Reinraum bei Trumpf

Reinraum bei Trumpf: Der Ditzinger Maschinenbauer und Ausrüster der Automobilindustrie spürt in Form von Maschinenstornos Auswirkungen des VW-Skandals. Bild: Mayer

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sieht unter dem Synonym “Industrie 4.0″ große Chancen für den Ditzinger Maschinenbauer und plant, via Digitalisierung die Produktivität in den nächsten Jahren um bis zu 30 Prozent zu steigern. Das solle durch die Vernetzung in der Produktion erfolgen und Trumpf sei schon mitten im Umstieg von der Theorie in die Praxis, um wichtige Bausteine für eine künftige Smart Factory liefern zu können.

Trumpf sieht sich künftig auch als Software-Lieferant und somit als Bindeglied in den einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette. Dazu gründete Trumpf erstmalig ein Start-up-Unternehmen in Karlsruhe und beschäftigt dort 22 Mitarbeiter, alle IT-Ingenieure. Die Aufgabe der Axoom-Mitarbeiter ist es, eine Software-Plattform zu schaffen und via Cloud-Computing die IT-Infrastruktur zur Vernetzung der Maschinen bereit zu stellen. Am 1. Oktober hat die neue Tochtergesellschaft ihre Geschäftstätigkeit begonnen und wird auf der bevorstehenden Blechexpo in Stuttgart erstmals seine Ideen vorstellen. “Wir wagen uns als Maschinenbauer hiermit erstmals in unserer 90-jährigen Firmengeschichte an ein ganz anderes Geschäftsmodell. Es ist ein für uns radikaler Schritt in Richtung Smart Factory”, kündigte Leibinger-Kammüller an.

14. Fachkonferenz Automobil Interieur
Die Hansestadt Hamburg ist Schauplatz des diesjährigen Fachkongresses “Digitale Fabrik@Produktion”. Die etablierte Veranstaltung gilt in Expertenkreisen als unverzichtbare und kommunikationsstarke Plattform für das vieldiskutierte Zukunftsthema Digitale Fabrik. Sie begleitet alle Teilnehmer dabei, den richtigen Weg zur vollständig vernetzten Fabrik einzuschlagen und gibt Empfehlungen für weitere Fortschritte.

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Die ebenso präsentierten Bilanzzahlen von Trumpf für das Ende Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2014/15 waren in Deutschland und Europa durchwegs positiv. Das Konzernergebnis stieg um 43,9 Prozent auf 357 Millionen Euro, die Umsatzrendite lag bei 13,1 Prozent. Der Zuwachs beruht unter anderem auf einem Einmaleffekt aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs Medizintechnik im vergangenen Jahr. Bereinigt verbesserte sich die Umsatzrendite von 9,6 auf 10,5 Prozent.

Die Verteilung des Umsatzes in den Regionen verschob sich: Deutschland bleibt größter Einzelmarkt – allerdings mit rückläufiger Tendenz. China war erstmals größter Auslandsmarkt für Trumpf und löste USA ab. Gute Zuwächse erzielte das Unternehmen in Westeuropa, insbesondere in Frankreich und Italien.

“Unter dem Strich lässt sich feststellen, dass unsere Strategie des Wachstums durch Innovation, regionale Diversifizierung und gezielte Akquisition im Kerngeschäft erfolgreich war”, so Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsleitung. Die Mitarbeiterzahl zum Stichtag 30. Juni 2015 liegt bei 10.873 Beschäftigten auf Vorjahresniveau. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Relation zum Umsatz lagen bei 9,8 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr äußerte sich Leibinger-Kammüller verhalten optimistisch. Die Vielzahl der geopolitischen Unsicherheiten sowie die Abkühlung des Wachstums in China ließen nur vage Prognosen zu. Auch die VW-Krise spürt der Maschinenbauer bereits: “Wir hatten schon einige Maschinenstornos”, hieß es. Der angekündigte Sparkurs lässt zudem weitere Geschäftseinbrüche vermuten. Insgesamt hofft man bei Trumpf jedoch, das Niveau des abgelaufenen Geschäftsjahrs halten zu können.

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Bettina Mayer