Viele Beobachter mahnen: Die Branchenmanager müssten jetzt, wo die Zeiten gut sind, die richtigen

Viele Beobachter mahnen: Die Branchenmanager müssten jetzt, wo die Zeiten gut sind, die richtigen Schritte ins Auge fassen. Bild: GM

Offenbar kann es der Branche kaum besser als im Moment gehen. Selbst der lange darniederliegende europäische Markt gibt wieder Lebenszeichen von sich. Die Branchenmanager wissen aber nur zu genau: Auf fette Jahre folgen fast schon wie ein Naturgesetz dürre Zeiten. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um groß durchzustarten. Anders als früher reagieren die Autobauer auf die Boomphase diesmal auch nicht mit teuren Übernahmen und der Entwicklung exotischer Autos, die mehr dem Ego der Manager schmeicheln als Verbraucherwünsche bedienen. Dieses Mal unterdrücken Erinnerungen an den vor kurzem überstandenen Beinahe-Kollaps solche Impulse, insbesondere unter den Autobauern Detroits.

Wann ist der Zenit erreicht?

Trotzdem mahnen viele Beobachter: Die Branchenmanager müssten jetzt, wo die Zeiten gut sind, die richtigen Schritte ins Auge fassen. Ganz oben auf der To-do-Liste steht das richtige Urteil darüber, wann die jüngste Erholung ihren Zenit überschritten hat. Die Fahrzeugverkäufe erreichten im Juli die Marke von 16,5 Millionen Stück nach 15,8 Millionen im Vorjahr. Es liegt aber unter den 16,7 Millionen Autos vom Mai und den 16,9 Millionen im Juni. Zudem kletterten die Kosten für Kaufanreize, berichten die Marktforscher von Autodata.

Nur wenige Branchenmanager und Analysten rechnen mit einem neuerlichen Nachfrageeinbruch. Die Autonachfrage und somit die Gewinne der Hersteller reagieren aber höchst sensibel auf Zinsänderungen und auch nur kleine Bewegungen in der Balance von Angebot und Nachfrage. Wahrscheinlich werden die US-Zinsen anziehen und die Kosten der bisherigen Null-Zins-Autokredite erhöhen, die momentan einen Großteil der Nachfrage antreiben. Die frische Runde mit neueröffneten Fabriken in den USA und China hilft kaum dabei, die Preise hochzuhalten. Aus diesem Grund müssen die Autobauer ihre Kosten unbedingt drücken.

Volatiler Markt in Schwellenländern

Die Automanager sind außerdem gezwungen, die Risiken in Schwellenländern zu berücksichtigen, die zusammen ungefähr die Hälfte des weltweiten Marktes ausmachen. Bis Ende des Jahrzehnts dürfte ihr Anteil sogar auf 60 Prozent klettern, schätzen die Experten vom Branchendienst IHS.

In den vergangenen Monaten mussten die Hersteller erleben, wie volatil die Schwellenmärkte sein können. Drei der vier BRIC-Staaten litten unter Nachfragerückgängen. Zu allem Übel verschlimmert auch noch der Ukraine-Konflikt die Situation.

China wächst zwar weiter. Aber hier sorgt sich die Branche um Anstrengungen Pekings, gegen mutmaßliche Preisabsprachen bei Fertigmodellen und Ersatzteilen vorzugehen. Und wenn weder Fed-Chefin Janet Yellen noch die Wettbewerbsbehörden Chinas Automanagern den Schlaf rauben, dann sind es womöglich Genies aus dem Silicon Valley, die ihre Geschäftspläne durchkreuzen könnten.
Die Aufseher wollen, dass sich in den USA bis 2025 der durchschnittliche Spritverbrauch neuer Autos halbiert, um dem Treibhauseffekt zu begegnen. Es gibt auch zunehmendes Interesse daran, Autos mit der modernsten Sicherheitstechnologie auszustatten. Selbstfahrende Fahrzeuge gelten als ein Instrument, wie Unfälle verhindert und nicht nur überlebt werden können.

Connectivity gewinnt weiter an Bedeutung

Wegen dieser beiden Trends werden die Autos immer digitaler. Mehr und mehr ihres Wertes geht auf das Konto von Computerpower und Software, um den Spritverbrauch besser zu verwalten und die automatischen Fahrfähigkeiten des Autos zu erhöhen. Zugleich wollen manche Kunden direkt mit dem Internet verbunden werden.

Autohersteller und Silicon-Valley-Technikfreaks kämpften jahrelang darum, ihre so unterschiedlichen Kulturen einander anzugleichen. Für die Autobranche ist es ganz entscheidend, das Silicon Valley zu umarmen. Unternehmer wie Elon Musk – CEO des E-Autobauers Tesla – geben die Richtung vor. Sie beschreiten ganz neue Wege in der Art, wie Fahrzeuge gekauft und besessen werden.

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gp / Quelle: Dowjones Newswires