Roland Villinger, CSO und CDO bei Audi

Roland Villinger: "Wir durchleuchten das ganze Unternehmen, beispielsweise auf unnötige Komplexität in Produkten, Prozessen und Strukturen, um dadurch effizienter, agiler und schneller zu werden." Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Villinger, welche Fortschritte haben Sie bezüglich des Audi Angriffs- und Transformationsplan gemacht?
Wir sind auf einem guten Weg. Von ursprünglich sieben Maßnahmenpaketen haben wir ein sehr wesentliches bereits abgearbeitet – das Teilprojekt eins. Hier hatten wir uns zum Ziel gesetzt, unser Modellangebot um vier zusätzliche Derivate bei insgesamt gleichem Entwicklungsbudget zu erweitern. Alle wesentlichen Entscheidungen hat der Vorstand hierzu bereits getroffen, sodass wir die Abarbeitung inzwischen schon in die Linie übergeben haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wann kommen diese Derivate auf den Markt?
Im laufenden Strategiezeitraum, das heißt vor 2025. Wir haben den Angriffs- und Transformationsplan Mitte letzten Jahres ausgearbeitet und sofort gestartet. Dann kamen die neuen Vorstände hinzu, die in Tandems ihre Arbeitspakete verfolgen. Sie treiben ihre Projekte mit viel Energie und Geschwindigkeit voran, entwickeln sie in ihrem Stil weiter und bringen neue Ideen hinzu. Jetzt haben wir richtig Traktion! Wir haben schon sehr viele Maßnahmen entwickelt und schieben die Umsetzung mit Nachdruck an. Die Federführung für den Angriffs- und Transformationsplan liegt jetzt bei Finanzvorstand Alexander Seitz. Seine Mannschaft bewertet gemeinsam mit allen Geschäftsbereichen die finanziellen Effekte und bezieht diese in die Gesamtplanung mit ein. Das Programm fokussiert sich auf einen 5-Jahres-Zeitraum.  Deshalb werden wir bis Ende dieses Jahres den Großteil der Maßnahmen lanciert haben, damit sich deren Effekte auch bis 2022 voll entfalten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie sich neue Derivate ausgedacht – oder komplett neue Modelle?
Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kann ich Ihnen spannende Produkte versprechen, die auf alle Fälle neu für Audi sein werden. In den vergangenen Monaten haben wir uns viele Ideen und Business Cases angesehen und die besten davon ausgewählt. Die Leitlinie lautet: mehr Elektroautos, mehr SUVs, mehr attraktive Modelle für bestehende und neue Kunden. Dabei haben wir den Anspruch, die neuen Derivate aus unveränderten Budgets heraus zu finanzieren. Manch ein Derivat, das sich vorher nicht gerechnet hätte, ist nun mit effizienteren Prozessen, mit reduzierter Komplexität und entsprechend schlankeren Kostenstrukturen wirtschaftlich umsetzbar. Wir hinterfragen nachdrücklich unsere Arbeitsweisen und packen Dinge anders an!

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sind Sie mit den Fortschritten der Audi Strategie 2025 zufrieden?
Wenn ich mir ansehe, was wir in dieser kurzen Zeit bereits erreicht haben, sehr! Wir haben erst im Juli 2016 die Strategie 2025 unseren Mitarbeitern vorgestellt und mit Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Urbanisierung drei strategische Stoßrichtungen umfassend im Unternehmen verankert. Um die dafür erforderlichen Investitionen für unsere Zukunft zu erwirtschaften, haben wir zunächst das kurzfristige Profitabilitätsprogramm „SpeedUp!“ initiiert. Das lieferte den ersten Schub. SpeedUp! sorgte beispielsweise für Komplexitätsreduktion durch den verstärkten Einsatz von Carry-over-Parts. Dieses Programm hat uns 2017 bereits Einsparungen von rund einer Milliarde Euro eingebracht. Ein voller Erfolg – und wir haben dabei viel gelernt. Mit dem Angriffs- und Transformationsplan schalten wir jetzt einen Gang höher und denken langfristig, um die Strategieumsetzung nachhaltig zu beschleunigen. Wir durchleuchten das ganze Unternehmen beispielsweise auf unnötige Komplexität in Produkten, Prozessen und Strukturen, um dadurch effizienter, agiler und schneller zu werden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: „Erster Schub“ heißt, es muss noch mehr gespart werden?
Der Angriffs- und Transformationsplan ist kein Sparprogramm. Premiumanspruch und Kundennutzen stehen bei allen Maßnahmen stets im Fokus. Natürlich geht es da neben dem Umbau unseres Unternehmens im Zuge der Transformation auch um Effizienzen. Sie ahnen, was ein Automobilhersteller aktuell ausgeben muss – für die Entwicklung des autonomen Fahrens, für Digitalisierungsthemen, für Elektrifizierung. Die Modelle sollen gleichwohl stets profitabel sein. Damit die Rendite auch bei diesem Jahrhundert-Projekt stimmt, identifizieren wir zusätzlich zehn Milliarden Euro kumuliert in den kommenden fünf Jahren.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Planen Sie noch ein weiteres Programm oder bleibt es bei den bisherigen drei?
SpeedUp! ist erfolgreich abgearbeitet. Der Angriffs- und Transformationsplan ist ein Beschleuniger unserer Strategie mit einem Zeithorizont von fünf Jahren und wir sind da gut unterwegs. Jedes Teilprojekt wird nach Ausplanung in die Linie zur operativen Umsetzung überführt. Das heißt, die Projektarbeit wird systematisch reduziert, die Ergebnisse werden kontinuierlich ansteigen. 2022 wird es keine Projektarbeit im Angriffs- und Transformationsplan mehr geben, aber unsere Strategie 2025 wird uns nach wie vor leiten.