Ferdinand Dudenhöffer breit

Ferdinand Dudenhöffer: "Die Bedeutung von Russland für das Premiumgeschäft wird häufig überschätzt." Bild: dpa/kru

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 wurden in Russland mit 1.229.931 Pkw-Verkäufen “nur” 7,8 Prozent Fahrzeuge weniger verkauft als in der Vorjahresperiode. Im Juni sackten die Pkw-verläufe mit 199.398 Fahrzeugen allerdings um 17,4 Prozent gegenüber dem Juni des vergangenen Jahres um ab. Da die Sanktionen sich erst im Laufe der nächsten Wochen im Wirtschaftsablauf von Russland bemerkbar machen, muss mit einer Verstärkung des Absatzrückgangs im russischen Automarkt gerechnet werden. Für das zweite Halbjahr 2014 rechnen die Analysten von CAR daher mit einer deutlichen Verstärkung des Absatzrückgangs.

Bis sich der russische Automarkt davon wieder erhole, werde es einige Jahre dauern. “Eskaliert die Krise in den nächsten zwölf Monaten weiter muss mit einer Durststrecke bis zum Jahre 2020 gerechnet werden”, ist sich Dudenhöffer sicher.

Volumenhersteller und Russland

Unter den deutschen Volumenherstellern ist, laut Studie, die neuen Opel Group am stärksten abhängig von Russland. Das liegt auch an der neuen Zusammenstellung der Gruppe, bei der jetzt Chevrolet in Russland zur Opel Group zählt. Somit erschwere die Ukraine-Krise deutlich die Sanierungs-Fortschritte der der Opel-Group.

VW, Skoda, Seat, also die Volumenmarken des VW-Konzerns, haben im Jahre 2013 weltweit 5,882 Millionen Pkw abgesetzt. In Russland wurden davon 4,2 Prozent oder 247.081 Fahrzeuge verkauft. Die größte Russland-Abhängigkeit hat dabei Skoda mit 12,2 Prozent seiner Verkäufe. Insgesamt wäre damit für VW die Russland-Situation tragbar, wenn nicht erheblich in die Ausweitung der Kapazitäten in Russland investiert worden wäre. VW sitzt damit in Russland auf einem Kapazitäts- und Kostenproblem, das die Gesamtsituation des Konzerns belastet. Auch Ford Europe ist mit weniger als 10% seiner Verkäufe deutlich stärker von Russland abhängig als die deutschen Premiumhersteller.

Deutsche Premiumhersteller können Russland-Knick ausgleichen

Russland ist zwar wichtig als Premiummarkt, aber im Gesamtzusammenhang wird die Bedeutung von Russland für das Premiumgeschäft häufig überschätzt. In Russland wurden mit 198.005 Premiumfahrzeuge lediglich 2,7 Prozent der weltweiten Nachfrage bedient. Für die Premiumhersteller bleibe deshalb das Russland-Risiko “überschaubar”, so Dudenhöffer. Selbst ein extremer Rückgang der Nachfrage Premiumautos um 50 Prozent, mache sich bei den deutschen Autobauern nur mit geringfügigen Volumenrückgängen im 1-2 Prozent Bereich bemerkbar.

Gabriel Pankow / CAR