Bernd Osterloh

Bernd Osterloh: Wir streben einen zwei bis dreiprozentigen Stimmrechtsanteil an und sind guter Dinge, dass uns der Einstieg in eine solche Beteiligung noch in diesem Jahr gelingt. - Bild: VW

Ziel sei es, einen bis zu dreiprozentigen Stimmrechtsanteil zu übernehmen und bereits in diesem Jahr einen Einstieg zu schaffen, erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem E-Mail-Statement an Dow Jones Newswires.

Der Betriebsrat wolle, “dass die Belegschaft von Volkswagen ihren Einfluss künftig auch auf Hauptversammlungen durch einen Stimmrechtsanteil von zwei bis drei Prozent geltend machen kann”, so der oberste Arbeitnehmervertreter, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef ist.

Die Prüfungen auf Seiten der Arbeitnehmer seien weitgehend abgeschlossen, im zweiten Halbjahr würden die Gespräche zur Umsetzung aufgenommen. “Wir sind guter Dinge, dass uns der Einstieg in eine solche Beteiligung noch in diesem Jahr gelingt”.

Der Wolfsburger DAX-Konzern war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ein Drei-Prozent-Anteil hätte bei einem aktuellen Kurs von 111,15 Euro pro Stammaktie einen Wert von rund 984 Millionen Euro. Die VW-Stämme waren Ende 2009 aus dem DAX gefallen und durch die Vorzugsaktien des Konzerns ersetzt worden, nachdem der Streubesitz unter die maßgebliche Marke von 10 Prozent gesunken war. Mit den Vorzugsaktien sind keine Stimmrechte verbunden.

Der Plan der Arbeitnehmer, ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten durch einen Stimmrechtsanteil zu zementieren, zeigt das wachsende Selbstvertrauen in Wolfsburg. Die Gewerkschaften haben bei den Niedersachsen, die dank der boomenden Nachfrage in Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland in diesem Jahr auf den nächsten Absatzrekord zusteuern, traditionell einen starken Einfluss. Doch Berichte, wonach Volkswagen die Verlagerung von Teilen der Tiguan- oder Golf-Produktion ins Ausland erwägt, haben auf Arbeitnehmerseite für Unmut gesorgt und drohen den Burgfrieden zu stören.

Mit einem Drei-Prozent-Anteil an den Stammaktien wären die Arbeitnehmer der viertgrößte Stammaktionär bei Volkswagen nach der Porsche SE (50,7 Prozent), dem Land Niedersachsen (knapp 20 Prozent) und dem Emirat Katar (17 Prozent).

Der Plan einer Beteiligung an den Stammaktien basiert auf der Grundlagenvereinbarung, die Volkswagen nach der erfolgreichen Übernahmeschlacht gegen Porsches ehemaliges Management im August 2009 beschlossen hatte. Die VW-Arbeitnehmer hatten ihren Vorstand um Martin Winterkorn nach Kräften unterstützt und trugen damit ihren Teil dazu bei, dass die feindliche Übernahme durch die Stuttgarter abgewendet werden konnte. Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen stellten der Belegschaft am 13. August 2009 “eine substanzielle Beteiligung der weltweiten Mitarbeiter des integrierten Automobilkonzerns” in Aussicht.

Dow Jones Newswires/kru