MAN Lkw

Volkswagen strebt vorerst einen Anteil von 35 bis 40 Prozent an MAN an und hätte damit die Mehrheit auf der Hauptversammlung. - Bild: MAN

Per Dienstagabend hielten die Wolfsburger knapp 33,3 Prozent der Stimmrechte an dem Nutzfahrzeug- und Motorenbauer, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Wasserstandsmeldung zum Angebot hervorgeht.

Nach eigenen Angaben peilt Europas größter Automobilhersteller vorerst einen Anteil von 35 bis 40 Prozent an, womit die Mehrheit auf der Hauptversammlung der Münchener sicher wäre. Das Angebot läuft heute um Mitternacht aus, das Endergebnis dürfte dann in einigen Tagen veröffentlicht werden.

Warten auf grünes Licht aus Brüssel

Nachdem VW mit den lange gehegten Plänen zu einer Lkw-Allianz unter dem eigenen Konzerndach ernst machte und bei MAN auf über 30 Prozent aufstockte, wurde Ende Mai ein Pflichtangebot für den bayerischen Nutzfahrzeughersteller fällig. VW bietet den MAN-Stammaktionären 95 Euro je Papier und den Vorzugsaktionären 59,90 Euro – das entspricht jeweils den gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenzen und lag zeitweise ein gutes Stück unter dem Kursniveau. Entsprechend wenig Akzeptanz fand die Offerte, die MAN mit insgesamt rund 13,7 Milliarden Euro bewertet.

Auch Vorstand und Aufsichtsrat von MAN empfahlen den Aktionären in der vom Gesetz verlangten Stellungnahme, die Offerte zu den gegebenen Konditionen nicht anzunehmen. Das Synergiepotenzial sei nicht ausreichend berücksichtigt, hieß es zur Begründung. VW ist aktuell allerdings gar nicht unbedingt an der Mehrheit interessiert. Vielmehr geht es den Niedersachsen um die kartellrechtliche Freigabe aus Brüssel als solche und um eine stabile Hauptversammlungsmehrheit von 35 Prozent bis 40 Prozent.

Denn erst wenn die Kartellwächter grundsätzlich grünes Licht geben, ist eine engere Zusammenarbeit von MAN mit der schwedischen VW-Tochter Scania in Einkauf, Entwicklung und Produktion möglich – und damit die Hebung von Synergien. Dem dazu nötigen Datenaustausch steht das Wettbewerbsrecht derzeit noch im Weg.

Die Chancen stehen gut für Volkswagen

Am Aktienmarkt werden VW inzwischen trotzdem gute Chancen eingeräumt, mit dem Angebot mehr Anteile einzusammeln als eigentlich geplant; sogar die Mehrheit gilt als erreichbar. Denn die MAN-Aktie ist angesichts konjunktureller Sorgen in den vergangenen Wochen ein ganzes Stück gesunken und notiert aktuell bei 92,20 Euro und damit deutlich unter dem Angebotspreis.

Aufgrund von Bedenken der EU-Kommission hatte VW am Montag den Plan auf Eis gelegt, die eigene Führungsriege im MAN-Aufsichsrat zu installieren und damit den eigenen Machtanspruch zu untermauern. Ursprünglich sollten VW-Chef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und der Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Jochem Heizmann, in das Kontrollgremium einziehen.

Letztlich wählte die Aktionärsversammlung am Montag dann ThyssenKrupp-Chefjustiziar Thomas Kremer sowie den Münchener Rechtsanwalt Matthias Bruse und Audi-Einkaufschef Ulf Berkenhagen in das Gremium. Bei der EU hatte für Unmut gesorgt, dass das eigentlich vorgesehene VW-Vorstandstrio auch im Aufsichtsrat der Tochter Scania sitzt.

Dow Jones Newswires/kru