Abgasausstoß

Die Stickstoff-Verbrauchsangaben im Prospekt und die Erfahrungen der Kunden bei Neufahrzeugen 2015 zeigte eine Diskreptanz von durchschnittlich 42 Prozent auf. Bild: Rasulov/Fotolia

Dass es grundsätzliche "ärgerliche Unterschiede zwischen Labor- und Straßenwerten" gebe, sei seit langem klar, hieß es am Donnerstag aus dem Verband VDA in Berlin. Die ab 2017 geplanten Straßenmessungen und genaueren Bedingungen für Prüfstandstests würden solche Diskrepanzen verringern. "Der Verbraucher bekommt mehr Verlässlichkeit."

Man habe sich schon seit Jahren für eine Reform der Messverfahren bei Abgasen und Verbrauch eingesetzt. Die vom Forscherverbund ICCT neu vorgelegten Daten seien zudem "nur bedingt belastbar": Sie bezögen sich nicht auf eigene Messungen, sondern auf Zweitauswertungen gesammelter Daten von Autofahrern oder Fachpublikationen.

Aus Sicht der Umweltorganisation Greenpeace ist die Glaubwürdigkeit der Autobranche nach der Vorlage der neuen Daten über schwer beschädigt. "Die Industrie steht vor dem Scherbenhaufen ihrer Verweigerungshaltung", meinte Energie- und Verkehrsexperte Tobias Austrup am Donnerstag in Berlin. "Einmal mehr zeigt sich, dass Verbrennungsmotoren nicht nur Dreckschleudern, sondern auch enorme Spritfresser sind."

Auch der ADAC pocht auf deutlich schärfere und konsequentere Vorschriften für neue Abgastests, damit sich die Kluft zwischen Verbrauchswerten im Prospekt und auf der Straße schließt.

"Die Politik ist gefordert, die Standards der neuen Messverfahren ab 2017 so strikt auszulegen, dass derartige "Optimierungen" nicht mehr möglich sind", erklärte der Autofahrerclub am Donnerstag.

Vom kommenden Jahr an sollen unter anderem Straßenmessungen zum Abgasausstoß sowie überarbeitete Kriterien bei Prüfstandstests eingeführt werden. Aus Sicht des ICCT bergen aber auch neue Verfahren wie die internationale WLTP-Prozedur die Gefahr möglicher Schlupflöcher. Den eigenen "Ecotest" habe man bereits in Richtung realitätsnäherer Bedingungen verschärft, betonte der ADAC.

Laut dem ICCT, der im vergangenen Jahr den VW-Skandal um manipulierte Stickoxid-Werte mit aufgedeckt hatte, klaffte zwischen den Verbrauchsangaben im Prospekt und den Erfahrungen der Kunden bei Neufahrzeugen 2015 eine Lücke von durchschnittlich 42 Prozent. Die Hauptursache dieser "Diskrepanz" sieht Europa-Chef Peter Mock darin, dass die Autokonzerne "immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen". So würden zahlreiche für den Prüfstand verwendete Wagen gezielt für die Testsituation optimiert.

Der VDA betonte, etliche Messbedingungen seien inzwischen veraltet, während sich die Technik der Autos stark gewandelt habe. Dies sei auch ein Grund für die Abweichungen. "Auch die individuelle Fahrweise hat einen erheblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch."

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