Opel Logo

Opel kommt nicht aus dem Krankenbett. Schlimmer noch: Die ungeduldige Konzernmutter General Motors scheint die Lust daran zu verlieren, die deutsche Tochter gesund zu pflegen. - Bild: Opel

Da macht Opel Hoffnung mit steigenden Verkaufszahlen – und dann dieser Dampfhammer: Die US-Mutter General Motors hat angeblich neue Verkaufspläne in der Schublade.

Woran krankt eigentlich der Patient mit dem Blitz im Markenlogo?

Opel kommt nicht aus dem Krankenbett. Schlimmer noch: Die ungeduldige Konzernmutter GM scheint die Lust daran zu verlieren, die deutsche Tochter gesund zu pflegen. Angebliche Verkaufspläne belasten die Genesung. Die Befürchtung in der Konzernzentrale in Detroit scheint zu sein, dass der Patient Opel zum chronischen Pflegefall werden könnte. Und dafür hätte GM keinen Nerv.

Fast scheint es so, als hafte der deutschen Traditionsmarke Opel auch bei der Sanierung ihr früher oft beschriebenes Negativimage an: Behäbig, nicht ganz auf der Höhe der Zeit, mit Hut auf der Ablage hinten. Während General Motors im heimatlichen Nordamerika seit einem Jahr schon wieder Milliardengewinne einfährt, hofft Opel erst 2012 auf eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Warum tun sich die Rüsselsheimer bloß so schwer, in einem weltweit wieder florierenden Automarkt Geld zu verdienen? Opels Hauptproblem: Es ist kein Weltunternehmen. “GM lässt Opel am langen Arm verhungern”, sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Für ein langfristig positives Ergebnis bei Opel reiche der gesättigte Markt in Europa alleine nicht aus, GM aber bremse die Auslandsexpansion von Opel nach China und in die USA.

Dort fahren zwar auch Wagen mit Opel-Technik – auf denen prangt aber das Logo der GM-Hausmarken Chevrolet oder Buick. Ingenieurskunst “Made in Germany” ist gefragt, fertige Autos aus Deutschland nicht. Und es kommt für Opel noch härter: Chevrolet macht Opel im eigenen Land Konkurrenz – mit Kampfpreisen und durch die konzernweiten Verflechtungen am Ende sogar mit Opel-Technik unter der Haube.

Opel scheint in der GM-Familie manchmal so etwas wie die ungeliebte Stieftochter zu sein. “Seit Monaten ist GM unzufrieden mit der Sanierungsgeschwindigkeit bei Opel, das geht denen zu langsam”, sagt Bratzel. Dabei müht sich Opel redlich: Die Rüsselsheimer versuchen, das Image von der “Altopa-Marke” mit hippen Werbekampagnen abzuschütteln und haben dafür extra die Chart-Stürmerinnen Lena Meyer-Landrut und Katie Melua eingekauft. Das Design der Wagen wird immer sportlicher und von Rostproblemen wie anno dazumal spricht heute auch kein Opel-Fahrer mehr.

Geduldsfaden in Detroit stark gespannt

Erste Erfolge sind dann auch zu sehen: Die Verkaufszahlen steigen und die Verluste schrumpfen. Doch das reicht den Managern in Detroit nicht. Es gibt eine Reihe von Indizien dafür, dass der Geduldsfaden der GM-Oberen schon längst aufs Äußerste gespannt ist. Konzernchef Daniel Akerson und Strategiechef Stephen Girsky machten ihrem Unmut über die Lage bei Opel wiederholt Luft. Nie lautstark, aber immer deutlich vernehmbar. Der Tenor: Wir in Nordamerika haben unsere Hausaufgaben erledigt, warum klappt das bei Euch nicht?

Der frühere Opel-Chef Nick Reilly – bekannt als harter Sanierer – räumte ein: “Sie sind es nicht gewohnt, hier Geld zu verlieren. Jeder will das Europageschäft zurück in den schwarzen Zahlen sehen.” Mit Blick auf GMs kometenhafte Rückkehr an die Börse leuchtet das umso mehr ein: GM hat mit seinen Autos im vergangenen Jahr in Nordamerika 5,8 Milliarden Dollar operativ verdient, in Südamerika waren es gut 800 Millionen und im Rest der Märkte ohne Europa 2,3 Milliarden Dollar. Nur Europa rund um Opel steckte weiter im Verlustsumpf: Das Minus summierte sich auf rund 1,8 Milliarden Dollar.

Nick Reilly: GM ist es nicht gewohnt, hier Geld zu verlieren. Jeder will das Europageschäft zurück in den schwarzen Zahlen sehen. - Bild: Opel

Auch personell offenbarte sich der Druck: Konzernchef Akerson installierte Reilly als Europa-Oberaufseher über dessen Nachfolger Karl-Friedrich Stracke. Der neue Opel-Chef muss jetzt an Reilly berichten.

GM verbrennt sein Geld in Übersee

Dabei sollten die Konzernoberen in Detroit für ihren Patienten in der alten Welt eigentlich mehr Verständnis aufbringen: Lange kämpfte GM selbst mit schrumpfenden Marktanteilen und steigenden Verlusten. Nur ein 50 Milliarden Dollar schwerer Scheck des US-Steuerzahlers belebte GM letztlich wieder.

Nach der überstandenen Insolvenz des Jahres 2009 hat GM nun wieder Oberwasser: Der gigantische Schuldenberg ist zusammengeschmolzen, veraltete Werke wurden dichtgemacht, überbordende Personalkosten zusammengestrichen. Die neuen Modelle kommen bei den Kunden an, Qualitätsprobleme scheinen gelöst. GM hat so gut zu tun, dass der Konzern dauernd neue Leute einstellt.

Da verwundert es nicht, dass der Blick von GM-Chef Akerson nach Übersee schweift, wo der Konzern anhaltend Geld verbrennt. In der Branche wird daher auch gemunkelt, die Detroiter könnten Gedankenspiele zum Opel-Verkauf gezielt gestreut haben – als ultimativen Warnschuss vor den Bug.

dpa-AFX/Guido Kruschke