Fahrer decken Ducati-Motorrad ab.

Tuch drüber: nach nur wenigen Jahren scheint die Zeit von Ducati als Teil des VW-Konzerns abgelaufen. Bild: Ducati

Viel wurde über Sinn und Unsinn des Ducati-Kaufs spekuliert. In der Tat waren die Zweifel an der Entscheidung berechtigt. Was will eine Premiumtochter des Volkswagenkonzerns mit einer Motorradmarke? Und weil das so recht nicht aufgelöst wurde gab es zwei herrliche Geschichten. Die eine: Die 860-Millionen teure  Akquisition sei eine Geburtstagsgabe für den damaligen VW-Gott Ferdinand Piech von seinem damaligen Lieblingsschüler Rupert Stadler gewesen. Variante zwei: Bei VW habe man Wind davon bekommen, dass Mercedes-Benz seine Fühler nach Ducati ausgestreckt habe, was aber Piech gegen den Strich gegangen wäre. Verbrieft ist zumindest das Interesse von Mercedes-Benz. Die Schwaben trösteten sich kurz darauf mit dem Kauf von MV Agusta, einer weiteren italienischen Markenlegende.

So Spekulationen umrankt der Kauf, so viele Spekulationen gibt es nun um den Verkauf. Denn aus der Manufaktur Ducati wurde in der Audi-Zeit eine ernst zu nehmende Zweiradfabrik: Die Auslieferung an Kunden stieg von 16.786 Einheiten auf 55.451 Stück im abgelaufenen Geschäftsjahr. Und das waren keine kostenlosen Geschenke an die Kunden. 731 Millionen Euro Umsatzerlöse stehen dafür. Zum Vergleich: Die zweite Perle im Audi-Geflecht, Lamborghini, erzielte 853 Millionen.

Warum also dann die Trennung? Vielleicht sprach man auch nach fünf Jahren nicht dieselbe Sprache? Kann sein. Irgendwie hatte man immer den Eindruck des Anhängsels – extern wie intern, nach dem Motto „Da war doch noch was?“ Die Integration scheint also nicht gelungen. Das wäre allerdings auch wieder rein menschliche Beweggründe. Vielleicht zerlegt Volkswagen auch nach und nach Audi? Auch das eine Variante, die gespielt wird. Denn irgendwo muss ja das Geld für noch drohenden Ausgleichs für geprellte Kunden herkommen. Auch die Trendwende Richtung Ökoantriebe will finanziert sein. Und man würde, rein menschlich, eine streitbare Konzerntochter „heimholen“.

Wirtschaftlich gesehen könnte der Ducati-Verkauf jedoch ein gutes Geschäft werden und Geld in die Audi-(oder Volkswagen-)Kassen spülen - für diverse Dinge wie mögliche Entschädigungen oder neue Investitionen. Natürlich unter der Voraussetzung, man findet einen Käufer. Wer soll das aber sein? Fest steht, die angeblich beauftragte Investmentbank Evercore ist im Vermittlungsgeschäft ein Profi und erzielte im ersten Quartal ein Nettoergebnis von 387,2 Millionen US-Dollar und ist bekannt für Big Deals.