VW mit neuer Marke für China

Mitte 2003 lief in Mexiko der letzte VW Käfer vom Band: Nun will der Konzern für den wichtigen chinesischen MArkt eine neue lokale MArke aufbauen, um im dortigen Kleinwagensegment vielleicht diesen Erfolg zu wiederholen. - Bild: VW

Der VW-Käfer steht für das deutsche Wirtschaftswunder. Nun will Volkswagen diesen Erfolg in China wiederholen – mit einer neuen Automarke nur für die Volksrepublik, wie das Handelsblatt berichtet.

In zwei Wochen läutet China das „Jahr des Hasen“ ein. In der Überlieferung gilt der Hase als Symbol für Menschen, die im Geschäftsleben richtige Entscheidungen treffen. Der deutsche VW-Konzern will das Jahr des Hasen für einen strategisch bedeutenden Vorstoß nutzen. Die Wolfsburger planen eine neue Marke, unter der verschiedene Kleinwagenmodelle vorstellbar sind. „Volkswagen für die Volksrepublik“ – so das Konzept, heißt es im Bericht der Wirtschaftszeitung. Das China-Mobil solle weniger als 8.000 Euro kosten und nach der Integration von Porsche die elfte Marke im VW-Konzern sein.

Bislang produziert das Unternehmen im Reich der Mitte die Marken VW, Audi und Skoda. Die neue Automarke, für die noch ein Name gesucht wird, soll in Kooperation mit einem der beiden chinesischen VW-Partner entstehen. Die Gespräche führt Volkswagens China-Chef Karl-Thomas Neumann. „Eine lokale Automarke sehen wir grundsätzlich als Chance, in Marktsegmenten aufzutreten, in denen Volkswagen bislang in China nicht vertreten ist“, bestätigt Neumann die Pläne gegenüber der Zeitung.

Die neuen Kleinwagen sollen vor allem den wachsenden Motorisierungsbedarf der Massen befriedigen, die nicht in Metropolen wie Peking und Schanghai leben. Da die Menschen in kleineren Städten weniger verdienen, muss VW hier ein preiswertes Auto anbieten. Mit dem Käfer hatte Volkswagen in der Nachkriegszeit ebenfalls ein Fahrzeug für die breite Masse entwickelt – und damit Automobilgeschichte geschrieben.

Konzernchef Martin Winterkorn unterstützt das Projekt seines China-Statthalters. Mit der neuen Marke will er in den schnell wachsenden Markt billiger Kleinwagen vordringen. Schon jetzt ist das China-Geschäft für Winterkorn von überragender Bedeutung. Im vergangenen Jahr verkaufte VW dort fast zwei Millionen Fahrzeuge – im Heimatmarkt war es gerade einmal die Hälfte.

Winterkorn hat sich vorgenommen, bis 2018 den japanischen Rivalen Toyota als Weltmarktführer abzulösen. Eine Schlüsselrolle dabei spielt China. Der VW-Aufsichtsrat unter Führung von Ferdinand Piëch hat bis Ende 2015 allein für China Investitionen von 10,6 Milliarden Euro genehmigt. VW beschäftigt dort 45.000 Menschen. Im Jahr 2018 dürften es mehr als 80.000 sein.

Mit den neuen Kleinwagen nur für Chinesen erfüllt VW auch die Vorgaben der Pekinger Führung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil lokaler Marken bis zum Jahr 2015 von 30 auf 40 Prozent zu steigern. „Vor diesem Hintergrund werden alle Gemeinschaftsunternehmen ausländischer Hersteller in China aufgefordert, lokale Marken aufzubauen“, sagte Neumann. Er will aus der Not eine Tugend machen.