Neuwagen Daimler breit

Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler bekommt die Kaufzurückhaltung deutlich zu spüren. Die Kernmarke Mercedes-Benz rutsche in Westeuropa im Februar 6,8 Prozent in den Keller, Deutschland verzeichnete sogar 14,9 Prozent Einbruch. - Bild: dpa

 

Die Einschläge kommen auch für den europäischen Branchenprimus aus Wolfsburg immer näher. Erstmals seit gut einem Jahr kann die Pkw-Kernmarke nicht wie gewohnt zulegen. Denn Europas Absatzkrise treibt deutsche Autobauer immer stärker in die Abhängigkeit von den Märkten in Übersee.

Die Kernmarke der Wolfsburger, Volkswagen Pkw, rettete sich im Februar noch gerade so ins Plus. Der weltweite Fahrzeugabsatz lag im Februar nur 0,4 Prozent über den Zahlen des entsprechenden Vorjahresmonats, wie der Dax-Konzern am Montag mitteilte. Einer Sprecherin zufolge hatte es ein solches Miniplus zuletzt vor 13 Monaten gegeben, als der Absatz im Januar vergangenen Jahres nur um 0,1 Prozent gestiegen war. Alle folgenden Monate hätten bei VW Pkw deutlich stärkere Zuwachsraten gebracht.

Weltmärkte müssen Europaschwäche ausbügeln

VW-Vertriebschef Christian Klingler ließ erklären: “Die Marke Volkswagen Pkw konnte sich im Februar dem harten Wettbewerb und den anhaltenden Unsicherheiten in wichtigen europäischen Märkten nicht gänzlich entziehen.” Er betonte aber, dass die Wolfsburger diese Rückschläge dank ihrer ausgewogenen globalen Aufstellung auffangen: “Die Schwäche in Westeuropa haben wir aber mit Zuwächsen in den Regionen Asien-Pazifik sowie Zentral- und Osteuropa ausgeglichen”.

BMW spricht von “schwierigen Marktbedingungen”

Auch andere Hersteller bekamen die Probleme in Europa zuletzt zu spüren. BMW meldete Ende vergangenen Woche für den Heimatkontinent zwar ein solides Februar-Plus, sprach aber von “schwierigen Marktbedingungen” und einem uneinheitlichen Bild. So stünden satte Zuwächse in Großbritannien/Irland und Russland klaren Rückgängen anderswo in Europa gegenüber. Daimler traf es härter: Die Kernmarke Mercedes-Benz rutsche in Westeuropa im Februar 6,8 Prozent in den Keller, Deutschland verzeichnete sogar 14,9 Prozent Einbruch.

Da auch der Raum Asien/Pazifik mit minus 27,3 Prozent alles andere als eine Stütze war, stand bei Daimlers zentralen Absatzmärkten nur Nordamerika (18 Prozent) im Plus – dort immerhin ein Rekordmonat. Die Pkw-Sparte der Schwaben lag global insgesamt 5,9 Prozent im Minus. Auch der Mercedes-Konkurrent Audi büßte im Februar merklich an Tempo ein, wobei das globale Absatzplus von 3,2 Prozent immerhin noch einen weiteren Rekord einbrachte. Das Deutschland-Geschäft stagnierte.

Die anhaltende Absatzkrise in Europa wird damit immer stärker zu einem Unsicherheitsfaktor für die Autobauer hierzulande. Für Deutschland hielten die Autoexperten der Universität Duisburg-Essen in einer am Wochenende vorgelegten Studie fest, dass der Rabattkampf auf dem Neuwagenmarkt seit Beginn ihrer Marktbeobachtungen für die Universität vor gut sieben Jahren nicht so intensiv gewesen sei.

Hohe Kaufzurückhaltung und hohe Nachlässe auf Fahrzeuge

Das Zögern der möglichen Neuwagenkäufer stehe im Gegensatz zu der doch eher vielversprechenderen Konsumentenlaune, die jüngst etwa die GfK-Marktforscher den Verbrauchern hierzulande zuschrieben. So hielten die Autoren der Rabattstudie, Ferdinand Dudenhöffer und Karsten Neuberger, fest: “Die Lage im deutschen Automarkt ist trotz leicht verbesserter gesamtwirtschaftlicher Aussichten (…) nach wie vor von sehr hoher Kaufzurückhaltung gekennzeichnet.”

Entsprechend heiß umkämpft sei der Markt: Jedes dritte Auto (34 Prozent) in Deutschland sei im Februar von Händlern oder Herstellern selber zugelassen worden, um es mit höheren Nachlässen in den Markt zu drücken. Die Quote dieser Eigenzulassungen als Indikator für die Preiskämpfe sei zuletzt vor sechs Jahren noch höher ausgefallen.

In der Branche gilt die Faustformel: Je härter umkämpft der Neuwagenmarkt mit seinen Rabattschlachten ist, desto größer ist auch der Einfluss auf die Profitabilität der Autohersteller. VW will am 14. März bei seiner Jahrespressekonferenz über die weiteren Aussichten für das laufende Geschäftsjahr informieren.

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dpa/Guido Kruschke