Bernd Osterloh breit

Bernd Osterloh: Die Geschäfte werden auch in Zukunft glänzend laufen, eine Konjunkturflaute wird die Stimmung nicht trüben können. - Bild: dpa

Der Betriebsratschef der Wolfsburger sieht keine Anzeichen für ein Nachlassen der Pkw-Nachfrage. Nach seiner Überzeugung wird Europas größter Autobauer trotz einer allgemein erwarteten Konjunkturabkühlung sein hohes Wachstumstempo beibehalten. 

Der VW-Motor läuft nach wie vor wie geschmiert

Unverständnis äußerte der Betriebsrat zur gegenwärtigen Diskussion über ein mögliches neuerliches Abgleiten in die Krise: “Wir haben keine Anzeichen für eine Abschwächung der Nachfrage”, sagte Osterloh. Der Auftragseingang steige im Vergleich zum Vorjahr. Außerdem sei der Auftragsbestand so hoch, dass bereits jetzt die Auslastung der Produktion bis zum Jahresende gesichert sei. Vielmehr sei es ein Problem, die hohe Nachfrage zu bedienen und die notwendigen Sonderschichten zu platzieren.

Volkswagen hatte im Juli dank teils starker Zuwächse in China, Nordamerika und Osteuropa so viele Pkw seiner Marke VW verkauft wie nie zuvor. Die Zahl der Auslieferungen stieg im vergangenen Monat um 17 Prozent. Seit Jahresbeginn waren es weltweit knapp drei Millionen Fahrzeuge, 12,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die Automobilindustrie ist extrem anfällig gegen konjunkturelle Schwankungen, da Kunden in wirtschaftlich schlechten Zeiten größere Anschaffungen meiden und einen großen Bogen um die Verkaufsläden machen. Entsprechend nervös reagiert der Aktienmarkt, seit im Zuge der Schuldenkrisen in Teilen Europas und den USA von einer möglichen Rezession die Rede ist. Auch wenn die meisten Branchenexperten aktuell noch keine Anzeichen für einen ersten Abschwung in der Automobilbranche sehen, gerieten Automobilwerte in den vergangenen Wochen gehörig unter Druck.

Alfa steht nach wie vor auf der Agenda

Osterloh bekräftigte das anhaltende Interesse von Volkswagen, die italienischer Fiat-Tochter Alfa Romeo zu übernehmen. Dies setze allerdings voraus, dass der bisherige Eigentümer verkaufen wolle. Volkswagen hat bereits mehrfach Interesse an Alfa Romeo bekundet, Fiat-Chef Sergio Marchionne die Tochter allerdings auch schon des Öfteren für unverkäuflich erklärt.

Opel war zu keinem Zeitpunkt ein Thema

Eine Absage erteilte Osterloh Spekulationen über einen Einstieg bei Opel. “Diese Frage hat sich mir nie gestellt”, sagte der oberste Arbeitnehmervertreter. Anfang Juni hatten einige Medien berichtet, die Opel-Mutter General Motors erwäge erneut den Verkauf der Rüsselsheimer Traditionsmarke. VW galt als möglicher Käufer. Nachdem sich GM zunächst nicht zu den Spekulationen äußerte und damit die Gerüchteküche zusätzlich anheizte, ließ sich Firmenchef Dan Akerson Ende Juli ein klares Bekenntnis zu Opel entlocken und sagte, die Marke mit dem Blitz stehe nicht zum Verkauf.

Suzuki Winterkorn

Die Unstimmigkeiten zwischen Volkswagen und dem japanischen Kooperationspartner Suzuki können beigelegt werden. - Bild: VW

Erhöhter Verständigungsbedarf beim Partner Suzuki

Osterloh zeigte sich am Mittwochabend zuversichtlich, dass die Unstimmigkeiten zwischen dem im DAX notierten Konzern und dem japanischen Kooperationspartner Suzuki beigelegt werden können. “Ich glaube, die Situation ist nicht so verfahren, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird”, sagte Osterloh. Aus den unterschiedlichen Kulturen resultiere allerdings ein erhöhter Verständigungsbedarf. “Ich glaube, dass man zueinander kommt”, sagte er. Auch dies dauere allerdings etwas länger als geplant.

Die Japaner, bei denen sich VW vor anderthalb Jahren für rund 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent eingekauft hatte, machten zuletzt medial ihrem Unmut über den in ihren Augen drohenden zu großen Einfluss des deutschen Partners Luft. VW-Chef Winterkorn gestand bereits mehrfach ein, dass die Parteien mit der geplanten Zusammenarbeit aufgrund kultureller Unterschiede nur schwerlich vorankämen.

Ende Juli erklärte VW im Halbjahresbericht dann, dass man die Partnerschaft auf den Prüfstand gestellt habe. Die Bewertung dauert noch an. Osterloh zeigte sich am Mittwoch überzeugt, dass VW nicht über einen Verkauf des Suzuki-Anteils nachdenkt. Die Niedersachsen wollten mit dem Einstieg vor allem von der Kleinwagen-Expertise von Suzuki profitieren und auf dem indischen Wachstumsmarkt Fuß fassen, den die Japaner beherrschen. Seither kursieren Spekulationen, VW wolle Suzuki ganz übernehmen, obwohl man in Wolfsburg bemüht ist, diese zu zerstreuen.

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Dow Jones Newswires/Handelsblatt/Guido Kruschke