VW hat die Bestrebungen einiger Aktionäre der Schweden, einen höheren Preis herauszuhandeln,

VW hat die Bestrebungen einiger Aktionäre der Schweden, einen höheren Preis herauszuhandeln, bereits im Keim erstickt. - Bild: Scania

Zwei Wochen vor Ende der Annahmefrist stellte VW damit klar, dass man nicht zu Kompromissen bereit ist. Europas größter Autobauer bekräftigte, dass die Offerte für die Scania-Aktionäre attraktiv sei und eine Komplettübernahme zu einer klaren und – auch für die Schweden – vorteilhaften Eigentümerstruktur führen würde.

Volkswagen besitzt bereits knapp 63 Prozent des Kapitals von Scania und hält knapp 90 Prozent der Stimmrechte. Im Februar boten die Niedersachsen den Aktionären für die restlichen Anteile 200 Schwedischen Kronen oder umgerechnet rund 22,26 Euro. Insgesamt wird der Teil von Scania, der VW nicht schon gehört, mit rund 6,7 Milliarden Euro bewertet.

Nach Unternehmensangaben entspricht das aktuelle Angebot einer Prämie von mehr als 50 Prozent auf den Durchschnittskurs der Scania-Aktien in den drei Monaten, bevor das Angebot veröffentlicht worden war. Die Scania-Anteilseigner haben bis zum 25. April Zeit, das Angebot anzunehmen. Mindestens 90 Prozent der Anteile wollen die Wolfsburger bis dahin übernommen haben, ansonsten kommt der Deal nicht zu stande.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sich jedoch Widerstand unter Investoren gebildet. Zuerst hatte ein unabhängiges Komitee des Scania-Verwaltungsrats den Aktionären empfohlen, das Angebot nicht anzunehmen, da dieses den langfristigen Wert des Unternehmens nicht widerspiegele. Und jüngst taten die beiden Fonds Fjärde AP-fonden und AMF ihre ablehnende Haltung kund – die Argumentation war die selbe.

VW will mit der kompletten Übernahme der Schweden die nur schleppend vorankommende Nutzfahrzeug-Allianz unter dem eigenen Konzern-Dach vorantreiben. In der momentanen Eigentümerstruktur ist es VW nach eigenen Angaben nicht möglich, das volle Potenzial einer engeren Zusammenarbeit zwischen der eigenen Nutzfahrzeugsparte und den Töchtern MAN und Scania zu heben. Schwedische Minderheitsaktionäre hatten die Verzahnungspläne der Wolfsburger zuletzt mehrfach durchkreuzt.

Am Markt gab es offenbar einige Teilnehmer, die mit einer Erhöhung der Offerte gerechnet hatten. Denn unmittelbar nach der Absage sackte die Scania-Aktie auf ein Tagestief von 179,40 Schwedische Kronen ab. Mittlerweile machte der Kurs aber wieder einen Großteil die Verluste wett. “Es war von Anfang an unwahrscheinlich, dass VW den ohnehin schon sehr hohen Kaufpreis noch einmal anhebt. Es gab ja auch viel Kritik an der teuren Übernahme”, sagt ein Händler.

Diese Logik teilt jedoch nicht jeder. Zwar beurteilt auch ISI-Analyst Arndt Ellinghorst die Offerte als durchaus generös. Sollte es hart auf hart kommen, glaubt er aber nicht, dass VW sich von dem Deal verabschieden würde, ohne nachzubessern. “Bei all der Arbeit, die VW in die Übernahme gesteckt hat, wäre das doch sehr verwunderlich”, glaubt er.

In der Tat setzte VW in den vergangenen Monaten einiges daran, die von Firmenpatriarch Ferdinand Piech so gewollte Lkw-Allianz zu Realität werden zu lassen. Die Niedersachsen sind nicht nur bereit, mehrere Milliarden für die Komplettübernahme von Scania in die Hand zu nehmen, sondern haben auch einen neuen Topmanager für das Nutzfahrzeuggeschäft engagiert, der die Kooperation voranbringen soll: Der ehemalige Daimler-Trucks-Chef Andreas Renschler wird im Februar in Wolfsburg beginnen und dort Leif Oestling als Lkw-Chef ablösen.

Eine funktionierende und erfolgreiche Nutzfahrzeug-Troika gilt als einer der größten verbliebenen Träume von Strippenzieher Piech, der VW zum weltweit größten Mobilitäts-Imperium ausbauen will. Eine Milliarde Euro Synergien hatte der Österreicher einst durch die Lkw-Troika in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr lagen die Einsparungen jedoch nur beim einem Bruchteil dessen.

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Nico Schmidt/Dow Jones Newswires/Andreas Karius