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VW traut sich wieder auf den Anleihemarkt: Der Anleihen-Erlös soll allgemeinen Konzernzwecken dienen. Bild: Pixabay / Simon

Damit werden die Wolfsburger das Vertrauen der Anleger nach der 18-monatigen Durststrecke testen. Jörg Boche, Leiter Konzern-Treasury bei VW, sagte, die Emission der Euro-Anleihe in Milliardenhöhe sei ein Zeichen dafür, dass der Konzern zu seinem traditionellen Finanzierungsmodell zurückkehre. Der Erlös aus der Anleihe soll dann den allgemeinen Konzernzwecken dienen, so Boche und fügte an: "Es ist nicht so, dass wir in Bezug auf Liquidität unterfinanziert sind."

Ein an der Transaktion beteiligter Händler sagte, es werde damit gerechnet, dass der Konzern eine Euro-Anleihe in mehreren Tranchen begeben werde, das Volumen könnte über 4 Milliarden Euro betragen. Das Angebot könnte dabei aus zweijährigen, variabel verzinslichen Anleihen und festverzinsliche Anleihen mit Laufzeiten von vier, 6,5 und zehn Jahren bestehen. Volkswagen könnte auch in diesem Jahr eine Hybrid- und eine Anleihe in US-Dollar begeben, sollte die Rückkehr auf den Euro-Anleihemarkt erfolgreich verlaufen, erklärte Boche weiter.

Für Markus Steilen, der bei der Commerzbank im Geschäft mit syndizierten Krediten arbeitet, ist die für den Donnerstag erwartete Anleihe-Emission von VW nicht einfach mit den früheren Begebungen vergleichbar. Er verwies darauf, dass es die erste Emission seit dem Dieselgate sei. Der Schritt zeige, dass Volkswagen optimistisch sei, das Vertrauen der Investoren wiedererlangen zu können, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen.

Volkswagen will Brückenkredit nicht verlängern

Am Mittwoch (22. März) erklärten die Wolfsburger, die Klärung des Dieselskandals sei "noch nicht ganz abgeschlossen". Boche sagte weiter, man könne - sollte dies notwendig sein - immer noch auf den Verkauf von Vermögenswerten zurückgreifen. Vor dem Skandal war der Konzern als Emittent am Anleihemarkt sehr aktiv, nach Bekanntwerden von Dieselgate haben sich die Wolfsburger einen Brückenkredit über 20 Milliarden Euro zur Deckung des unmittelbaren Finanzbedarfs verschafft. Der Konzern hat nach Aussage des VW-Managers nicht die Absicht, diesen Brückenkredit zu verlängern. Neben dem Brückenkredit setzte Volkswagen statt der Anleihen auch auf forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS).

Für Dudenhöffer könnten für den Konzern trotz der diverser Einigungen in den USA zusätzliche Kosten durch Aktionärsklagen entstehen. Diese könnten bis zu 10 Milliarden Euro betragen, sagte er. Der Automobilbereich der Volkswagen AG hatte Ende 2016 eine Nettoliquidität von 27,2 Milliarden Euro, so Boche. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr zweistellige Milliardenabflüsse aufgrund von Auszahlungen, die zur Abwicklung des Emissionsskandals erforderlich sind. Für dieses Jahr peilt der Konzern eine Nettoliquidität zwischen 15 und 20 Milliarden Euro an.