Peugeot 2008

Quotenbringer für den französischen Automarkt im ersten Quartal: Peugeot 2008. Bild: Peugeot

Noch ist nicht ganz deutlich, ob die überraschend positiven Absatzzahlen des ersten Quartals mit einem Plus von 7,1 Prozent auf 2,918 Millionen Einheiten schon als Erholung der Wirtschaft in Westeuropa gesehen werden kann, oder ob Sondereffekte in einzelnen großen Märkten die wesentliche Rolle für das gute Abschneiden spielen. Stark waren auf jeden Fall die westeuropäischen Absatzzahlen im März mit Plus 9,5 Prozent. Negative Vorzeichen gab es lediglich in den Niederlanden (-17 Prozent), der Schweiz (-8,1 Prozent) und Österreich (-4,2 Prozent). Die anderen westeuropäischen Länder verzeichnten im März teils kräftige zweistellige Aufschläge. Angeführt wird die Gewinnerliste von Portugal (+47 Prozent), Norwegen (+29,1 Prozent) Schweden (+ 22,7 Prozent), Dänemark (+20,5 Prozent) und Irland (+ 20 Prozent). Unter den großen Volkswirtschaften Westeuropas liegt Großbritannien (+ 17,7 Prozent) ganz vorne. Deutliche Erholungstendenzen gibt es in den wirtschaftlich angeschlagenen Ländern Spanien (+ 10,1 Prozent), Frankreich (+8,8 Prozent) und sogar Griechenland (+ 5,8 Prozent) und Italien (+4,6 Prozent) liegen im Plus. Fels in der Brandung ist der deutsche Markt mit einem Zuwachs von 5,4 Prozent auf 296.408 verkaufte Pkw.

Die starken März-Zahlen spiegeln sich auch im Absatz für das erste Quartal wieder. Hier verzeichnet der Gesamtmarkt ein Plus von 7,1 Prozent auf 3,126 Millionen Einheiten. Größter Einzelmarkt ist Deutschland mit 711,753 verkauften Autos, die stärkste Performance unter den großen Ländern legt Großbritannien mit einem Plus von 13,7 Prozent auf 688,122 Einheiten hin.

Hohe Incentives, neue Modelle

Dass es IHS trotz des guten ersten Quartals bei der Gesamtjahresprognose von + 2,4 Prozent belässt, begründen die Marktexperten mit dem schwachen Niveau von dem aus der Aufwärtstrend statt findet. Auch gebe es für den Aufschwung in den einzelnen Ländern marktspezifische Gründe, bei denen Zweifel angebracht seien, ob diese durchs Jahr tragen. Beispielsweise wurde in Spanien (1. Quartal + 11,9 Prozent) bereits zum fünften Mal ein Förderprogramm zum Kauf von verbrauchseffizienten Fahrzeugen verlängert, was im Februar den Privatkundenmarkt um 27 Prozent nach oben schießen ließ. Das Programm läuft aber Mitte des Jahres aus. IHS glaubt nicht, dass es ein sechstes Mal in die Verlängerung gehen wird und rechnet daher mit einem Abrutschen der Verkaufszahlen im zweiten Halbjahr.

Auch der Blick auf Deutschland fällt nicht unkritisch aus. So sei einer der Gründe für das stabile Wachstzum die aggressive Rabattpolitik. So gingen etwa die starken Verkaufszahlen von Ford auf die schwache Basis des Vorjahres in Kombination mit hohen Incentives zurück. Insgesamt aber profitiere der deutsche Automarkt aber auch von der gesamtwirtschaftlich robusten Lage. Die relativ hohen Tarifabschlüsse und das hohe Verbrauchervertrauen bilden über die Rabatt-Politik hinaus eine gute Basis für eine weiter positive Entwicklung. Auf das Gesamtjahr bezogen prognostiziert IHS Automotive für Deutschland ein Plus von 3,7 Prozent auf 3,07 Millionen Einheiten.

Das Instrument der Händler-Tageszulassungen beobachtet IHS-Experte Carlos da Silva in Frankreich. Zahlreiche Händler hätten so ihre Zahlen zum Quartalsende nach oben geschönt. Aber außer den Tricksereien sieht er in Frankreich gute Gründe für echtes Wachstum: Neue, für den Markt wichtige Automodelle. Sehr stark laufen derzeit der Peugeot-Modelle 2008 und 308, ebenso der C4 Picasso und der C3 von der Schwestermarke Citroen. Auch im weiteren Jahr könne der Markt, getragen von neuen Modellen, seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Wie stark dieser ausfällt, hänge von der Marktaufnahme des neuen Renault Twingo und des C4 Cactus ab, so da Silva.

Quintessenz der westeuropäischen Quartalsanalyse von IHS: Trotz der besser als erwartet verlaufenen Entwicklung belässt es das Institut bei der Prognose von Plus 2,4 Prozent auf 11,8 Millionen Einheiten. Das aber mit dem Zusatz, dass ein Erhöhung der Prognose nicht ausgeschlossen werden kann. Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre sieht IHS Automotive Westeuropa auf einen jährlichen Absatz von 13,49 Millionen Einheiten wachsen. Was immer noch deutlich unter den 14,8 Millionen der Rekordjahres 2007 ist.

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Frank Volk