VW Logo am Rad.

Volkswagens Chefhistoriker rollte nicht nur die Beteiligung des Konzerns an der brasilianischen Militärdiktatur auf, sondern auch die NS-Lasten bei Audi. Bild: ks

Anlass sei die Kritik des kürzlich aus dem Konzern ausgeschiedenen Chefhistorikers Manfred Grieger an einer von Audi selbst in Auftrag gegeben Bewertung zu "Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto-Union". Grieger hatte die Expertise als handwerklich mangelhaft und tendenziell verharmlosend bezeichnet.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh rief nun in der jüngsten Betriebsratszeitung "Mitbestimmen" den Konzern dazu auf, "dass den Anmerkungen von Dr. Grieger (...) Rechnung getragen wird und hier eine weitergehende Erforschung und Aufarbeitung der genannten Aspekte stattfindet. Wir fordern hierzu einen unabhängigen Historiker einzusetzen". Zudem solle der Autobauer die externen Experten des jüngst neu gegründeten Nachhaltigkeitsbeirats einbeziehen.

Grieger hatte die Studie zur Auto Union per Rezension in einer Fachzeitschrift kritisiert. Wenige Wochen später trennten sich der Forscher und Volkswagen in beiderseitigem Einvernehmen. Als Auslöser gelten Differenzen über Abstimmungsvorgaben für den Historiker.

VW war unter den Nazis gegründet worden. Osterloh lobte Griegers Arbeit als unabhängig und kritisch. "Wir müssen einen Nachfolger auf gleichem Niveau finden. Das wird schwierig genug." Bei Entscheidungen zur Zukunft des Unternehmensarchivs, das Grieger als Chefhistoriker leitete, will der Betriebsrat nun eingebunden werden.