ie Daimler-Vorstände bei der Bilanz-Pressekoferenz in Stuttgart

Die Daimler-Vorstände bei der Bilanz-Pressekoferenz in Stuttgart: Keine Aussage zu den drohenden Risiken auf dem US-Markt. Bild: Mayer

Warum wohl der Daimler-Chef alle Antworten zu den Auswirkungen der angekündigten Maßnahmen des neuen US-Präsidenten Donald Trump abwehrte? Man weiß es nicht genau. Aus der Pressestelle dringt, dass es ja noch keine konkreten Informationen gebe. Daher hätte sich der Daimler-Chef auf keine Aussage eingelassen und implizierte, dass die Journalisten ja nur auf diese "Schlagzeilen" aus wären.

Dabei hatte der US-Präsident kürzlich in einem Interview mit der BILD und der britischen TIMES die Stuttgarter Marke sogar namentlich angegriffen: "Wenn man durch die 5th Avenue geht, hat jeder einen Mercedes-Benz vor seinem Haus stehen", so Trump über die Situation an seinem New Yorker Wohnort. Und verband das mit einer Kritik, dass die Deutschen "den USA gegenüber sehr unfair" seien. "Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine." Inzwischen hat auch Trump gelernt, dass sich die GM-Marke Chevrolet längst aus Europa zurückgezogen hat. Schon allein deshalb können nicht allzu viele Chevrolets vor deutschen Wohnungen parken.

 Die Stuttgarter verkaufen in etwa jedes sechste Modell in den USA. Die Abschottungspolitik von Trump könnte Daimler somit empfindlich treffen. Bislang duckte sich der Konzernchef aber mit Stellungnahmen weg. Auf der Bilanz-Pressekonferenz in der Carl Benz Arena in Stuttgart heute (Donnerstag), warteten die Medien auf erste Aussagen.

 Doch Dieter Zetsche verweigerte nicht nur Informationen über die Maßnahmen Daimlers auf die bald täglichen Hiobsbotschaften aus Washington – er strafte jegliche Nachfragen dazu regelrecht ab. Einer Journalistin der US-Nachrichtenagentur Reuters antwortete er: „Es tut mir leid, dass ich sie nicht glücklich machen kann. Aber ich liefere Ihnen nicht die Schlagzeile.

Sorgenkind Mexiko-Produktion

Besonders hart trifft Daimler die Ankündigung von Zöllen in Höhe von 35 Prozent auf jedes Fahrzeug, das Deutschlands Autobauer in Mexiko herstellen. Im Rahmen eines Joint-Ventures errichten Daimler und Renault-Nissan gerade in Mexiko ein Produktionswerk, wo künftig Kompaktwagen-Modelle der Marken Mercedes und Infiniti vom Band laufen werden. Die neue Produktionsstätte liegt in der Nähe des Nissan-Werks Aguascalientes und erhält eine jährliche Produktionskapazität von mehr als 230.000 Einheiten. Das Werk ist gerade im Hochlauf und wird noch 2017 erste Infiniti-Modelle in Serie fertigen.

Die hohe Nachfrage nach Sprinter, V-Klasse und Vito ist Anlass dafür, in South Carolina (USA) ein neues Werk zu errichten. Dafür investiert Daimler eine halbe Milliarde Dollar und wird 1.300 Stellen schaffen. Zusätzlich wird dort der erste Mercedes-Benz Pickup gebaut, die X-Klasse. Zumindest dieser Fakt dürfte den neuen US-Präsidenten erfreuen.

Seit 9. November ist bekannt, dass Trump in den USA das Ruder übernimmt und Daimler-Chef Zetsche sagt: „Wir stellen uns auf die Dinge ein, wenn wir sie kennen“. Soll heißen, solang die Rahmenbedingungen nicht offiziell verlautbar und schriftlich niedergelegt sind, wird der Stuttgarter Konzern auch nichts quasi zu den Gegenmaßnahmen sagen. Dabei arbeitet die Abteilung „External Relations“ unter anderem mit Büros in Washington, Berlin und Brüssel mit Hochdruck daran, mehr Details über Trumps Pläne in Erfahrung zu bringen. Die Frage, ob Daimler-Vertreter beim US-Präsidenten um einen Termin nachgefragt haben, bleibt gleichfalls unbeantwortet.