Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität Volkswagen

Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität Volkswagen: "Wir haben die Transformation in elf Phasen innerhalb von eineinhalb Jahren eingeteilt. Jetzt sind wir in Phase eins." Bild: Volkswagen

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Ulbrich, in der VW-Welt herrschte in den vergangenen Wochen Sommerruhe. Ich nehme an das galt nicht für Zwickau, dort wird es beim Umbau zum E-Werk kein Nachlassen gegeben haben…
Absolut richtig, die Vorbereitungen in Zwickau laufen auf Hochtouren. Wir haben bereits mit den ersten Umbauarbeiten begonnen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was passiert gerade vor Ort?
Die planerischen Vorarbeiten für das Zeitalter der E-Mobilität bei Volkswagen Sachsen sind mittlerweile komplett abgeschlossen. Jetzt wird dort gerade erstmals richtig Erde bewegt. An vielen Stellen schaffen wir die strukturellen Voraussetzungen zur Einrüstung neuer Anlagen. Wir vollziehen in Zwickau ja nicht nur einen Technologieumstieg von der Welt der Verbrennungsmotoren in das neue E-Zeitalter, sondern gehen in der Fertigung perspektivisch von heute drei auf später sechs Fahrzeugmodelle hoch. Das erfordert eine tiefgreifende Anpassung der bestehenden Strukturen in der Produktion. Allein schon die gesamte Fördertechnik muss auf die deutlich schwereren Elektroautos vorbereitet werden. Wir haben den Gesamtzeitraum der Transformation in den nächsten eineinhalb Jahren in insgesamt elf Phasen eingeteilt. Und wir sind in Phase Eins.

AUTOMOBIL PRODUKTION: …in der nun also die Bagger anrollen?
Ja. In den Werksferien haben wir die ersten größeren Rohbau- und Umbaumaßnahmen getätigt. Also Gebäude, Deckenlast oder auch zusätzliche Gebäude errichtet. Die Umbauten in der Karosseriefertigung laufen jetzt gerade. Anfang 2019 wollen wir die Produktion der Vorserie im neuen Karosseriebau starten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Werk in Zwickau soll bis 2021 von jetzt 100 Prozent Verbrenner auf 100 Prozent E-Antrieb gedreht werden. Zwickau ist jedoch gerade mal der erste Standort weltweit, der auf die Elektromobilität vorbereitet wird. Wo würden Sie für sich den Job auf ihrer persönlichen Herausforderungsskala ansiedeln? Sie sind ja jetzt schon ein paar Jahre dabei bei VW.
Das ist mit Sicherheit die spannendste Herausforderung in meinem bisherigen Berufsleben. Ich hatte das Glück, vor einigen Jahren insgesamt vier Greenfield-Werke in China völlig neu konzipieren und aufbauen zu dürfen. Das war schon eine echte Herausforderung, aber dennoch nicht mit dem zu vergleichen, was jetzt passiert. Wir bauen bis Mitte 2020 das komplette laufende Werk in Zwickau um, von heute 100 Prozent Verbrenner auf 100 Prozent E-Autos. Quasi eine Operation am offenen Herzen. Alleine dafür investieren wir rund eine Milliarde Euro. Und richtig: Zwickau ist, wenn man so will, nur die Spitze des Eisbergs. Unsere Mission ist nichts weniger als die Transformation des konzernweiten Produktionsnetzwerkes in Richtung E-Mobilität. Wir sprechen da weltweit über insgesamt 16 Standorte. Und das innerhalb von nur drei Jahren…

AUTOMOBIL PRODUKTION: …und die Transformation wird dann bis 2022 abgeschlossen sein?
Mit den gestaffelten Anläufen reicht die Transformationsphase bis ins Jahr 2023. Was die Phase der produktionstechnischen Vorbereitungen angeht, sprechen wir tatsächlich nur von drei Jahren. Der weltweite Roll-out unserer Elektroflotte umfasst vier Konzernmarken in drei Weltregionen mit insgesamt 27 Fahrzeuganläufen. Wir nennen das intern unsere „Challenge 27“.

Thomas Ulbrich

hat am 1. Februar 2018 das neu geschaffene Vorstandsressort „E-Mobilität“ bei Volkswagen übernommen. Zuvor hat sich der 52-Jährige Fahrzeugbau-Ingenieur in seinen 26 Jahren einen Namen als Produktionsexperte gemacht, baute in den 90er Jahren vier neue Werke in China auf, leitete Ende der 90er Jahre die Logistik im Werk Emden und war von 2001 bis 2008 technischer Geschäftsführer der Auto 5000 GmbH. Von 2014 bis 2018 war Ulbrich Vorstand Produktion und Logistik bei Volkswagen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie viele Werke werden im Moment umgebaut oder für E-Mobility ertüchtigt?
In der ersten Stufe haben wir vier Werke im Fokus. Neben Zwickau bauen wir in China ein komplett neues Werk auf - und rüsten ein bereits bestehendes Werk um. Auch dort gehen wir zu 100 Prozent auf E-Autos. Hinzu kommt Nordamerika, hier steht der genaue Standort noch nicht fest.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Werk in China, das auf 100 Prozent auf E-Mobilität umgestellt wird, ist Foshan?
Ja, dort entsteht gerade eine Spiegelung der bestehenden Fertigung, also quasi „Foshan zwei“. Das komplett neue Werk bauen wir in Shanghai.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie muss man sich den Transformationsprozess in Zwickau vorstellen. Werden parallel zum Umbau Verbrenner im üblichen Umfang produziert?
Das ist bei einem solchen Megaprojekt leider nicht machbar. Wenn man das gesamte Werk umbaut, lässt sich das nicht mal so nebenbei umsetzen. Unser Konzept sieht einen schrittweisen Umstieg vor: In der ersten Stufe ist bereits Anfang Juli diesen Jahres der Passat Variant in Zwickau plangemäß ausgelaufen. Golf und Golf Variant werden in Stufen II und III noch bis Mitte 2019, respektive bis Mitte 2020 weiter produziert. Dementsprechend bauen wir das Werk also schrittweise um – bis hin zu einhundert Prozent „E“.