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Bernd Osterloh warnt vor weiteren Produktionsverlagerungen aus Deutschland in die USA. - Bild: VW

“Der Vorstand und seine Stabsstellen spielen fröhlich durch, das USA-Volumen des Golfs, das heute in Wolfsburg gefertigt wird, künftig in Nordamerika zu bauen”, sagte Osterloh nach übereinstimmenden Zeitungsberichten vom Mittwoch auf einer Betriebsversammlung. Den Meldungen zufolge gibt es bei Volkswagen auch Planspiele zur Verlagerung der Tiguan-Produktion in die USA.

Osterloh drohte nach vom Betriebsrat bestätigten Berichten der “Braunschweiger Zeitung” und der “Wolfsburger Allgemeinen” mit Widerstand der Arbeitnehmer gegen Verlagerungspläne: “Diese Belegschaft kann kämpfen! Hier gab es schon mal einen Vorstand, der Planspiele veranstaltete, uns Teile unseres Golfs aus Wolfsburg abzuziehen”, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dapd aus den Zeitungen. Der frühere VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard hatte über Produktionsverlagerungen weg aus Wolfsburg nachgedacht. Bernhard musste vor Ende seines Vertrages gehen.

VW hatte Ende Mai sein erstes Werk in den USA eröffnet, in dem eine billige US-Version der Mittelklasselimousine Passat gebaut wird. Vorher kamen die Passat-Modelle für die USA aus dem Werk Emden. Die neue Fabrik kann problemlos auf zusätzliche Modelle erweitert werden.

Der VW-Vorstand reagierte umgehend auf den Angriff des Betriebsrats: “Der Volkswagen-Konzern hat im Rahmen seiner weltweiten Wachstumsstrategie auch die Auslastungssituation an den bestehenden Standorten im Blick. In diesem Sinne werden wir unsere strategischen Planungen gemeinsam mit dem Betriebsrat erörtern. Ich bin sicher, dass wir eine für beide Seiten akzeptable Lösung für das Stammwerk Wolfsburg finden werden”, erklärte Produktionsvorstand Michael Macht laut Mitteilung.

VW soll nach dem Willen von Konzernchef Martin Winterkorn bis 2018 der größte Autokonzern der Welt werden und mehr als zehn Millionen Autos verkaufen, davon eine Millionen in den USA. Die neue Fabrik soll zunächst 150.000 Autos im Jahr produzieren, könnte technisch aber auch 300.000 schaffen.

Der Golf ist in den USA bisher kein Absatzrenner: Bis Ende Mai wurden dort 14.500 Stück verkauft, das ist etwa die Produktion von zwei Wochen aus Wolfsburg. Beim kleinen Geländewagen Tiguan wird die Kapazität in Wolfsburg zurzeit von 700 auf 1.000 Stück am Tag ausgebaut. In den USA wurden bis Ende Mai fast 12.000 Stück davon abgesetzt. Allerdings ist die Autoproduktion in den USA deutlich billiger als in Deutschland. VW könnte nach einer Produktionsverlagerung den Preis der US-Modelle senken und so seinem Absatzziel näher kommen.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke