Winterkorn Pötsch

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (li.) wollte das Konzernbetriebsergebnis 2012 auf dem Vorjahresniveau von 11,3 Milliarden Euro halten. - Bild: VW

Ein Rekordabsatz von 9,07 Millionen Autos mit einem Zuwachs von rund elf Prozent lässt da wenig Interpretationsspielraum. Die Übernahmen von Porsche und MAN tun ihr Übriges. Anders sieht es beim operativen Gewinn aus, auf den zuletzt die Kosten für Modelleinführungen und den Start des Baukastensystems MQB drückten. In ihren selbst gesteckten Zielen kalkulieren die Wolfsburger lediglich mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf dem Vorjahresniveau von 11,3 Milliarden Euro.

Operatives Ergebnis könnte sich leicht verbessern

Nur leicht darüber erwarten auch die von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Mittwoch befragten Analysten das EBIT: im Schnitt gehen sie von 11,5 Milliarden aus. Nach neun Monaten war VW dem Vorjahreswert von neun Milliarden Euro noch knapp hinterhergelaufen. Beim Umsatz tippen die Analysten auf gut 191 Milliarden Euro.

Spätestens am 14. März herrscht Klarheit, dann will der Konzern seine Bilanz vorlegen. Allerdings könnte der Vorhang schon deutlich früher gelüftet werden: In den vergangenen Jahren gab VW meist schon am letzten Freitag im Februar vorläufige Geschäftszahlen bekannt. Am Freitag dieser Woche tagt der Aufsichtsrat der Wolfsburger, der sich mit den Zahlen befassen dürfte.

Schon Ende Januar kam aus dem Konzernbetriebsrat der Hinweis, dass es zumindest beim Gewinn unter dem Strich erneut nach oben ging: Das Gesamtergebnis 2012 sei besser gewesen als 2011, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Damals hatte VW nach Minderheiten 15,4 Milliarden Euro verdient. Allerdings stammte ein gutes Stück aus der Neubewertung von Aktienoptionen, nachdem eine Fusion mit Porsche 2011 zunächst abgeblasen worden war. Doch inzwischen ist die Sportwagenschmiede komplett unter das Konzerndach geschlüpft – und hat im dritten Quartal 2012 erneut für fette Buchgewinne in Wolfsburg gesorgt. Für das Gesamtjahr erwarten die meisten Analysten daher einen schier astronomischen Nettogewinn von rund 22 Milliarden Euro – nach neun Monaten stand er bereits bei 20 Milliarden.

Volkswagen als europäischer Branchenprimus

Aber selbst ohne die milliardenschweren Buchgewinne aus der Porsche-Übernahme, die für rund die Hälfte des Nettogewinns verantwortlich sein dürften, gilt: Von solchen Ergebnissen kann die Konkurrenz in Europa nur träumen. Vor allem den Rivalen im Segment der Massenhersteller scheint VW uneinholbar enteilt. Europas Nummer zwei PSA Peugeot Citroen fuhr 2012 gut fünf Milliarden Euro Verlust ein. Auch Renault und Fiat sind angeschlagen.

Allerdings muss sich selbst der Klassenprimus des Kontinents, der bis 2018 weltweit die Nummer eins sein will, in Europa mittlerweile mit ähnlichen Problemen herumschlagen wie die Konkurrenz, Denn die Absatzflaute macht auch vor den Wolfsburgern nicht halt. Im Januar gingen die Neuzulassungen der Kernmarke Volkswagen in der EU um zwölf Prozent zurück, konzernweit um gut fünf Prozent. Weltweit ging es zwar auch im Januar klar nach oben, das Wachstum 2013 könnte insgesamt aber deutlich langsamer ablaufen als im Vorjahr.

Konzern ist für Durststrecke bestens gerüstet

Doch VW ist nicht nur wegen seines dicken Sparkontos bestens auf eine weitere Durststrecke in Europa vorbereitet. Der modulare Querbaukasten (MQB), mit dem gleiche Bauteile für verschiedene Modelle verwendet werden können, soll Produktion und Entwicklung einheitlicher, einfacher und billiger machen. Zwar dürfte dessen Einführung die Ergebnisse der nächsten Quartale noch belasten, glaubt Analyst Frank Schwope von der NordLB. In den folgenden Jahren sollte der MQB aber zu deutlichen Kostenentlastungen führen und die Konkurrenzfähigkeit des Konzerns weiter stärken. Sein Kollege Manfred Jaisfeld von der National-Bank erwartet sogar schon in diesem Jahr spürbare Ersparnisse.

Die sind in der Nutzfahrzeug-Sparte allerdings noch nicht in Sicht. Zwar dürfte VW im Sommer aller Voraussicht nach die komplette Macht bei MAN übernehmen und bei der Hauptversammlung der Tochter den angekündigten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag unter Dach und Fach bringen. Die angekündigten zählbaren Synergien aus der Zusammenarbeit von MAN, der Schwestermarke Scania und den VW-Nutzfahrzeugen lassen aber auf sich warten. Von konkreten Vorgaben haben die Wolfsburger sich mittlerweile verabschiedet.

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dpa/Guido Kruschke