VW Passat

Bei der Rendite der Kernmarke VW muss noch kräftig nachpoliert werden. – Bild: Volkswagen

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im dritten Jahresviertel im Vergleich zum Vorjahresquartal um gut 16 Prozent auf 3,23 Milliarden Euro, wie die Wolfsburger am Donnerstag mitteilten. Dabei hatte der Konzern außerhalb seines größten Marktes China mit teils scharfem Gegenwind zu kämpfen. “Wir haben uns im bisherigen Jahresverlauf ordentlich entwickelt”, zeigte sich VW-Chef Martin Winterkorn jedoch zuversichtlich.

Skoda ist die heimliche Renditeperle

Das kam unerwartet: Skoda ist die heimliche Renditebringer des VW-Konzerns. - Bild: Skoda

Das kam unerwartet: Skoda ist die heimliche Renditebringer des VW-Konzerns. – Bild: Skoda

Winterkorn kann dabei auf Konzerntochter Skoda bauen. Die Tschechen entpuppten sich als heimliche Renditeperle: So fuhr Skoda in den ersten neun Monaten mit 651 Millionen Euro Gewinn eine Ebit-Marge von 7,4 Prozent ein. Daimlers Pkw-Sparte rund um die Premiummarke Mercedes schafft mit 7,8 Prozent kaum mehr.

Damit konnten die Tschechen den Gewinn binnen Jahresfrist um drei Viertel steigern. Garanten für das Wachstumstempo im Konzern bleiben die beiden Oberklasse-Töchter Audi und Porsche, die nur ein Drittel zum Umsatz, aber zwei Drittel zum Gewinn beitragen.

Kernmarke VW schwächelt

Während also – bis auf Seat ? die VW-Töchter kräftige Renditen einfahren, tut sich die Kernmarke schwer. Geringeres Volumen sowie höhere Investitionen in neue Technologien belasten das operative Ergebnis der Kernmarke VW in den ersten neun Monaten 2014. Eine zu hohe Fertigungstiefe und eine überdimensionierte Mitarbeiterzahl senken die Profitabilität des VW-Konzerns: Lediglich 440 Euro pro Fahrzeug verdienten die Wolfsburger im ersten Halbjahr 2014.

Das ist das Ergebnis einer Studie des CAR-Center Automotive Research der Uni Dusiburg-Essen. Als Hauptgrund des Produktivitätsproblems machen die Analysten VWs hauseigene Zuliefereraktivitäten aus. Denn durch die Volkswagen-Komponentenwerke, die Achsen, Getriebe, Sitze und vieles mehr fertigen habe der Autobauer eine extrem hohe Fertigungstiefe.

Hauseigene Zuliefereraktivitäten bremsen Produktivität

Daraus schlussfolgert Studiendirektor Ferdinand Dudenhöffer, dass die Wolfsburger im Vergleich zu Toyota, Ford und GM gemessen an der Mitarbeiterzahl überdimensioniert seien. So habe der VW-Konzern pro Mitarbeiter im Jahr 2013 einen Umsatz von 342.937 Euro erzielt. Mit den Wettbewerbern könne der VW-Konzern da nicht mithalten. So verbuchte Toyota einen Umsatz von 565.787 Euro. Deshalb komme Toyota, obwohl sie einen ähnlichen Umsatz wie die Wolfsburger haben, mit nur 338.875 Mitarbeitern aus. Der VW-Konzern beschäftigt hingegen insgesamt 572.800 Menschen.

Als weiteren hohen Kostenfaktor hat das CAR-Center Automotive Research den hohen Anteil an Mitarbeitern am Hochlohnstandort Deutschland ausgemacht. So waren 262.200 oder 45,5 Prozent der VW-Belegschaft im ersten Halbjahr 2014 hierzulande beschäftigt. Im Vergleich dazu setzte VW lediglich 12,4 Prozent seiner Autos auf dem Heimatmarkt ab.

Kein Abrücken vom Sparkurs

Martin Winterkorn breit

Von seinem eingeschlagenen milliardenschweren Sparkurs weicht Konzernlenker Winterorn nicht ab. – Bild: VW

Von seinem im Sommer eingeschlagenen milliardenschweren Sparkurs weicht der Konzernlenker nicht ab. Man müsse weiter intensiv an einer Basis arbeiten, damit “wir die großen technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Automobilindustrie stemmen können”. Dazu zählen etwa die Entwicklung abgasärmerer Antriebe und die Digitalisierung des Autos.

Der Konzernumsatz legte zwischen Juli und Ende September um vier Prozent auf 48,9 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich konnte VW den Quartalsüberschuss aus seinem Multimarkenreich sogar um fast 60 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro steigern. Nach neun Monaten stehen nach Steuern bereits 8,5 Milliarden Euro – 27 Prozent Verbesserung.

Erfolgsgarant China

Ein Grund für den Erfolg ist und bleibt China, wo der Konzern mehr als ein Drittel seiner Autos verkauft. In den ersten neun Monaten warfen Volkswagens lokale Gemeinschaftsunternehmen anteilig rund 3,9 Milliarden Euro ab und damit elf Prozent mehr als vor einem Jahr.

Doch ausgerechnet in China hat VW mit einer Rückrufaktion Kunden gegen sich aufgebracht: In mehreren Metropolen protestierten jüngst Hunderte Menschen vor VW-Händlern – auch juristisches Ungemach droht bereits. Die Kunden sind unzufrieden, wie VW mit Schwachstellen an den Hinterachsen von bis zu einer halben Million Autos umgeht.

VW China Thumb

Aufs glänzend laufende China-Geschäft kann sich VW verlassen. – Bild: VW

Inzwischen schafft der Konzern das Kunststück, bereits gut jeden dritten Euro Gewinn im laufenden Geschäft mit seinen Aktivitäten in China zu machen, obwohl die dortigen Erträge nur anteilig aus den zwingend vorgeschriebenen chinesischen Gemeinschaftsunternehmen nach Wolfsburg fließen. Trotz Gewinnteilung steht China damit nicht nur auf der Absatzseite inzwischen für rund ein Drittel der VW-Welt.

An der Börse kamen die Zahlen gut an, Analysten hatten VW weniger zugetraut. Die VW-Vorzugsaktien standen mittags mit leichten Gewinnen an der Spitze eines sonst überwiegend spürbar fallenden Dax-Umfeldes.

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Gabriel Pankow / Quellen: dpa-AFX, Volkswagen, CAR Automotive Research