Leere Hosentaschen

VW-Aufsichtsrat hat seine eigenen Bonuszahlungen gestrichen. Bild: Sentello-Fotolia.com

Das neue Gehaltssystem habe der Aufsichtsrat auf seiner letzten Sitzung beschlossen. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Ziel sei, auf ein marktübliches System umzustellen. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte der Bild-Zeitung: "Die VW-Aufsichtsräte zählten in der Vergangenheit mit zu den Spitzenverdienern im Dax. Die Systematik war aber nicht mehr marktüblich. Deshalb haben wir es überarbeitet."

Pötsch bekommt für den Vorsitz des Aufsichtsratspräsidiums 100.000 Euro extra, damit erhält er rund 400.000 Euro im Jahr. Der frühere Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kassierte dem Bericht zufolge 2014 noch deutlich mehr als eine Million Euro, davon seien fast 90 Prozent Bonus gewesen. "Zuvor war der variable Anteil sehr hoch. Dieser wurde nun abgeschafft", sagte Pötsch dem Blatt. "Jeder hat verstanden, dass wir uns da verändern müssen."

Künftig bekommt ein normales Aufsichtsratsmitglied nach Angaben des Sprechers ein Festgehalt von 100.000 Euro, der Aufsichtsratsvize erhält 200.000 Euro. Für eine Tätigkeit in einem der Ausschüsse und im Präsidium des Gremiums gibt es noch einmal jeweils 50.000 Euro.

Bisher setzen sich die Bezüge des Aufsichtsrats aus einer festen Vergütung zusammen sowie einer veränderlichen Vergütung, die von der Höhe der gezahlten Dividende abhängig ist. Die Hauptversammlung muss den Änderung noch zustimmen, dies gilt als sicher.

Zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits die Bezüge der VW-Vorstände gedeckelt. Für die Top-Manager gilt nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Vorstandschef soll künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro. Neben den Obergrenzen sieht ein neues Vergptungssystem vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden.

Who is who im Abgasskandal

  • <font size="3"><strong>Martin Winterkorn:</strong></font><br />
Als langjähriger Vorstandschef leitete der heute 69-Jährige zusammen mit Ferdinand Piëch den Weltkonzern VW  auf ganz eigene Art. Vor dem detailversessenen Metallphysiker zitterten bei der Abnahme neuer Modelle schon mal die Ingenieure. Winterkorn führte das größte deutsche Unternehmen in ungeahnte Höhen, musste aber kurz nach Beginn des Abgas-Skandals zurücktreten - obwohl er betonte, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein, wie er im Untersuchungsausschuss des Bundestags wiederholte. Es wird aber auch wegen Verdachts auf Betrug und Marktmanipulation gegen ihn ermittelt - ein jäher Absturz des einst bestbezahlten Managers aller Dax-Konzerne. Bild: Volkswagen

    Martin Winterkorn:
    Als langjähriger Vorstandschef leitete der heute 69-Jährige zusammen mit Ferdinand Piëch den Weltkonzern VW auf ganz eigene Art. Vor dem detailversessenen Metallphysiker zitterten bei der Abnahme neuer Modelle schon mal die Ingenieure. Winterkorn führte das größte deutsche Unternehmen in ungeahnte Höhen, musste aber kurz nach Beginn des Abgas-Skandals zurücktreten - obwohl er betonte, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein, wie er im Untersuchungsausschuss des Bundestags wiederholte. Es wird aber auch wegen Verdachts auf Betrug und Marktmanipulation gegen ihn ermittelt - ein jäher Absturz des einst bestbezahlten Managers aller Dax-Konzerne. Bild: Volkswagen

  • <strong><font size="3"><strong>Matthias Müller: </strong></font><br />Der 63-Jährige hat den derzeit wohl schwierigsten Top-Job in der deutschen Wirtschaft. Der Ex-Porsche-Chef übernahm den VW-Vorstandsvorsitz kurz nach Winterkorns Rücktritt. Er sorgte bei der Automesse in Detroit Anfang 2016 für Aufsehen, als er in einem Radiointerview die Affäre als "technisches Problem" darstellte, dies jedoch schnell richtigstellte und die Medien kritisierte. Müller krempelt VW mächtig um. Im Sommer stellte er die Konzernstrategie "2025" vor: massiver Ausbau von Elektro-Mobilität und Dienstleistungen, autonomes Fahren. Zudem hat Müller dem bisher zentralistisch und hierarchisch geführten Konzern einen "Kulturwandel" verordnet.<strong> Bild: Volkswagen

    Matthias Müller:
    Der 63-Jährige hat den derzeit wohl schwierigsten Top-Job in der deutschen Wirtschaft. Der Ex-Porsche-Chef übernahm den VW-Vorstandsvorsitz kurz nach Winterkorns Rücktritt. Er sorgte bei der Automesse in Detroit Anfang 2016 für Aufsehen, als er in einem Radiointerview die Affäre als "technisches Problem" darstellte, dies jedoch schnell richtigstellte und die Medien kritisierte. Müller krempelt VW mächtig um. Im Sommer stellte er die Konzernstrategie "2025" vor: massiver Ausbau von Elektro-Mobilität und Dienstleistungen, autonomes Fahren. Zudem hat Müller dem bisher zentralistisch und hierarchisch geführten Konzern einen "Kulturwandel" verordnet. Bild: Volkswagen

  • <font size="3"><strong>Ferdinand Piëch: </strong></font><br />
Der Spross der Industriellen-Dynastie Porsche/Piëch - sein Großvater Ferdinand Porsche erfand unter anderem den VW Käfer - galt als Patriarch des Konzerns. Nach Jahren als Vorstandschef von Audi und später Volkswagen wechselte der gelernte Ingenieur und Auto-Narr an die Aufsichtsratsspitze. Dort führte Piëch im Tandem mit Winterkorn das riesige Firmennetzwerk lange Zeit erfolgreich - bis Ziehsohn Winterkorn bei ihm plötzlich in Ungnade fiel. Es folgte ein Machtkampf, den Winterkorn am Ende für sich entschied. Nun wird gerätselt, ob die Attacken Piëchs (79) auch etwas mit dem Wissen um die Abgasmanipulationen zu tun haben könnten. Bild: Volkswagen

    Ferdinand Piëch:
    Der Spross der Industriellen-Dynastie Porsche/Piëch - sein Großvater Ferdinand Porsche erfand unter anderem den VW Käfer - galt als Patriarch des Konzerns. Nach Jahren als Vorstandschef von Audi und später Volkswagen wechselte der gelernte Ingenieur und Auto-Narr an die Aufsichtsratsspitze. Dort führte Piëch im Tandem mit Winterkorn das riesige Firmennetzwerk lange Zeit erfolgreich - bis Ziehsohn Winterkorn bei ihm plötzlich in Ungnade fiel. Es folgte ein Machtkampf, den Winterkorn am Ende für sich entschied. Nun wird gerätselt, ob die Attacken Piëchs (79) auch etwas mit dem Wissen um die Abgasmanipulationen zu tun haben könnten. Bild: Volkswagen

  • <font size="3"><strong>Hans Dieter Pötsch: </strong></font><br />Nachfolger Piëchs als Leiter des mächtigen VW-Aufsichtsrats. Der 65-jährige Österreicher war zuvor Finanzvorstand des Konzerns. Der ausgebildete Wirtschaftsingenieur ist ein Mann der Zahlen und ruhiger Vertreter seiner Zunft, ins Rampenlicht tritt er selten. Seine Benennung zum Aufsichtsratsboss war umstritten - Aktionäre zum Beispiel kritisierten, es sei nicht klar, ob der Top-Manager in der Diesel-Affäre eine Mitverantwortung trage. Die Kritik an Pötsch aber wurde im Laufe der Zeit deutlich leiser. Er gilt als besonnen und sachlich arbeitender Team-Mensch. Indes wird auch gegen ihn wegen Marktmanipulation ermittelt. Bild: Volkswagen

    Hans Dieter Pötsch:
    Nachfolger Piëchs als Leiter des mächtigen VW-Aufsichtsrats. Der 65-jährige Österreicher war zuvor Finanzvorstand des Konzerns. Der ausgebildete Wirtschaftsingenieur ist ein Mann der Zahlen und ruhiger Vertreter seiner Zunft, ins Rampenlicht tritt er selten. Seine Benennung zum Aufsichtsratsboss war umstritten - Aktionäre zum Beispiel kritisierten, es sei nicht klar, ob der Top-Manager in der Diesel-Affäre eine Mitverantwortung trage. Die Kritik an Pötsch aber wurde im Laufe der Zeit deutlich leiser. Er gilt als besonnen und sachlich arbeitender Team-Mensch. Indes wird auch gegen ihn wegen Marktmanipulation ermittelt. Bild: Volkswagen

  • <font size="3"><strong>Wolfgang Porsche: </strong></font><br />Tritt nach außen selten in Erscheinung, sein Wort hat intern aber umso mehr Gewicht. "Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen", forderte Porsche als Konsequenz der Abgas-Affäre. Der 73-Jährige ist im Porsche/Piëch-Clan der wichtigste Vertreter, vor allem nach dem Rücktritt seines Cousins Ferdinand Piëch. Allerdings übernimmt nach und nach die jüngere Familiengeneration das Zepter. Bild: Porsche

    Wolfgang Porsche:
    Tritt nach außen selten in Erscheinung, sein Wort hat intern aber umso mehr Gewicht. "Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen", forderte Porsche als Konsequenz der Abgas-Affäre. Der 73-Jährige ist im Porsche/Piëch-Clan der wichtigste Vertreter, vor allem nach dem Rücktritt seines Cousins Ferdinand Piëch. Allerdings übernimmt nach und nach die jüngere Familiengeneration das Zepter. Bild: Porsche

  • <font size="3"><strong>Stephan Weil: </strong></font><br />Der SPD-Politiker vertritt als Regierungschef das Land Niedersachsen - Großaktionär bei VW - im Aufsichtsrat. Für die Region ist Volkswagen von überragender Bedeutung, zigtausende Jobs hängen an dem Autobauer. Weil gehört dem innersten Machtzirkel an, dem Aufsichtsratspräsidium. Der 58-Jährige versuchte vergeblich, umstrittene Bonuszahlungen für den Vorstand wegen der Abgas-Affäre auszusetzen. Kritisiert wurde er wegen des hohen Gehalts für die inzwischen ausgeschiedene Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt. Bild: Volkswagen

    Stephan Weil:
    Der SPD-Politiker vertritt als Regierungschef das Land Niedersachsen - Großaktionär bei VW - im Aufsichtsrat. Für die Region ist Volkswagen von überragender Bedeutung, zigtausende Jobs hängen an dem Autobauer. Weil gehört dem innersten Machtzirkel an, dem Aufsichtsratspräsidium. Der 58-Jährige versuchte vergeblich, umstrittene Bonuszahlungen für den Vorstand wegen der Abgas-Affäre auszusetzen. Kritisiert wurde er wegen des hohen Gehalts für die inzwischen ausgeschiedene Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt. Bild: Volkswagen

  • <font size="3"><strong>Bernd Osterloh: </strong></font><br />Gegen den Willen der Arbeitnehmerseite läuft bei Volkswagen kaum etwas. Der Betriebsrats- und Gewerkschaftsflügel hat eine ungewöhnlich mächtige Stellung - personifiziert vor allem durch Betriebsratschef Bernd Osterloh (60). Er ist bestens vernetzt, füllt seine Rolle auch als "Co-Manager" aus. Das Spar- und Reformprogramm "Zukunftspakt" verhandelte er mit VW-Markenchef Herbert Diess. Bild: Volkswagen

    Bernd Osterloh:
    Gegen den Willen der Arbeitnehmerseite läuft bei Volkswagen kaum etwas. Der Betriebsrats- und Gewerkschaftsflügel hat eine ungewöhnlich mächtige Stellung - personifiziert vor allem durch Betriebsratschef Bernd Osterloh (60). Er ist bestens vernetzt, füllt seine Rolle auch als "Co-Manager" aus. Das Spar- und Reformprogramm "Zukunftspakt" verhandelte er mit VW-Markenchef Herbert Diess. Bild: Volkswagen

  • <font size="3"><strong>Herbert Diess: </strong></font><br />Der VW-Markenchef und frühere BMW-Manager hat neben Müller die heikelste Aufgabe im Konzern. Er muss die ertragsschwache Kernmarke VW Pkw sanieren. Die Kosten sollen runter. Schon vor den Gesprächen mit der Arbeitnehmerschaft über den "Zukunftspakt" legte er sich mit Osterloh an. Auch gegen Diess (58) laufen Ermittlungen wegen möglicher Marktmanipulation. Er gilt als ein Kronprinz Müllers. Bild: Volkswagen

    Herbert Diess:
    Der VW-Markenchef und frühere BMW-Manager hat neben Müller die heikelste Aufgabe im Konzern. Er muss die ertragsschwache Kernmarke VW Pkw sanieren. Die Kosten sollen runter. Schon vor den Gesprächen mit der Arbeitnehmerschaft über den "Zukunftspakt" legte er sich mit Osterloh an. Auch gegen Diess (58) laufen Ermittlungen wegen möglicher Marktmanipulation. Er gilt als ein Kronprinz Müllers. Bild: Volkswagen