Teams von Volkswagen und Diconium arbeiten bereits seit Juli 2019 am neuen Volkswagen We Campus in Berlin zusammen.

Teams von Volkswagen und Diconium arbeiten bereits seit Juli 2019 am neuen Volkswagen We Campus in Berlin zusammen. Bild: Volkswagen

| von Fabian Pertschy

Das Auto als rollender App-Store: Kunden des VW-Konzerns können ihren Wagen in Zukunft mit einem „digitalen Einkaufszentrum“ vernetzen und dadurch wichtige Funktionen wie Updates der Fahrzeug-Software von überall aus erledigen. Dazu wollen die Wolfsburger das Stuttgarter Unternehmen Diconium jetzt vollständig unter ihr Dach holen. Der Schritt folgt der Unternehmensstrategie, mehr IT-Experten einzustellen und Anwendungen zunehmend selbst zu entwickeln.

„Es gibt künftig nur noch eine Kern-App, mit der der Kunde auf alle Services zugreifen kann“, erklärt Kernmarken-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Über die Nutzer-ID würden Auto, Händler und Hersteller zusammengebracht. Geplant sind auch Dienste zum Bezahlen beim Parken, Tanken und Aufladen oder für Multimedia-Streaming. In den Aufbau der nötigen Online-Infrastruktur und die Integration von Diconium steckt VW nach dpa-Informationen eine dreistellige Millionensumme. Dazu wird der bisher 49-prozentige Anteil an der Firma aus Baden-Württemberg auf 100 Prozent aufgestockt. Die Kartellbehörden müssen allerdings noch zustimmen.

Dienste wie Carsharing (WeShare) oder der Volkswagen-Shuttle-Service Moia bleiben zunächst zwar eigenständige Angebote. „Aber das ‚Einkaufszentrum‘ ist ein modulares System, wir schalten es Schritt für Schritt frei“, sagte Stackmann – erst einmal in Europa. Laut Diconium-Mitgründer Andreas Schwend bleibt die eigene Marke bestehen: „Die Aktivitäten werden innerhalb der Car-Software-Organisation von VW weiterbetrieben.“ Auch mit anderen Kunden liefen Projekte: Der angestrebte Umsatzanteil aus den Aktivitäten bei Volkswagen liege bei 50 bis 60 Prozent.

Die niedergelassenen Händler habe man frühzeitig eingebunden. „Wir stellen fest, dass Automobilunternehmen ohne festen Vertrieb im Volumengeschäft in Schwierigkeiten kommen können“, erklärte VW-Digitalvorstand Christian Senger. Parallel seien Digitalplattformen für das Auto als „eine der letzten unerschlossenen Datendomänen“ notwendig. Neue Geschäftsführerin von Diconium ist Anja Hendel. Wie die Automobilwoche berichtete, soll die ehemalige Porsche-Managerin die direkte Zusammenarbeit von mit dem Volkswagen-Konzern auszuweiten und VW bei der Digitalisierung seiner Produkte beraten.