Seat Ibiza breit

Volkswagens Volumenmarken leiden besonders unter der Europa-Krise. Bei Seat schwoll der Verlust auf 46 Millionen Euro nach 29 Millionen Euro an. - Bild: Seat

Der deutliche Gewinnrückgang zum Jahresauftakt resultiert vornehmlich aus der schwachen Entwicklung bei Volkswagen Pkw, Seat und Skoda, wie aus den endgültigen Erstquartalszahlen hervorgeht, die Europas größter Autobauer am Montag veröffentlichte. Die Oberklassemarken entwickelten sich dagegen weitgehend stabil.

Bei der Kernmarke Volkswagen Pkw halbierte sich im ersten Quartal der operative Gewinn nahezu auf nur noch 590 Millionen Euro. Auch die tschechische Tochter Skoda verdiente mit 112 Millionen Euro nur noch etwa halb so viel wie im Vorjahreszeitraum. Beim Sorgenkind Seat schwoll der Verlust auf 46 Millionen Euro nach 29 Millionen Euro an.

Premiumtochter Audi mit “robuster Entwicklung”

Relativ robust entwickelte sich einmal mehr die Premium-Tochter Audi, die zwar einen leichten Umsatz- und Gewinnrückgang verbuchen musste, die Rendite aber auf dem hohen Niveau von über elf Prozent halten konnte. Bentley steigerte das Ergebnis, während die Sportwagenschmiede Porsche zwischen Januar und März eine Marge von fast 17,5 Prozent erwirtschaftete.

Die Entwicklung im Volkswagen-Konzern wirft erneut ein Schlaglicht auf die Tatsache, dass das Oberklassesegment vergleichsweise weniger stark von den weltweit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betroffen ist. Massenhersteller und -marken kämpfen laut Branchenexperten vor allem in Europa, aber auch auf anderen wichtigen Märkten zunehmend mit Rabatten um die verbliebenen Käufer, um ihre Marktanteile zu halten. Das belastet die Profitabilität massiv.

Aber auch bei den Nutzfahrzeug-Töchtern der Wolfsburger lief zu Jahresbeginn es alles andere als rund. Scania und Volkswagen Nutzfahrzeuge verbuchten teilweise deutliche Gewinnrückgänge, MAN gar einen Verlust von gut 100 Millionen Euro.

Im Volkswagen-Konzern führten das schwierige Umfeld und hohe Investitionen in Produkte, Werke und Technologien im ersten Quartal zu einem deutlichen Gewinnrückgang. Operativ verdienten die Niedersachsen nur noch 2,34 Milliarden Euro und unter dem Strich und nach Dritten knapp 2,03 Milliarden Euro nach jeweils rund 3,15 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch die Einnahmen von Europas größtem Autobauer sanken leicht.

Volkswagen geht allerdings weiter davon aus, im Jahresverlauf aufzuholen und den operativen Gewinn 2013 auf dem Rekord-Vorjahresniveau von rund 11,5 Milliarden Euro halten zu können. Verkäufe und Umsatz sollen zulegen.

Vorstandschef Martin Winterkorn machte bereits auf der Hauptversammlung vergangene Woche erneut deutlich, dass das Jahr 2013 eine Bewährungsprobe für die gesamte Branche ist und stimmte die Aktionäre auf schwierigere Zeiten ein. Der Wettbewerbsdruck sei hoch und steige weiter. “Auch Volkswagen bläst ein harter Gegenwind ins Gesicht”, sagte der Manager.

Wolfsburger schlagen sich besser als die meisten Konkurrenten

Trotz des deutlichen Gewinnrückgangs zum Jahresauftakt schlug sich VW mit den Zahlen zum ersten Quartal erneut besser als die meisten Konkurrenten. Daimler musste beispielsweise wegen der schwierigen Marktlage in Europa – aber auch wegen hausgemachter Probleme unter anderem in China – die Jahresprognose kappen und rechnet nun mit einem schrumpfenden Gewinn.

Das Erfolgsrezept Volkswagens liegt unter anderem in der breiten internationalen und produktseitigen Aufstellung des Zwölf-Marken-Konzerns. Zu kämpfen haben vor allem Hersteller für den Massenmarkt, die vorrangig auf den europäischen Markt konzentriert sind. Bei Peugeot Citroën brachen deshalb Verkäufe und Umsatz ein und auch bei Renault, Fiat und Ford Europe sowie der GM-Tochter Opel lief es zuletzt alles andere als gut. Massive Sparmaßnahmen sind die Folge.

Der Automobilmarkt in Europa ist mittlerweile im sechsten Jahr hintereinander auf Schrumpfkurs und dürfte 2013 auf das niedrigste Niveau seit über 20 Jahren zurückfallen. Ein schnelles Comeback ist nicht in Sicht.

Premiumsegment mit stabilen Wachstumsraten

Volkswagen will deshalb nicht nur die Internationalisierung weiter vorantreiben, sondern auch zunehmend stärker ins Premiumsegment vorstoßen. “Kein anderes Segment ist so profitabel und wenig andere Segmente zeigen so stabile Wachstumsraten”, sagte Winterkorn auf der Hauptversammlung. Schon heute stünden die Premium-Marken Audi, Porsche, Bentley, Lamborghini und Bugatti für mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses. Diese Stellung solle weiter ausgebaut werden, gab der Manager den Aktionären mit auf den Weg. VW beherrsche allerdings vor allem auch dir richtige Balance zwischen Premium und Volumen.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke