Martin Winterkorn und Ferdinand Piech, Volkswagen

Wird der Machtkampf zwischen Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch heute beendet: “Im Lauf des Tages” will sich der Aufsichtsrat zur gestrigen Krisensitzung äußern. Bild: Volkswagen

Es war – im übertragenen Sinn – ein bisschen wie bei der Papstwahl am Donnerstag: steigt weißer Rauch auf am Tagungsort des VW-AR-Präsidiums in Salzburg oder nicht? In den sozialen Medien wurde heftig spekuliert, ob und wie es mit dem von Aufsichtsratschef Piëch-Chef schwer angeschosssenen VW-Konzernboss Martin Winterkorn weitergehen würde. Letztlich kristallisierten sich zwei favorisierte Varianten heraus. Erstens: trotz aller Meriten ist Winterkorns Zeit vorbei, es übernimmt als Interimschef der Vorstandsvorsitzender von Porsche, Matthias Müller. Variante 2: Winterkorn bleibt und Piëchs große Zeit ist vorüber.

Wirklich neue Informationen kamen nicht hinzu. Und weil das so war, wurde jede Bewegung beobachtet. Meist beachteter Umstand hier: Das Treffen fand bei Porsche Salzuburg statt, was so interpretiert wurde, dass Piëch das Präsidium des Aufsichtsrates bei sich auf heimatlichem Geläuf hat antanzen lassen.

Nach der Krisensitzung zum Fußball

Das sechsköpfige Präsidium stellt den Kern des 20-köpfigen Kontrollgremiums. Beim Sondertreffen in Salzburg war auch Vorstandschef Winterkorn mit von der Partie. Am Abend weilte er dann mit Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh auf der Tribüne beim Europa-League-Viertelfinal-Hinspiel des VFL Wolfsburg gegen den SSC Neapel. Dort soll er wenig entspannt gewirkt haben, was aber auch an der 1:4-Klatsche seiner Mannschaft gelegen haben kann.

Vor knapp einer Woche war VW-Aufsichtsratschef Piëch im Nachrichtenmagazin Der Spiegel öffentlich “auf Distanz zu Winterkorn” gegangen und hatte ihm damit das Vertrauen entzogen. Nach der öffentlichen Attacke von Piëch ging es nach dpa-Informationen bei dem Treffen im Salzburg um Winterkorns berufliche Zukunft bei VW.

Winterkorn will laut der FAZ um eine Verlängerung seines 2016 auslaufenden Vertrags kämpfen. Auch nach dpa-Informationen waren strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstandes zumindest ein wesentlicher Bestandteil des Sondertreffens. Das Bundesland Salzburg ist nicht nur die Heimat von Piëch, auch der Familiensitz der Porsches befindet sich dort.

Das Aufsichtsrats-Präsidium bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Sextett bilden: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hatte sich eine Allianz öffentlich für Winterkorn ausgesprochen. Insider sagten aber übereinstimmend, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch unwahrscheinlich ist.

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fv