Winterkorn und Merkel

Handshake war gestern. Kanzlerin Merkel (im Bild mit Ex-VW-Chef Winterkorn bei der Hannover Messe) fordert rasche Aufklärung in der Dieselaffäre. Bild: Volkswagen

Beim Volkswagen-Konzern kündigen sich nach dem Skandal um manipulierte Dieselmotoren harte Sparmaßnahmen an. Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt, soll das erst im vergangenen Jahr ausgerufene Investitionsprogramm in Größenordnung von 100 Milliarden Euro auf den Prüfstand gestellt werden. Für den Autobauer ein heikler Punkt: Mit den Milliardenionvestitionen will sich der Autobauer technologisch für die Zukunft rüsten. Wird hier massiv gekürzt, hebt der Konzern zwar erheblich Kapital, das könnte aber zu Lasten der Konkurrenzfähigkeit in Zukunft gehen. Experten gehen davon aus, dass durch die bekannte gewordene Manipulation an Dieselmotoren Kosten in Größenordnung von etwa 40 Milliarden Euro auf den Konzern zukommen. Möglicherweise gibt es bereits am Dienstag Hinweise auf die Sparmaßnahmen, wenn der neue VW-Chef Matthias Müller erstmals vor der VW-Belegschaft spricht.

Unterdessen liegen einem Bericht der Bild am Sonntag erste Geständnisse vor. Wie das Blatt unter Berufung auf die interne Revision des Autobauers berichtete, sollen mehrere VW-Ingenieure bei Befragungen ausgesagt haben, sie hätten 2008 die Manipulations-Software installiert.

Merkel fordert rasche Aufklärung

“Wir kommentieren diese Berichte nicht”, sagte ein VW-Sprecher dazu am Sonntag. Das Unternehmen treibe die Aufklärung der Geschehnisse voran. “Sobald wir belastbare Ergebnisse haben, werden wir darüber informieren.” Bundeskanzlerin Merkel (CDU) forderte den Konzern zu einer raschen Aufklärung des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen auf.

“Ich hoffe, dass VW jetzt schnell die notwendige Transparenz herstellt und die Dinge aufarbeitet”, sagte Merkel dem Deutschlandfunk in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview. Die vor gut zwei Wochen bekanntgewordene Affäre um manipulierte Abgas-Tests bei Dieselfahrzeugen sei “natürlich ein einschneidendes Ereignis, das nicht gut ist”, sagte die Kanzlerin. Zugleich betonte sie: “Ich glaube aber, dass das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft damit nicht so erschüttert ist, dass wir nicht weiter als ein guter Wirtschaftsstandort gelten.”

Laut Bild am Sonntag befand sich der Dieselmotor EA 189, an dem bei VW seit 2005 gearbeitet worden war, kurz vor der Serienreife. Es sei aber keine Lösung gefunden worden, wie sowohl die Abgasnormen als auch die Kostenvorgaben für den Motor eingehalten werden konnten. Daher sei die Entscheidung gefallen, die Manipulations-Software zu verwenden, hätten die Ingenieure gegenüber der internen Revision zu Protokoll gegeben. Unklar sei aber weiterhin, wer die Anweisung für die Installation der Manipulations-Software gab.

Wie das Blatt weiter berichtet, sei für die Manipulation der Abgaswerte auch eine Software des Zulieferers Continental verwendet worden und zwar für die kleinere 1.6-Liter-Variante. Conti-Sprecher Felix Gress sagte der Zeitung: “Wir hatten keine Hinweise auf einen Missbrauch unserer Technik. Die uns von uns gelieferte Software konnte keine Abgaswerte manipulieren.” Bei VW wollte man sich auch zu dieser Frage nicht äußern.

In der VW-Belegschaft wachsen unterdessen die Sorgen. “Natürlich gibt es Ängste, wie sich die Situation weiterentwickelt”, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der BamS. “Es gibt aber auch Wut über die, die uns das eingebrockt haben. Wir lassen nicht zu, dass die Kollegen die Zeche zahlen.”

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fv/dpa