Mit einem Augenzwinkern als "Sommer-Residenz" bezeichnet: die neue ZF-Konzernzentrale in Friedrichshafen kostete 92 Millionen Euro.

Mit einem Augenzwinkern als "Sommer-Residenz" bezeichnet: die neue ZF-Konzernzentrale in Friedrichshafen kostete 92 Millionen Euro. Bild: B. Mayer

„Die letzten zwei Jahre verlor der Verband der Deutschen Automobilindustrie, VDA, sowie die gesamte deutsche Automobilindustrie eine Menge an Glaubwürdigkeit", sagte Stefan Sommer am späten Abend vor der ZF-Bilanz-Pressekonferenz in der neuen Konzernzentrale in Friedrichshafen. „Aufgrund von Vorfällen, die wir alle kennen“, so Sommer. „Deshalb ist die Politik der Autoindustrie auch bei weitem nicht mehr so zugetan wie früher und hört auch nicht mehr so auf sie. Das hat die Position des VDA in Deutschland sehr geschwächt“.

Die starke Stellung der deutschen Autoindustrie werde ebenfalls in Europa auch nicht immer positiv aufgefasst, erläuterte Sommer, obwohl die neuen Gesetze ja alle europäischen Länder gleichermaßen betreffen. „Deshalb sollten wir aus Sicht der deutschen Autoindustrie und auch des VDA nicht zu viel auf politische Hilfestellungen setzen“, betonte der ZF-Chef.

Die Bemerkung ist Teil einer Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen der ZF-Chef auf seine Mitarbeiter nach dem Brexits kommen sieht. Am gleichen Tag hatte die britische Premierministerin Theresa Mai in Brüssel das Scheidungsverfahren zwischen UK und der Europäischen Union in Gang gesetzt und gleichzeitig betont, dass in einem zukünftigen Handelsabkommen auch Strafzölle eine Rolle spielen könnten.

ZF in Großbritannien

ZF beliefert die Marken Jaguar und Land Rover, sowie Aston Martin und Bentley mit Achtgang-Automatikgetriebe aus seiner Fabrik in Saarbrücken. Ob dies aber nach dem Brexit so bleiben wird, sei unklar, so Sommer. "Das hängt davon ab, welche Handelsbedingungen ausgehandelt werden", sagte er.

ZF beschäftigt in Großbritannien 3.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro an drei Standorten: In Peterlee werden Kamerasysteme produziert, in Solihull fertigt ZF Chassis-Technologien und in Nottingham betreibt ZF eine Wartungsstelle für Windenergieanlagen.