MAN Lkw breit

Hat sich Europas größter Automobilbauer die Mehrheit an MAN gesichert? - Bild: MAN

Damit hätte sich Europas größter Automobilbauer die Mehrheit an dem DAX-Konzern gesichert ohne eine Prämie zu zahlen und einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung der geplanten Lkw-Troika unter dem eigenen Dach gemacht.

Laut zwei informierten Personen hatten sich zuletzt zahlreiche Hedgefonds mit MAN-Aktien eingedeckt und dabei weniger als die von VW gebotenen 95 Euro je Aktie gezahlt. Da diese Investoren ihre Aktien nun angedient hätten, kann VW am Montag aller Voraussicht die Mehrheitsübernahme von MAN verkünden, wie eine dritte Person sagte.

Sprecher von Volkswagen und MAN wollten sich nicht zu den Informationen äußern.

Die Wolfsburger auf der Zielgeraden?

Nach eigenen Angaben peilt Europas größter Automobilhersteller vorerst einen Anteil von 35 bis 40 Prozent an, womit die Mehrheit auf der Hauptversammlung der Münchener sicher wäre. Das Angebot läuft heute um Mitternacht aus, das Endergebnis dürfte dann in einigen Tagen veröffentlicht werden.

Nachdem VW mit den lange gehegten Plänen zu einer Lkw-Allianz ernst machte und bei MAN auf über 30 Prozent aufstockte, wurde Ende Mai ein Pflichtangebot für den bayerischen Nutzfahrzeughersteller fällig. VW bot den MAN-Stammaktionären 95 Euro je Papier und den Vorzugsaktionären 59,90 Euro – das entspricht jeweils den gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenzen und lag zeitweise ein gutes Stück unter dem Kursniveau.

Deshalb, und weil MAN-Vorstand und -Aufsichtsrat empfahlen, die Offerte zu den gegebenen Konditionen nicht anzunehmen, war die Resonanz anfangs überschaubar. Da die MAN-Aktie angesichts konjunktureller Sorgen in den vergangenen Wochen allerdings ein ganzes Stück nachgab und zuletzt deutlich unter den Angebotspreis fiel, dienten gegen Ende der Annahmefrist doch noch viele Aktionäre ihre Anteile an. Am Markt war zuletzt bereits spekuliert worden, dass es sogar für die Mehrheit reichen könnte. Am Freitag stieg die Aktie wieder über den Angebotspreis und liegt aktuell bei 95,83 Euro.

VW war eigentlich gar nicht unbedingt an der Mehrheit interessiert. Vielmehr ging es den Niedersachsen um eine stabile Hauptversammlungsmehrheit und vor allem um die grundsätzliche kartellrechtliche Freigabe einer Übernahme aus Brüssel. Denn erst wenn die Kartellwächter grundsätzlich grünes Licht geben, ist eine engere Zusammenarbeit von MAN mit der schwedischen VW-Tochter Scania in Einkauf, Entwicklung und Produktion möglich – und damit die Hebung von Synergien. Dem dazu nötigen Datenaustausch steht das Wettbewerbsrecht derzeit noch im Weg.

Aufgrund von Bedenken der EU-Kommission hatte VW am vergangenen Montag den Plan zunächst auf Eis gelegt, die eigene Führungsriege im MAN-Aufsichsrat zu installieren und damit den eigenen Machtanspruch zu untermauern. Ursprünglich sollten VW-Chef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und der Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Jochem Heizmann, in das Kontrollgremium einziehen. Bei der EU sorgte jedoch für Unmut, dass das VW-Trio auch im Kontrollgremium der Tochter Scania sitzt.

Die Gespräche mit der Kommission über die fusionskontrollrechtliche Genehmigung laufen nach Angaben aus Wolfsburg “konstruktiv”. VW zeigte sich Anfang der Woche deshalb zuversichtlich, die förmliche Anmeldung in den nächsten Wochen anmelden zu können.

Nutzfahrzeug-Troika unter einem gemeinsamen Dach

Volkswagen strebt seit Jahren eine Nutzfahrzeug-Troika mit MAN und Scania unter dem eigenen Dach an. Sie soll es mit den Branchenschwergewichten Daimler und Volvo aufnehmen können. Weniger der Schritt selbst als vielmehr der Zeitpunkt des Übernahmeangebots vor einigen Wochen kam überraschend. Denn bislang hatten VW-Chef Martin Winterkorn und der einflußreiche Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piëch, betont, zunächst müsse der Schmiergeldskandal bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal ausgeräumt werden, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten. Eine Einigung in dieser Sache ist jedoch noch in weiter Ferne.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke