Johann Jungwirth, Digitalchef, VW, Volkswagen

Johann Jungwirth, Chief Digital Officer: "Wir wollen bei dem autonomen, vernetzten Auto das schaffen, was Apple mit dem i-Phone gelungen ist." Bild: Wolf-Peter Steinheißer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herr Jungwirth, sorry JJ, wie läuft es denn mit dem „Du“ in Wolfsburg?
Das läuft sehr gut. Worauf es doch wirklich ankommt ist die Intelligenz der Menschen, deren Teamfähigkeit, deren Kreativität, ihre Einstellung, wie hart sie arbeiten. Der Business Dresscode und das Siezen sind doch nicht wichtig und eher hinderlich bei der Entfaltung kreativer Prozesse.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wo liegen die Unterschiede abgesehen vom Dresscode und Siezen. Ist die IT dichter am Thema Automobil dran oder ist umgekehrt die Automobilindustrie, speziell Volkswagen, dichter am Thema IT dran.
Ich bin kein Freund dieser Gegenüberstellung. Viel wichtiger ist, dass wir die Stärken aus diesen Welten kombinieren. Es geht nicht darum, wer schneller oder wer stärker ist. Denn die Digitalisierung bedeutet eine sehr große Herausforderung für die Industrie und die Gesellschaft. Es geht um ganz viele Bereiche, die wir anpacken müssen. Es geht um das Thema Sicherheit, es geht um das Thema, den Menschen Zeit zu schenken, es geht um die  Verbesserung unserer Lebensqualität. Und es geht darum, die Transformation der Industrie zu meistern und damit auch um die Sicherung von hunderttausenden Arbeitsplätzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Bislang war es ja eher Philosophie bei VW, sich aus der Kraft des Konzerns zu entwickeln…
Johann Jungwirth Klar, wir haben enorme Stärken in der Hardwareentwicklung. Das haben wir über Jahrzehnte perfektioniert. Wir bauen die besten Autos der Welt. Die Vernetzung der zwölf Marken ist herausragend. Auch beim Thema Software und Services haben wir die richtigen Lösungen vor Augen, wissen was wir tun müssen. Wir müssen aber auch noch dazu lernen. Von daher bin ich mit Blick auf die Digitalisierung eher ein Freund von strategischen Kooperationen und enger Zusammenarbeit.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stichwort richtige Lösungen. Welche richtungsweisenden Entscheidungen sind gefallen, seit deinem Amtsantritt in Wolfsburg  bist?
Zwei ganz wesentliche. Zum einen die Entscheidung, uns mit 300 Millionen US-Dollar an dem Mobilitätsanbieter Gett zu beteiligen. Zudem haben wir entschieden, dass wir auch ein neues Unternehmen gründen und zwar mit dem 100prozentigem Fokus darauf, Mobilitätslösungen der Zukunft zu finden, zu entwickeln, zu gestalten.  Unser Ziel ist ganz klar, uns zum Mobilitätsanbieter zu entwickeln. Zum anderen steht die Entscheidung, ein Self-Driving System für den Konzern zu entwickeln, welches das Herzstück des Automobils im 21. Jahrhundert werden wird. Dazu müssen wir stark in die Bereiche  Machine Learning und Artificial Intelligence Expertise gehen. Eine ganz wichtige Basis für die Self-Driving-Systementwicklung wurde mit der Akquisition von HERE gemeinsam mit den Partnern BMW und Daimler in Deutschland gelegt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: In die erwähnte neue Gesellschaft werden die Themen Mobilitätslösungen und Services komplett ausgelagert?
Ja richtig. Sitz der Gesellschaft wird Berlin sein. Wir sind bereits in der Umsetzungsphase. Details kommunizieren wir sobald es etwas zu kommunizieren gibt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird die neue Gesellschaft unter deiner Führung eingegliedert?
Nein, ich werde allerdings gemeinsam mit Thomas Sedran und anderen Kollegen im Beirat der Gesellschaft dienen. Diese Einheit ist ein Tochterunternehmen mit einem eigenen Geschäftsführer, mit einem eigenen CTO. Dafür suchen wir gerade die richtigen Leute.  Aus meiner Sicht eine sehr kluge und richtige Entscheidung.