Düstere Stunden nach Kommunikationsdebakel in Detroit: VW-Chef Matthias Müller. Bild: VW

Düstere Stunden nach Kommunikationsdebakel in Detroit: VW-Chef Matthias Müller. Bild: VW

Es war ein ausgewachsenes Kommunikationsdebkael für den VW-Konzern: Matthias Müller war zur Detroit Autoshow gereist, um dort für gute Stimmung für den durch den Abgasskandal in Misskredit geratenen Autokonzern zu werben und so den wichtigsten Termin seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen vorzubereiten: das Treffen mit Gina McCarthy, Chefin der Umweltbehörde EPA am Mittwoch (13. Januar)

Die US-Tour von Müller lief auch gut an. Artig, aber nicht unterwürfig entschuldigte sich der Konzernchef für die Verfehlung des Autobauers, kündigte der Kulturwandel an und versprach eine schnelle Behebung des Problems im Interesse der Kunden in Nordamerika. Das alles in sauber vorbereiteten Statements. Dann folgte das Desaster: Müller ließ sich auf Einzelinterviews mit US-Journalisten in englischer Sprache ein. Dabei kam es zu einem gravierenden Verständigungsproblem. So habe Müller bei einer Frage, ob VW ein ‘ethical problem” habe, “technical” verstanden und entsprechend geantwortet. Herausgekommen ist unter dem Strich das Verleugnen einer moralischen Verantwortung – was in den USA besonders schlecht ankam.

Darüber, dass man Müller in dieser heiklen Situation dem Gespräch mit US-Journalisten in englisch ausgesetzt hat, sorgt an den Tagen danach selbst unter gestandenen VW-Kommunikatoren für Kopfschütteln. Denn man hätte gewarnt sein müssen: bereits bei der Pressekonferenz zum Amtsantritt als neuer Chef des VW-Konzerns hatte Müller Englischdefizite in der freien Rede offenbart. Man wird aus dem missglückten Auftritt in Detroit nun wohl aber Konsequenzen ziehen. Wie AUTOMOBIL PRODUKTION aus Konzernkreisen erfuhr, soll Müller bei künftigen Auftritten in den USA muttersprachlich antworten. Die Übersetzung soll durch einen Dometscher erfolgen.

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Frank Volk