Ein Foto aus besseren Tagen: 1955: Feier zum 1.000.000sten Käfer im Werk Wolfsburg. Bild: Volkswagen

Ein Foto aus besseren Tagen: 1955: Feier zum 1.000.000sten Käfer im Werk Wolfsburg. Bild: Volkswagen

Am Vormittag sackte die im Dax gelisteten Vorzugsaktien zwischenzeitlich auf 86,36 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren ab. Am Mittag betrug das Minus noch 2,88 Prozent auf 89,70 Euro, während sich der deutsche Leitindex deutlich von seinen jüngsten Verlusten erholte. Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals vor rund zwei Wochen haben die Aktien damit rund 45 Prozent an Wert verloren.

Skandal schadet Markenwert massiv

Volkswagen habe bis zu einem möglichen Comeback seiner Aktien noch einen langen Weg vor sich, resümierte ein Börsianer. Auch Analysten bleiben skeptisch. Es gebe bislang noch keine Hinweise, dass sich der aufgewirbelte Staub bald lege, meinte Stephen Reitman von der französischen Großbank Societe Generale.

Der Börsianer verwies als Belastung unter anderem auf Aussagen des designierten VW-Aufsichtsratschefs Hans Dieter Pötsch. Angesichts des Debakels um gefälschte Messwerte bei Dieselmotoren habe Pötsch bei einer internen Veranstaltung in Wolfsburg von einer “existenzbedrohenden Krise für den Konzern” gesprochen, berichtete die Welt am Sonntag.

Der Abgas-Skandal hat dem Markenwert von Volkswagen in Berechnungen der Unternehmensberatung Interbrand massiv geschadet. Vor diesem Hintergrund warb der kriselnde Autobauer in seitengroßen Zeitungsanzeigen um seine Kunden. “Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen”, heißt es in dem Text, der prominent in mehreren auflagenstarken Sonntagsblättern abgedruckt war.

Analyst: Gefahr einer Kapitalerhöhung

Bereits am Freitag hatte die Schweizer Bank Credit Suisse das Kursziel für die Volkswagen-Vorzüge von 169 auf 82 Euro mehr als halbiert. Die vom Finanzdienstleistungsgeschäft ausgehenden Risiken würden derzeit missachtet, schrieb Analyst Alexander Haissl. Somit sei das gesamte Abwärtsrisiko bei den Papieren des Autobauers noch nicht vollständig eingepreist. Der Experte sieht die Gefahr einer Kapitalerhöhung.

Laut Analyst Michael Raab von Kepler Research könnten auch Verkäufe von Vermögensbeständen unter bestimmten Szenarien mittelfristig zu einer Option werden, um die Nettoliquidität von Volkswagen auf dem angepeilten Niveau zu halten.

Analyst Max Warburton von Bernstein Research betonte, er brauche nun vor allem Klarheit darüber, ob Volkswagen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa bei Abgastests betrogen habe. Davon hingen die Konsequenzen für den Autobauer und seinem Aktienkurs ab.

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