Kuka-Roboter Automotive

In der Beziehung Zulieferer und Hersteller fliegen bisweilen die Funken – das zeigt auch die neue Studie von IHS Automotive. Bild: Archiv

Allerdings hat nicht nur VW an Vertrauen bei den Zulieferern eingebüßt, die Wolfsburger befinden sich in guter Gesellschaft: Nahezu 75 Prozent der insgesamt 34 bewerteten Autohersteller schneiden schlechter als noch vor einem Jahr ab. Das hat Auswirkungen auf den aus der Studie erarbeiteten Supplier-Relations Index (SuRe Index), der sich um 2,8 Prozent verschlechterte. Entsprechend sackte die durchschnittliche Bewertung im Index auf 504 Punkte ab. Die höchsten Werte erreichten mit 627 Punkten Toyota und BMW, die niedrigste mit 379 Punkten kassierte der russische Avtovaz-Konzern.

Die Top-Platzierten des SuRe-Index 2014 und die Veränderung zum Vorjahr. Toyota führt vor BMW.  Grafik: IHS Automotive

Die Top-Platzierten des SuRe-Index 2014 und die Veränderung zum Vorjahr. Toyota führt vor BMW. Grafik: IHS Automotive

In dem Ergebnis spiegelt sich laut Analyse von IHS eindeutig der gestiegene Kostendruck wieder, den die Hersteller auf die Zulieferbetriebe ausüben. Dies führe zu deutlichen Spannungen im Verhältnis der Unternehmen zueinander. Als eines der gravierenden Beispiele führt IHS an, dass eine Reihe von Herstellern inzwischen wieder die bei Zulieferern – logischerweise – ungeliebten jährlichen Preissenkungsraten in die Verträge mit den Lieferanten schreiben. Dabei gehen einzelne Hersteller erheblich über branchenübliche Preissenkungen von zwei bis drei Prozent hinaus. Die Rede ist von jährlichen Preisnachlässen von bis zu 10 Prozent und mehr.

Das insgesamt sinkende Vertrauen führt zu einer Verschlechterung des Durchschnittswerts... Grafik: IHS Automotive

Das insgesamt sinkende Vertrauen führt zu einer Verschlechterung des Durchschnittswerts… Grafik: IHS Automotive

Zudem werde seitens der Zulieferer bemängelt, dass bei den Verhandlungen zunehmend der Einkauf das Kommando übernehme und – entgegen öffentlichen Beteuerungen der Hersteller im Zusammenhang mit großen Rückrufen – der Qualitätsaspekt eine eher untergeordnete Rolle spiele. Auch aus den vergangenen Jahren bekannte Klagen, wonach die Autobauer zwar höhere Innovationsleistungen von den Zulieferern abverlangen, diese aber weder finanziell noch organisatorisch ausreichend unterstützten, finden sich in der 2014er Erhebung wieder.

Gewinner und Verlierer

An der Spitze des Rankings steht 2014 Toyotoa. Danach folgen die Premiumhersteller BMW, Mercedes und Jaguar-Land Rover. Dabei reicht Toyota ein leichter Zuwachs, um BMW bei Punktgleichheit vom ersten Platz zu verdrängen. Während Toyota das Maß der Dinge bei der Zusammenarbeit mit großen Zulieferern mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr darstellt, ist BMW Liebling der kleineren Supplier. Bei Toyota werden vor allem die verlässlichen Prozesse geschätzt; das gute Abschneiden von BMW wie auch die insgesamt gute Performance der Nobelmarken begründet sich in dem nach wie vor guten Geschäft, das man mit diesen erzielen kann. Auch ist bei den Premiumherstellern die Bereitschaft höher, Innovationen zu honorieren. Jaguar Land Rover verdankt seinen Aufstieg dem verbesserten Schutz geistigen Eigentums, was den Briten den Titel als vertrauenswürdigste Marke einbringt.

Am Ende des Rankings finden sich hauptsächlich Marken aus Zukunftsmärkten wieder. Auffallend: chinesische Marken können sich verbessern. Grafik: IHS Automotive

Am Ende des Rankings finden sich hauptsächlich Marken aus Zukunftsmärkten wieder. Auffallend: chinesische Marken können sich verbessern. Grafik: IHS Automotive


Entsprechend anders das Bild bei den Volumenherstellern: Weil dort der Kostendruck am höchsten ist und diese den Druck entsprechend an die Zulieferer durchreichen, verlieren diese auch am deutlichsten an Zuspruch bei den Zulieferern. Außer Toyota erhalten von den überdurchschnittlich platzierten OEM nur PSA und Great Wall bessere Werte als im Vorjahr. Bei PSA spiegelt sich dabei wider, dass unter der neuen Führung von Carlos Tavares eine klarere strategische Linie zu erkennen ist, wo es gerade in der Produktion lang geht. Das Schlusslicht des Rankings bilden 2014 Avtovaz (379 Indexpunkte), Mahindra (392), Tata (391) und Changan (405). Aber immerhin: vor allem die chinesischen Marken Geely, Changan, Dongfeng und Shanghai-GM-Wuling werden deutlich besser bewertet als im Vorjahr. Mit Great Wall schafft es erstmals ein chinesischer Hersteller in die erste Hälfte des Rankings.

VW auf breiter Front mit schlechteren Werten

Bemerkenswert ist das Bild, das der VW-Konzern in der Studie abgibt. Zwar liegen Porsche und Audi weiterhin in der Spitzengruppe und Audi ist auch in Asien der Hersteller, mit dem die Zulieferer am liebsten zusammen arbeiten. Aber: alle Pkw-Konzernmarken werden im Endergebnis deutlich schlechter bewertet. Porsche büßt 38 Indexpunkte ein, Audi 37, die unter besonderem Kostendruck stehende Kernmarke verliert 36 Punkte, Seat 53 Punkte und Skoda 59 Punkte. Außer auf den hohen Kostendruck, den VW auf die Zulieferer ausübt, sehen die Experten diesen Trend – wie bei Hyundai – darin begründet, dass die Zulieferer weniger zuversichtlich sind was das künftige Wachstum bei VW anbelangt als noch vor einem Jahr.

Für die Studie, die von IHS seit 2005 jährlich durchgeführt wird, werden die Zulieferer zu 29 Punkten in den fünf Kategorien “Profit Potential”, “Organisation”, “Trust”, Pursuit of Excellence” und “Outlook” befragt. Befragt wurden laut IHS 1.000 der oberen und mittleren Führungsebene befragt. Beteiligt waren 51 der Top 100 weltweiten Zulieferunternehmen. Nahezu die Hälfte der Antworten kam aus Nordamerika (47 Prozent), 39 Prozent kamen von Zulieferern aus Europa, 13 Prozent aus Asien und 1 Prozent aus Südamerika.

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Frank Volk