen konnten die japanischen Autohersteller ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent, den Gewinn sogar um 80 Prozent steigern ? und ließen damit die Konkurrenz aus Deutschland, den USA und Südeuropa weit hinter sich.

Beim Absatzwachstum hingegen hatten US- und deutsche Hersteller die Nase vorn: Die US-Konzerne verkauften 7 Prozent mehr Fahrzeuge als 2012, den deutschen gelang ein Absatzplus von 5 Prozent. Die japanischen Autobauer legten beim Absatz um 3 Prozent zu, bei den drei südeuropäischen Herstellern (Fiat ohne Chrysler, PSA und Peugeot) schrumpfte der Absatz hingegen um 2 Prozent.

Trotz des Höhenflugs der Japaner bei Umsatz und Gewinn bleibt der Titel des Umsatzweltmeisters einem deutschen Autobauer vorbehalten: Der Volkswagen-Konzern lag mit einem Umsatz von 197 Milliarden Euro weltweit vorn. Allerdings schrumpfte der Abstand zum zweitplatzierten Toyota-Konzern deutlich: von 41 auf knapp 25 Milliarden Euro.

Die Top-3-Autohersteller der Welt - Quelle: EY

Im Langzeitvergleich schneiden die deutschen Autobauer deutlich besser ab als ihre japanischen Konkurrenten: Der Umsatz der deutschen Konzerne stieg in den vergangenen zehn Jahren um 72 Prozent von 227 auf 391 Milliarden Euro, die japanischen Autohersteller erzielten im selben Zeitraum nur ein Umsatzwachstum von 28 Prozent ? von 293 auf 374 Milliarden Euro. Beim Gewinn schneiden die deutschen Autobauer noch besser ab: Sie konnten ihren Gewinn fast verfünffachen ? von 6 auf 27 Milliarden Euro ?, während ihre japanischen Wettbewerber ihren Gewinn nur um ein Viertel steigern konnten ? von 23 auf 28 Milliarden Euro.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt. Für die Studie wurden die Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der Autokonzerne (inkl. Finanzdienstleistungen) für die Monate Januar bis Dezember 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum analysiert.

Toyota wird gewinnstärkster Konzern ? aber BMW bleibt am profitabelsten

Während Volkswagen seine Spitzenposition beim Umsatz behaupten konnte, schob sich Toyota beim Gewinn dank eines Wachstums von 132 Prozent an die Spitze der Rangliste. Der japanische Autokonzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 17 Milliarden Euro ? Volkswagen kam auf knapp 11,7 Milliarden Euro. Den dritthöchsten Gewinn fuhr im vergangenen Jahr BMW mit knapp 8 Milliarden Euro ein.

Bei der Profitabilität konnte BMW abermals die Konkurrenz hinter sich lassen: Mit einer EBIT-Marge von 10,5 Prozent lag der bayerische Autokonzern knapp vor Toyota (9,8 Prozent) und Hyundai (9,5 Prozent). Von solchen Margen können die südeuropäischen Autobauer nur träumen: PSA, Peugeot und Fiat (ohne Chrysler) rutschten im vergangenen Jahr knapp in die roten Zahlen (-2 Millionen Euro) ? nach einem positiven EBIT von 329 Millionen Euro im Vorjahr. Zum Vergleich: Die deutschen Hersteller erwirtschafteten einen operativen Gewinn von gut 30 Milliarden Euro, die japanischen Autobauer erzielten sogar einen Gesamtgewinn von gut 28 Milliarden Euro.

Erfolg der deutschen Autobauer hängt immer stärker von China ab

Dass die deutschen Autobauer trotz der anhaltenden Krise auf dem europäischen Heimatmarkt weltweit zulegen konnten, haben sie in erster Linie der hervorragenden Entwicklung in China zu verdanken. Insgesamt hat sich die Zahl der von deutschen Herstellern in China verkauften Fahrzeuge in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht: von 1,1 auf 3,7 Millionen. Der Anteil Chinas am Gesamtabsatz der deutschen Autobauer stieg in diesem Zeitraum von 12 auf 28 Prozent. Zum Vergleich: Die US-Autohersteller verkaufen 22 Prozent ihrer Fahrzeuge in China, bei den japanischen Herstellern liegt der Anteil nur bei 14 Prozent.

“Die aktuelle Stärke der deutschen Autohersteller ist ganz maßgeblich dem chinesischen Absatzmarkt zu verdanken”, stellt Peter Fuß, Partner bei EY, fest. “Das dortige Wachstum gleicht die anhaltend schwache Entwicklung in Westeuropa mehr als aus. Und die Bedeutung des chinesischen Marktes für die deutschen Autokonzerne wird weiter rasant zunehmen ? spätestens 2015 wird China vor Westeuropa der größte Absatzmarkt für die deutschen Hersteller sein.” Damit steige auch die Abhängigkeit der Unternehmen von dem durchaus schwierigen und risikobehafteten chinesischen Markt.

toyota-ueberholt-vw-beim-gewinn_88516_3.jpg Präsentation der Studie als PDF-Download

Mittelfristig werden die deutschen Hersteller nach Fuß? Einschätzung daher versuchen, sich international stärker zu diversifizieren und dabei vor allem auf den US-Markt setzen, der ein stabiles Wachstum verspricht, und auf dem die deutschen Hersteller derzeit nur 10 Prozent ihrer Fahrzeuge verkaufen.

Fest steht, so Fuß: “Nennenswertes Wachstum findet mittelfristig nur außerhalb Europas statt. Für den Standort Deutschland ist das eine große Herausforderung ? denn die deutsche Autoindustrie ? Hersteller wie Zulieferer ? wird Fertigungskapazitäten vor allem in den Wachstumsmärkten aufbauen”. Dabei werde es aber nicht bleiben, so Fuß: “Auch Marktforschung, Entwicklung, Design und Marketing müssen immer stärker vor Ort stattfinden. Den Unternehmen bleibt gar nichts anderes übrig, wenn sie am Puls der Zeit bleiben und aktuelle Trends nicht verpassen wollen.” Wachstum in Deutschland sei vor diesem Hintergrund kaum noch zu erwarten.

Starker Euro belastet deutsche Autobauer

Währungseffekte haben derzeit einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Geschäftszahlen gerade der deutschen und japanischen Hersteller: Der deutlich abgewertete Yen macht japanische Autos im Ausland billiger und wertet im Ausland erzielte Umsätze bei der Umrechnung in Yen auf ? entsprechend stieg der Umsatz deutlich stärker als die Zahl der verkauften Fahrzeuge. Gerade einmal um 3 Prozent legten die Verkäufe der japanischen Konzerne zu ? bei einem Umsatzwachstum von 14 Prozent.

Der starke Euro hingegen lässt im Ausland erzielte Umsätze der europäischen Unternehmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen. “Die Euro-Aufwertung war im vergangenen Jahr ? neben der Absatzschwäche in Europa eine der größten Herausforderungen für die deutschen Autobauer”, sagt Fuß. “Während die japanische Konkurrenz dank Yen-Abwertung ihre Produkte im Ausland billiger anbieten kann und gleichzeitig einen Gewinn- und Umsatzschub verzeichnet, müssen die deutschen Autobauer mit gegenläufigen Effekten kämpfen.” Auch im laufenden Jahr werde dieses Thema weit oben auf der Agenda der deutschen Automanager stehen, so Fuß: “Die Kapitalflucht aus vielen Schwellenländern führte bereits zu weiteren Abwertungen der jeweiligen Landeswährungen. Und auch die aktuelle Krim-Krise und die Abwertung des russischen Rubels werden sich belastend auswirken.”

Alle Beiträge zu den Stichwörtern Toyota Volkswagen General Motors

EY/Andreas Karius