Die Kredite aus der VDO-Übernahme sind 2012 fällig. Deswegen plant die Continental AG eine

Die Kredite aus der VDO-Übernahme sind 2012 fällig. Deswegen plant die Continental AG eine Umschuldung. (Bild: Continental)

Die Continental AG leidet immer noch unter den Folgen der VDO-Übernahme. Im Jahr 2007 übernahm der hannoversche Automobilzulieferer und Reifenhersteller den Wettbewerber VDO – für den Mondpreis von 11,4 Milliarden Euro. Dafür nahm Conti einen Kredit von knapp 12 Milliarden Euro auf. Wären die Geschäfte ganz normal weitergelaufen, hätte der Konzern diesen schweren Happen wohl irgendwie verdauen können. Doch bald wurde klar, dass man die Entwicklung an den Automobilmärkten im Allgemeinen und die Werthaltigkeit von VDO im Besonderen rasant überschätzt hatte. Conti rauschte tief in die roten Zahlen, was auch den nicht minder schuldengeplagten Großaktionär Schaeffler tüchtig in Schieflage brachte.

Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Conti arbeitet wieder mit Gewinn. Aber trotz der im Januar erfolgten Kapitalerhöhung sitzt der Konzern immer noch auf Nettofinanzschulden (Bankschulden abzüglich flüssiger Mittel) von rund 8 Milliarden Euro. Diese werden fast zur Gänze auf einen Schlag fällig, und zwar im August 2012. Einen solch großen Batzen Kredite einfach zu verlängern ist kaum möglich, zumal 2012 auch die Darlehen vieler anderer großer Unternehmen fällig werden. Wie die “FAZ” berichtet, bemüht sich Conti – nicht zuletzt auf Druck der Banken – um eine Umschuldung. Bis zu 4 Milliarden Euro sollen über die Ausgabe mehrerer Anleihen innerhalb der nächsten 18 Monate in die Kasse gespült werden, um die Bankschulden in entsprechender Höhe zurückzuführen.

Im ersten Halbjahr 2010 wollte Conti als ersten Schritt eine Hochzinsanleihe ausgeben. Diese Vorgabe verfehlt der Vorstand nur knapp: Anfang kommender Woche soll die Anleihe kommen, verlautet aus Finanzkreisen. Allerdings wird sie wohl kleiner ausfallen als erwartet. Bisher hieß es immer, dass die Anleihe ein Volumen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro haben werde. Dem Vernehmen nach ist diese Spanne jedoch zu hoch gegriffen. Realistischer ist ein Betrag irgendwo zwischen 500 Millionen Euro und 1,5 Milliarden Euro.

Warum diese Bescheidenheit? Conti ist in einem Spannungsfeld der Interessen. Einerseits täte man gut daran, die Refinanzierung schneller voranzutreiben. Andererseits scheut Conti die Mehrkosten, welche die Ausgabe einer Anleihe zum aktuellen Zeitpunkt beschert. „Für den Großteil seiner bestehenden Kredite zahlt Conti zwischen 5 und 6 Prozent Zinsen. Bei der Anleihe ist jedoch ein Zinssatz von 7 bis 9 Prozent erforderlich, um genügend Abnehmer zu finden“, schätzt Marc-René Tonn, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg.

Folglich dürfte Conti also geneigt sein, zunächst einen kleinen Refinanzierungsschritt zu machen und dann in einigen Monaten nachzulegen. Schließlich hellt sich die Umsatz- und Ertragslage dank der unerwartet schnellen Erholung der Autoindustrie zusehends auf. Dies lässt den Vorstand hoffen, bald wieder eine bessere Bonitätsnote zu bekommen. Die unerwartete Herabstufung der Rating-Agentur Standard & Poor’s im Mai dieses Jahres trägt mit dazu bei, dass Conti derzeit so hohe Zinsen bieten muss. Zur Begründung für das Downgrade hatte S&P seinerzeit auch auf den unsicheren Einfluss des Großaktionärs Schaeffler verwiesen, der selbst mit mehr als 12 Milliarden Euro verschuldet ist. Die Risiken, die sich aus der für 2011 geplanten Fusion mit Schaeffler ergeben, könnten aber durch die Ausgestaltung der Anleihe verringert werden. „Man kann die Anleihe-Gläubiger gleichstellen mit den Banken und ihnen Sonderkündigungsrechte oder Zinserhöhungen zusichern, wenn sich bestimmte Parameter verändern“, sagt Bankanalyst Tonn.

Es dürfte mehr als nur Zufall gewesen sein, dass die Schaeffler-Gruppe am Montag dieser Woche die Umwandlung von einer Familiengesellschaft (KG) in eine Kapitalgesellschaft (GmbH) vermeldet hatte. Erst Umwandlung, dann die Anleihe-Plazierung – das stelle sicherlich eine schlaue Abfolge dar, heißt es in Unternehmenskreisen. Der fränkische Wälzlagerhersteller selbst bestreitet einen Zusammenhang. „Das ist ein Continental-Thema, weshalb wir das nicht kommentieren“, heißt es in Herzogenaurach.

Die seit langem geplante Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft soll ein Signal sein. Der Hauptaktionär von Continental gelobt Transparenz. Diese ist freilich erst dann erreicht, wenn die Management-Holding Schaeffler GmbH eine Aktiengesellschaft ist. Frühestens Anfang nächsten Jahres könnte es so weit sein. Die Umwandlung in eine AG wäre der letzte Schritt vor der Verschmelzung mit Conti. Sicher ist: Eine Conti-Schaeffler- oder Schaeffler-Conti-Gruppe wird börsennotiert bleiben.

Im Zuge der Integration werden Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg an Einfluss verlieren. Die Familie muss ihre Anteile reduzieren, um die ihr zugeordnete Verschuldung von 5 Milliarden Euro abzubauen, während weitere 7 Milliarden Euro Finanzschulden der GmbH zugeordnet sind und aus den operativen Geschäften der Gesellschaften INA, FAG und Luk gestemmt werden müssen. Ihre direkt an Conti gehaltenen 42,5 Prozent sind besichert. Jeweils 16,5 Prozent sind bei den Banken M.M. Warburg und Metzler geparkt, gemäß einer Übereinkunft im Zuge der Übernahme von Conti durch Schaeffler. Diese Anteile dürften an der Börse oder bei Investoren plaziert werden. Erst später dürfte die angekündigte Beteiligung der Schaeffler-Beschäftigten an dem Gemeinschaftsunternehmen ein Thema werden.

Voraussichtlich im August wird sich der aus 20 Mitgliedern bestehende Aufsichtsrat konstituieren. In den nächsten Monaten werden transparente Berichtsstrukturen eingezogen, das Miteinander von Management und Aufsichtsrat eingespielt. Das „Training“ erfolgt in einer Zeit wirtschaftlicher Erholung. Kurzarbeit, die einmal für 20000 Beschäftigte beantragt war, gibt es so gut wie nicht mehr. Auch der Autozulieferer Schaeffler profitiert vom Aufschwung der Industrie. Operativ schreibt das Unternehmen mit 61000 Mitarbeitern und zuletzt 7,3 Milliarden Euro Umsatz wieder Gewinne. Es ist optimistisch für das zweite Halbjahr und für 2011, wie ein Sprecher sagt. Über das, was unter dem Strich übrig bleiben könnte, gibt es keine Auskunft. Doch die Zinslast ist hoch und dürfte das Ergebnis in die Verlustzone drücken.